25 000 Besucher feierten den Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt von Tibet, am Brandenburger Tor und lauschten seiner Friedensrede. Vorher traf er mehrere Politiker im Adlon

 

Die ersten tibetischen Flaggen waren gegen Mittag vor dem Brandenburger Tor zu sehen. Da ließ der Auftritt des Dalai Lama auf der Bühne noch fünf Stunden auf sich warten.

Geduldig harrten die Menschen aus: Exil-Tibeter in rot-gelben Kutten, Alt-Hippies, Anzugträger, Väter mit ihren Kindern auf den Schultern, Radfahrer, die spontan stehen blieben. Daneben aber auch ganze Familien, von Oma bis Enkelkind. Die Sonne schien.

Auf der Bühne spielten Bands wie die Prinzen, 2raumwohnung, Rapper „Curse“ und die tibetische Sängerin Ani Choyling.

Als der Dalai Lama um 17.17 Uhr die Bühne betrat, brandete frenetischer Jubel auf unter den rund 25 000 Menschen zu beiden Seiten des Brandenburger Tores. Die Berliner begrüßten das geistige Oberhaupt der Tibeter mit dem (vorher einstudierten) tibetischen Gruß „Tashi Delek“ (Möge es dir wohl ergehen).

Zu Beginn seiner Rede auf der Kundgebung für Tibet (Motto: „Freiheit – Deutschland für Tibet. Tibet für die Welt“) bekundete der Dalai Lama seine Solidarität mit den Erdbebenopfern in China. Er erinnerte an die Tausenden Toten, darunter viele Kinder, an Millionen Obdachlose. „Wir beten für die Opfer und die Vertriebenen.“

Nach den gefeierten Worten des Dalai Lama ließen die Hauptstädter Tausende Luftballons in den tibetischen Farben blau, rot und gelb in den Himmel über Berlin aufsteigen.

Am Morgen hatte sich der Dalai Lama mit Entwicklungshilfe-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) getroffen. Ein halbstündiges Gespräch im Hotel Adlon, das in der SPD zum Teil für heftige Ablehnung gesorgt hatte. SPD-Chef Kurt Beck hatte Medienberichten zufolge gesagt, als er von dem Treffen erfahren habe, sei „der Scheiß nicht mehr rückgängig zu machen“ gewesen.

Auf die Frage, warum jeder seiner Besuche zu heftigen politischen Diskussionen in Deutschland führt, sagte der Dalai Lama gestern: „Ich bin ein Unruhestifter. Überall.“
Dem Treffen mit der Ministerin schlossen sich Begegnungen und Gespräche mit Vertretern der Fraktionen von FDP und Grünen und dem Auswärtigen Ausschuss des Bundestages an.

Gegen die Solidaritätskundgebungen für den Dalai Lama waren an insgesamt neun Orten der Stadt pro-chinesische Protestdemonstrationen angemeldet worden. Laut Polizei beteiligten sich allerdings nur zehn Menschen daran. Insgesamt sechshundert Polizeibeamte waren im Einsatz.

 

 

 

 

 

 

Zum Abschluss seines Deutschland-Besuchs sind 20.000 Menschen zum Brandenburger Tor gekommen, um den Dalai Lama live zu erleben. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter rief dazu auf, wegen des Erdbebens vorerst auf Demonstrationen gegen die chinesischen Behörden zu verzichten.

 

In seiner Rede vor dem Brandenburger Tor hat der Dalai Lama sein tiefes Mitgefühl für die Opfer des schweren Erdbebens in China ausgedrückt. "Wir beten für die Opfer und die Vertriebenen", sagte der Religionsführer. Demonstrationen von Exil-Tibetern sollten aus Solidarität einige Tage unterbrochen werden.

Nach Polizei-Angaben waren etwa 20.000 Menschen zum Brandenburger Tor gekommen, um ihre Solidarität mit dem tibetischen Volk zu bekunden. Viele Besucher brachten Tibet-Flaggen mit, die sie auf dem Platz vor der Bühne schwenkten. Luftballons stiegen auf. Ein großes Transparent am Berliner Wahrzeichen trug die Aufschrift "Freiheit - Deutschland für Tibet - Tibet für die Welt". Begeleitet wurde die Kundgebung unter anderem durch Auftritte der Musikbands "Wir sind Helden" und "2raumwohnung".

Mit Spannung erwartet wird der seit langem erste öffentliche Auftritt von Regisseur Christoph Schlingensief. Nach Veranstalterangaben soll der Künstler gemeinsam mit den Schauspielerinnen Katja Riemann und Hannelore Elsner einen Solidaritätsaufruf verlesen.

In einer schriftlichen Grußbotschaft sicherte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter die Unterstützung des Senates beim Streben der Tibeter "nach größtmöglicher kultureller und religiöser Autonomie" zu. Wowereit nahm allerdings nicht persönlich an der Veranstaltung teil und traf sich auch nicht mit dem Dalai Lama. Damit zog er den Unmut der Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus auf sich.

Lindner wettert gegen die SPD

Anders als der Regierende Bürgermeister waren CDU- Fraktionschef Friedbert Pflüger, Grünen-Landeschefin Irmgard Franke-Dressler und Martin Lindner, Vorsitzender der FDP-Fraktion, mit dem Dalai Lama zusammengekommen. Linder betonte, er halte es für ein wichtiges Zeichen für Berlin, wenn wenigstens die Oppositionsfraktionen den Dalai Lama treffen, während Wowereit, SPD-Parteichef Kurt Beck und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sich bei der chinesischen Regierung anbiedern würden. Die SPD bezeichnete Lindner als die "menschenrechtsvergessenste Partei Deutschlands".

"Ich bin ein Unruhestifter. Überall."

Am Vormittag war Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) mit dem geistlichen und weltlichen Oberhaupt der Tibeter im Hotel Adlon zusammengetroffen - als einziges Mitglied der Bundesregierung. Bereits im Vorfeld hatte das Treffen für kräftigen Streit innerhalb der SPD gesorgt.

Parteichef Beck soll das Vorgehen von Wieczorek-Zeul als Alleingang bezeichnet haben, als er selbst von dem Gesprächstermin erfahren habe, sei "der Scheiß" nicht mehr rückgängig zu machen gewesen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte ein Treffen aus Rücksichtnahme auf China abgelehnt. Der Dalai Lama selbst wollte den Streit nicht kommentieren. "Das ist deutsche Politik", sagte er. "Ich bin ein Unruhestifter. Überall."

Stand: Montag, 19. Mai 2008, 18:17