Meeresstrand

               Ans Haff nun fliegt die Möwe,
               Und Dämmrung bricht herein;
               Über die feuchten Watten
               Spiegelt der Abendschein.

               Graues Geflügel huschet
               Neben dem Wasser her;
               Wie Träume liegen die Inseln
               Im Nebel auf dem Meer.

               Ich höre des gärenden Schlammes
               Geheimnisvollen Ton,
               Einsames Vogelrufen –
               So war es immer schon.

               Noch einmal schauert leise
               Und schweiget dann der Wind;
               Vernehmlich werden die Stimmen,
               Die über der Tiefe sind.


[Storm: Gedichte [Ausgabe 1885]. Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, S. 158194
(vgl. Storm-SW Bd. 1, S. 112-113)
www.digitale-bibliothek.de/band1.htm ]