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May 1st, 2009

1 mai Berlin 2009



23.45 Uhr:

Die meisten Brände sind inzwischen gelöscht. Die Polizei gibt intern Entwarnung. Die Mannschaften melden sich langsam ab.

23.24 Uhr:

Nur noch vereinzelte Stein- und Flaschenwürfe. Das Kottbusser Tor ist übersäht von Steinen, Glasscherben und Papier, aber die Polizei hat die Lage langsam unter Kontrolle.

23.01 Uhr:

Scharmützel am Kottbusser Tor. Flaschen- und Steinwürfe. Die Polizei geht immer wieder mit Reizgas vor. In der Adalbertstraße liegt ein umgekippter Müllcontainer mitten auf der Fahrbahn. Vor der Filiale der Berliner Bank haben die Chaoten ein Feuer entzündet.

22. 46 Uhr:

Auf beiden Seiten gibt es mehrere Verletzte, eine genaue Zahl konnte die Polizei bislang noch nicht nennen.

22.22 Uhr:

Die Polizei betont noch einmal, dass die Demonstranten extrem gewalttätig sind. Am Kottbusser Tor wurden sogar Sanitäter mit Steinen beworfen, die dabei waren, Verletzte zu versorgen.

22.13 Uhr:

Die Wärmebildkamera des Polizeihubschraubers, der über der Szene kreist, zeigt einen großen weißen Fleck. Es handelt sich um eine brennende Barrikade in der Mariannenstraße.

22.08 Uhr:

Es gibt keine richtigen Fronten mehr. Die Polizei wird aus kleinen Gruppen heraus immer wieder mit Flaschen beworfen. Männer und Frauen huschen über den Platz. Flaschen-Sammler mit Hackenporsche, die sich die eine oder andere heil gebliebene Flasche sichern.

22.03 Uhr:

Vermummte reißen Absperrzäune ab, schleppen sie Richtung Heinrichplatz um damit Barrikaden zu bauen. Das Feuer in der Adalbertstraße ist zwischenzeitlich geklärt. Die Chaoten hatten drei Quadratmeter Müll und Papier entzündet.

21.45 Uhr:

Die Feuerwehr hat am Kottbusser Tor eine Sammelstelle für Verletzte eingerichtet. Es werden immer mehr. Die Chaoten werfen jetzt in der Adalbertstraße mit Molotow-Cocktails. Die ganze Gegend riecht intensiv nach Benzin.

21.36 Uhr:

Feuer am Kottbusser Tor. Auf dem Gehweg der Adalbertstraße brennt seit drei Minuten ein Papierkorb oder eine Barrikade.

21.27 Uhr:

Demonstranten greifen Polizisten mit Pfefferspray an. Das geschieht am Kottbusser Tor nahe der Skalitzer Straße. Die Mieter des Neuen Kreuzberg Zentrum haben sich auf den Balkonen versammelt, beobachten die Szenerie unten beim Bier.

21.20 Uhr:

Feuerwehr-Einsatz am Kottbusser Tor. Die Person, die am Boden liegt, muss schwer verletzt sein, denn die Feuerwehrleute fordern zusätzlich einen Notarztwagen an.

21.17 Uhr:

Die Chaoten haben sich in Gruppen von 100 bis 150 Menschen aufgeteilt, aus denen immer wieder Steine und Flaschen geworfen werden.

21.13 Uhr:

Die Polizei greift massiv durch, bildet Ketten und drückt die Demonstranten Richtung Heinrichplatz. Verletzte müssen behandelt werden. Polizisten, Demonstranten und Schaulustige, die von Flaschen und Steinen getroffen wurden.

21.11 Uhr:

Das erste Feuer. Chaoten haben ein Plakat unter dem U-Bahn-Viadukt am Kottbusser Tor angezündet. Ein Miet-Fahrrad der Deutschen Bahn fliegt über die Straße, von einem Randalierer geworfen. Die Chaoten filmen und fotographieren sich gegenseitig bei ihren Aktionen.

20.55 Uhr:

Der Einsatzschwerpunkt der Polizei hat sich ans Kottbusser Tor verlagert. Die Beamten gehen dazu über, Steine- und Flaschenwerfer aus dem Chaoten-Pulk zu ziehen. Es kommt zu vielen Festnahmen.

20.49 Uhr:

Das Gerücht kursiert, dass sich Polizeipräsident Dieter Glietsch an der Demo-Strecke aufhalten soll. Bestätigt wird dieses Gerücht nicht.

20.45 Uhr:

Massive Steinwürfe auf Polizisten. Chaoten und Beamte spielen an der Skalitzer Straße nahe Kottbusser Tor ein Katz- und Maus-Spiel

20.34 Uhr:

Die Spitze des Demo-Zuges hat das Ziel erreicht ­ das Kottbusser Tor. Der Einsatzschwerpunkt der Polizei liegt weiterhin in der Wiener Straße. Dort kommt es zur Auseinandersetzung mit Chaoten.

20.17 Uhr:

Die Demo eskaliert in der Skalitzer Straße. Demonstranten bewerfen einen Mannschaftswagen und einen Funkwagen mit Steinen und Böllern. Die Polizei geht dazwischen.

20.16 Uhr:

Nächste Änderung des Veranstalters. Die Demo-Route soll noch kürzer werden. Die Demonstranten sollen den Weg über die Wiener Straße zurück ziehen, den sie gekommen sind.

20.14 Uhr:

Der Zug marschiert weiter. Die Route ist allerdings vom Veranstalter verkürzt worden – wegen massiver Störversuche des Schwarzen Blocks. Die Demo führt jetzt über Wiener Straße, Ohlauer- und Reichenberger Straße.

20.05 Uhr:

Der Demo-Zug gerät an der Lausitzer- Ecke Wiener Straße für Momente ins Stocken. Die Veranstalter sind unschlüssig, diskutieren offenbar darüber, in welche Richtung die Demo weiterziehen soll.

20 Uhr:

Eine unbeteiligte Passantin wird an der Görlitzer- Ecke Skalitzer Straße von einem Stein getroffen, der aus dem Demo-Zug geworfen wurde. Die Frau ist verletzt.

19.55 Uhr:

Der Versammlungsleiter überlegt, die Route der Demo zu verkürzen, weil zu viele bereitgewalte Autonome mitmarschieren, die die Beamten immer wieder mit Flaschen- und Steinwürfen provozieren.

19.51 Uhr:

Der Zug geht durch die Lausitzer Straße. Die Polizei fordert den Veranstalter der Demo zweimal über Lautsprecher auf, sich am Lautsprecherwagen der Polizei zu melden.

19.44 Uhr:

Nachträgliche Informationen über den Beginn der Demo. Schon im Vorfeld, heißt es, sind von den Demonstranten Scheiben in Häusern und Autos eingeworfen worden.

19.41 Uhr:

Der Schwarze Block erreicht den Lausitzer Platz. Der Schwarze Block versucht immer wieder, die Polizei durch Flaschen- und Steinwürfe zu provozieren.

19.39 Uhr:

Der Zug bewegt sich in die Muskauer Straße. Zwischen Pückler- und Eisenbahnstraße werden Polizisten mit Flaschen und Steinen beworfen. Rufe: „Schießt den Polizisten in die Beine!“

19.31 Uhr:

Etwa 300 bis 500 Vermummte attackieren Polizisten mit Steinen und Flaschen am Lausitzer Platz. Die Situation scheint für Momente zu eskalieren. Teilnehmer des Myfestes distanzieren sich vor Ort von den Chaoten.

19.26 Uhr:

An der Skalitzer- Ecke Manteuffelstraße werden Polizisten aus dem Zug mit Steinen beschmissen.

19.21 Uhr:

Massive Flaschenwürfe an der Mariannenstraße Straße Ecke Skalitzer Straße. Die Polizei greift ein. Die Situation beruhigt sich. Nach Einschätzung der Beamten ist der Zug extrem gewaltbereit.

19.18 Uhr:

Die ersten 50 Reihen des Demo-Zuges werden jetzt vom Schwarzen Block angeführt. Der Zug hat den Heinrichplatz erreicht.

19.07 Uhr:

Die ersten Böller, Flaschen und Steine fliegen. Die Polizei greift einzelne Randalierer heraus.

19.06 Uhr:

Der Zug der Revolutionären 1.-Mai-Demo setzt sich in Bewegung, nachdem er längere Zeit in der Reichenberger Straße gestanden hatte. Unter den 1600 geschätzten gewaltbereiten Demonstranten gehören etwa 1000 dem Schwarzen Block an.

19.01 Uhr:

Die Polizei schätzt, dass bei den Teilnehmern der Revolutionären 1.-Mai-Demo etwa 1600 gewaltbereite Chaoten mitmarschieren.

18.56 Uhr:

Der Brand einer Motorrad-Werkstatt in der Katzbachstraße wurde ersten Ermittlungen zufolge nicht von Chaoten gelegt. Das Feuer entstand anscheinend in der Werkstatt selbst. Der Besitzer musste verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

18.50 Uhr:

Etwa 35.000 Besucher drängen sich auf dem „Myfest“ zwischen Oranien- und Heinrichplatz.

18.40 Uhr:

Die Revolutionäre 1.Mai-Demo hat in der Reichenberger Straße begonnen. Unter den geschätzten 5000 Teilnehmern ist auch der berüchtigte Schwarze Block vertreten. Route: Mariannenplatz, Muskauer Straße, Eisenbahnstraße, Lausitzer Straße, Wiener Straße. Weiter nach Neukölln. Die Abschlusskundgebung ist am Kottbuser Tor geplant.

18.39 Uhr:

5000 Menschen haben sich inzwischen zur „18.00 Uhr-Demo“ versammelt, der Zug setzt sich in Bewegung.

18.10 Uhr:

In der Katzbachstraße brennt eine Motorradwerkstatt, noch ist unklar, ob es sich um Brandstiftung handelt.

18.10 Uhr:

Auf dem Kreuzberger „Myfest“ werden in der Adalbertstraße Standbeteiber von Autonomen angesprochen. Sie drohen: „Hier brennt es ab 19.00 Uhr!“

18.05 Uhr:

Mega-Gedränge auf dem Myfest. "Man könnte nicht mal umfallen, so dicht stehen hier die Menschen Schulter an Schulter", so BZ-Reporter Olaf Wedekind. Einziges Ärgernis sind die vielen Flaschen auf dem Boden.

18.01 Uhr:

Rund 400 offenbar gewaltbereite Antifa-Aktivisten bewegen sich zum Kottbusser Tor, um sich der Demo anzuschließen.

18.00 Uhr:

Die sogenannte „18.00Uhr-Demo“ startet in der Reichenberger Straße.

17.50 Uhr:

Innensenator Körting zur BZ: "Für den Abend kommen 500 zusätzliche Unterstützungskräfte aus Hamburg und Hannover, damit haben wir deutliche mehr als 5000 Beamte im Einsatz." Körting weiter: "Sorgen macht im Augenblick das Basketballspiel in der O2-World. Es gab schon Auseinandersetzungen in Hotels."

17.49 Uhr:

Auf dem Myfest wird ein mutmaßlicher Randalierer festgenommen. Die Polizei hat Grillanzünder und Brandbeschleuniger bei ihm gefunden.

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May 2nd, 2009

Innensenator Körting gerät in Krawall-Debatte


Ehrhart Körtings Vorgänger als Berliner Innensenator standen nach den Gewalt-Ritualen am 1. Mai in Kreuzberg vor Rücktritten. Den musste der SPD-Politiker bislang nicht fürchten. Doch in diesem Jahr flüchtete er erst vor Autonomen, dann verglich er Krawallmacher mit Sexualstraftätern.

Der 1. Mai, „Tag der Arbeit“, ist seit 1987 auch Tag des gewalttätigen Protests von Linksradikalen in Kreuzberg. So blicken alle auf den Innensenator. Haben die Sicherheitskräfte die Lage im Griff? Geht das Konzept der Polizei auf? Am Freitagnachmittag war Ehrhart Körting (SPD), wie immer am 1. Mai, selbst in Kreuzberg. Am Rande des Myfests traf er sich zur Lagebesprechung mit seinen Staatssekretären am Oranienplatz im Lokal des SPD-Fraktionsgeschäftsführers Christian Gaebler. Dabei zog er eine erste positive Bilanz der Mai-Veranstaltungen. „In der Walpurgisnacht hat die Polizeitaktik der ausgestreckten Hand gegriffen.“ Nach seinen Erkenntnissen habe kein verletzter Polizeibeamter vom Dienst abtreten müssen.

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Zuvor allerdings stand der Innensenator unvermutet selbst im Fokus der Debatte um die Mai-Krawalle. Am Dienstagabend sah sich Körting in Friedrichshain einigen potenziellen Unruhestiftern gegenüber. Die „BZ“ hatte ihn zu einem Treffen mit Wirten des Simon-Dach-Kiezes, die im März Opfer von Buttersäure-Anschlägen geworden waren, eingeladen. An der Ecke Simon-Dach- und Grünberger Straße traf Körting auf BZ-Reporter Gunnar Schupelius.
Dieser schildert den weiteren Ablauf dann so: Körting diskutierte eine dreiviertel Stunde lang angeregt mit Wirten über die Säure-Anschläge, da hätten sich „allerhand schwarz gekleidete“ Autonome in der Nähe aufgebaut. Diese rückten bis auf zehn Meter an den Tisch des Senators heran. „Einige sahen übel aus, andere sahen aus, als wollten sie Spaß haben“, so Schupelius.
Die etwa 15 bis 20 Autonome hatten Körting offenbar erkannt. Vier von ihnen fuhren dann mit einer Art Kettcar vor dem Lokal hin und her. „Körting wurde nervös. Dann schaute er auf sein Handy. Er guckte mich an und sagte: Ich muss jetzt gehen“, schildert der Reporter die Szene.

Senator lief in die falsche Richtung

Der Innensenator sei im schnellen Schritt davongeeilt, drei Personenschützer hinterher. Der gepanzerte Dienstwagen musste wenden, da Körting in die falsche Richtung gelaufen war. Dann stürzten alle ins Auto und der Senator war weg.
Schupelius rief etwas, denn er wollte noch Fotos von Körting machen, dann blieb er aber zurück mit dem Grünen-Innenpolitiker Benedikt Lux. Erkannt wurden die beiden nicht. Lux erinnert sich ähnlich. „Sie sind Körting nicht auf die Pelle gerückt. Es war höchstens die unterste Schwelle der Bedrohung.“ Der Innensenator habe aber wohl keinen Anlass für eine Auseinandersetzung bieten wollen. Er habe eine SMS erhalten und dann den „schnellen, geordneten Rückzug“ angetreten, beschreibt Lux das Ereignis.

Ein anwesender Wirt will einen der Personenschützer gehört haben, der Körting zurief: „Wir müssen hier weg, Herr Senator!“ Körting selbst spielte die heikle Situation anschließend aber herunter. Auch seine Sprecherin Nicola Rothermel will keine sonderlich bedrohliche Aktion gesehen haben. Die Schilderung sei übertrieben.
In der RBB-Abendschau mochte sich Körting an eine bedrohliche Situation gar nicht mehr erinnern: „Da waren zwölf Jugendliche, die mich über längere Zeit angeglotzt haben, wie der Berliner sagen würde. Daraufhin habe ich gesagt, ich gehe jetzt in aller Ruhe nach Hause“, sagte er in der Sendung
Am Freitag geriet der Innensenator dann erneut in eine heikle Situation. Am Rande des Myfests in Kreuzberg sprach er mit mehreren Journalisten. Dabei zog er einen ungewöhnlichen Vergleich: Körting äußerte, bei gemeinschaftlichen Taten sinke die Hemmschwelle. Das sei bei Krawallmachern so wie bei Sexualdelikten. Wenn in einer Gruppe von Männern ein Mann eine Frau vergewaltige und die anderen zusähen, dann sinke die Hemmschwelle und andere machten auch mit, ohne darüber nachzudenken. Dies sei ein „abstrakter Vergleich“, sagte Körtings Sprecherin Nicola Rothermel.

CDU erwartet eine Entschuldigung

Berlins CDU-Chef Frank Henkel ist entsetzt: „Wer solche Vergleiche zieht, der ist ungeeignet, für die Sicherheit in dieser Stadt zu sorgen.“ Henkel erwartet eine Entschuldigung des Innensenators. Komme sie nicht, werde er den Regierenden Bürgermeister auffordern, Körting zu entlassen.
Körtings Vorgänger wie Erich Pätzold (SPD) und Eckart Werthebach (CDU) standen nach den Gewalt-Ritualen am 1. Mai in Kreuzberg vor Rücktritten. Das musste Körting in den vergangenen Jahren nicht befürchten. Die Krawalle gingen zurück. Dafür ergriffen die Polizisten mehr Gewalttäter.
Vom Myfest ging Körting zum Basketball-Turnier in die O2 World. Schließlich ist er ja auch Sportsenator.


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May 4, 2009

Kreuzberg räumt auf

1. Mai 2009: Es waren die schlimmsten Krawalle seit Jahren - Kreuzberg wurde verwüstet.



Es sind die wohl heftigsten Krawalle seit Jahren am 1. Mai in Kreuzberg. Als in der Nacht endlich Ruhe einkehrt, sieht es rund um das Kottbuser Tor aus wie auf einem Schlachtfeld. Vor lauter Scherben ist die Straße kaum noch zu erkennen, aus abgebrannten Mülltonnen dringt ätzender Rauch, an vielen Stellen ist der Boden aufgerissen, fehlen die Pflastersteine.

Am Kottbuser Tor soll sich am Abend die „Revolutionäre 1. Mai-Demonstration“ auflösen, doch stattdessen springt der Funke der Gewalt endgültig über. Über Stunden liefern sich teils vermummte Demonstranten und die Polizei ein Katz- und Maus-Spiel – mit zahlreichen Verletzten auf beiden Seiten. Die Spuren der Krawalle sind auch am nächsten Morgen noch deutlich sichtbar. Reste einer abgebrannten Mülltonne kleben auf der Straße, Abertausende kleine Scherben glitzern in der Morgensonne. Mitten auf dem Fußweg klafft ein großes Loch im Pflaster – daneben liegen zerbrochene Gehwegplatten, die offenbar als Geschosse gegen die Polizei dienen sollten. Ein Schatten auf der Fahrbahn erinnert an den Molotov-Cocktail, der am späten Abend für eine meterhohe Stichflamme und viel Gesprächsstoff gesorgt hatte.

In diesem Jahr sei es besonders schlimm gewesen, sagt Mario Orlowsky von der Berliner Stadtreinigung (BSR) und deutet auf Müll und Scherben. Zum einen seien mehr Straßen betroffen, zum anderen gebe es deutlich mehr Glassplitter als sonst. Die Scherben seien besonders schwer zu beseitigen. „Die groben Mengen sind weg“, betont Orlowsky, dessen Team von 70 Straßenreinigern seit drei Uhr nachts im Dauereinsatz ist. Doch es bleiben kleine Scherben zurück, die mit der Zeit zerrieben werden. Die Zeche für die Aufräumarbeiten zahle jedenfalls der Steuerzahler, denn es habe sich um eine angemeldete Demonstration gehandelt, fügt der Einsatzleiter hinzu. Wer aber für die abgebrannten Mülltonnen aufkommt, müsse wohl noch geklärt werden.

Die Reste der Zerstörungswut lassen sich nicht an einem Morgen beseitigen, doch langsam hält die Normalität wieder Einzug in Kreuzberg. Händler bauen Marktstände auf und drapieren ihre Waren vor den Ladentüren. Vor den Kneipen stehen Männer mit Bierflaschen in der Hand und diskutieren über die Vorfälle der vergangenen Nacht. Familien mit Kindern bummeln durch die Straßen, auf denen sich vor zwölf Stunden noch Vermummte mit der Polizei Scharmützel lieferten. Beim türkischen Bäcker am Kottbuser Tor herrscht Hochbetrieb, die Verkäufer reichen gut gelaunt Tüten voller Simit und Baklava über den Tresen. Kaputt gegangen sei hier nichts, sagt ein Kellner: „Zum Glück.“

Nebenan schiebt ein Ladenbesitzer mit den Füßen den Abfall zur Seite, um die Tür zu seinem Eiscafe freizubekommen. Den kleinen Geschäften sei nichts passiert, sagt er. Das sei schon immer so gewesen am 1. Mai. Nur die großen Geschäfte und die Banken würden von den Randalierern gern aufs Korn genommen. „Aber die machen inzwischen mit Brettern dicht“, fügt der Mann hinzu und deutet auf eine Geldtransfer-Bank, die noch immer verbarrikadiert ist.

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