Geschichte und Verbreitung des Konsums

In der europäischen Geschichtsschreibung wurden diverse Fälle beschrieben, in denen Hunde als „Notration“ gedient haben. Dies betraf Hungersnöte, Notsituationen in Kriegen (wie die Belagerung von Paris im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71[1]), sowie einzelne Personen oder kleinere Gruppen, die sich in einer extremen Lage befanden (Polarexpeditionen[2], Armut). Als Symbol für große Verzweiflung hat dieses Verhalten auch Eingang in die Literatur gefunden: in einer Szene in Hauptmanns „Webern“ schlachtet ein alter Mann seinen Hund. Allerdings gab es auch in Gebieten, in denen die Bevölkerungsmehrheit kein Hundefleisch aß, Regionen, in denen regelmäßig Hunde verspeist wurden. Beispiele dafür sind das Appenzeller- und das Bündnerland in der Schweiz oder einige sächsische Städte. Offiziellen Angaben zufolge wurden in den Jahren um 1900 in Chemnitz durchschnittlich 226, in Dresden 136 und in Zwickau 58 Hunde jährlich geschlachtet.[1]

Schriftliche Zeugnisse, die die Zubereitung von Hundefleisch als kulinarische Tradition belegen, sind u.a. aus China bekannt. Bereits im 4. Jahrhundert vor Christus wurde Hundefleisch vom Philosophen Mengzi empfohlen. Nähere Angaben zur „Wirkung“ finden sich dann beispielsweise in einer Enzyklopädie des 16. Jahrhunderts. Die Bewertung war allerdings von Provinz zu Provinz verschieden: Die Mandschu im Norden verachteten die Menschen im Süden dafür. Sun Yat-sen, der Revolutionär gegen die Dynastie der Manschuren, begann seine politischen Treffen mit einem Hundemahl, um seine Einstellung zu den nördlichen Herrschern zu zeigen.

Angaben zur aktuellen Verbreitung und Beliebtheit von Gerichten mit Hundefleisch schwanken und sind umstritten. So tendieren Tierschutzvereine dazu, sehr hohe Zahlen getöteter Hunde anzugeben (bis zu 20 Mio. Hunde jährlich allein in China[3].). Gleichzeitig bemühen sie sich, den Kreis der menschlichen Verbraucher als sehr klein darzustellen und führen teilweise den Konsum außerhalb Koreas und Chinas ausschließlich auf die Präsenz von Auslandchinesen zurück[4]. Verteidiger der Sitte weisen hingegen darauf hin, dass auch in Afrika und Europa das Essen von Hundefleisch verbreitet ist([5]).

In Korea, China und Vietnam[6] werden regelmäßig Hunde gegessen; und diese Tatsache wird auch von zumindest einem Teil der Bevölkerung als normal empfunden. Allerdings gilt Hundefleisch in allen drei Ländern als Spezialität und ist teuer. Gezielte Züchtungen und „Hundefarmen“ gibt es erst seit kurzem[3].

Weiters soll der Verzehr von Hundefleisch in Laos, Myanmar, Malaysia[7], in der Schweiz[8], sowie in Ghana und im Kongo[7] vorkommen. Einige Igorot-Stämme auf den Philippinen halten Hunde für den regulären Verzehr[9]. In Thailand gilt Hundefleisch in einigen Regionen, vor allem in Sakon Nakhon (Isaan), als Delikatesse, obzwar die meisten Thais das Schlachten von Hunden ablehnen. In Osttimor gilt Hundefleisch als Delikatesse.[10] Allerdings soll sich diese Sitte erst in den 1980er Jahren von Sulawesi kommend hier eingebürgert haben, als in der Landeshauptstadt Dili das erste Hundefleisch-Restaurant eröffnete.

Traditionell wurden Hunde auch bei den Polynesiern als Nahrung genutzt.

Eigenschaften und Zubereitung

Hundefleisch hat eine rosa Färbung. Es liegt geschmacklich zwischen Rind und Wildbret. Beliebt ist die Kombination mit Sesam. Die Möglichkeiten der Zubereitung sind vielfältig: es kann gekocht, gebraten, gegrillt oder frittiert werden; in Vietnam werden auch Würste aus Hundeinnereien hergestellt. Im Rahmen der traditionellen chinesischen Ernährungslehre (die – vergleichbar dem antiken Verständnis von DiätNahrungsmitteln jeweils bestimmte quasi-medizinische Wirkungen zuschreibt) gilt Hundefleisch als „wärmend“. Es wird daher in China und Vietnam zumeist im Winter gegessen; und beispielsweise als scharfes Fondue (Hotpot) zubereitet. In Korea hingegen wird das bekannteste Hundegericht, der Eintopf poshintang, als Sommergericht und nützlich gegen die Hitze angesehen.

Kulturelle Differenzen, Kontroversen, Rechtliches

 

Die extremen Unterschiede in der Bewertung von Hundefleisch lassen sich mit der US-amerikanischen Kontroverse um den Export von Pferdefleisch vergleichen[11] (siehe dazu den entsprechenden englischen Eintrag ). Im Gegensatz zu den Tabus um Schweine (die zum Beispiel von Juden nicht gegessen werden dürfen), Meerschweinchen (die in Peru teils speziell für den Verzehr gezüchtet, in Europa aber nicht gegessen werden) und Rinder (deren Schlachtung in einigen Bundesländern Indiens verboten ist) führt bei Hunden und Pferden die Tatsache, dass es sich um Tiere handelt, zu denen ihre Besitzer häufig eine enge, emotionale Beziehung haben, dazu, dass fremde Esssitten aktiv kritisiert werden. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch Berichte über Transport- und Zuchtbedingungen, die als Tierquälerei betrachtet werden. Zudem kommt es immer wieder zu besonders grausamen Schlachtungen, bei denen die Hunde vor dem Töten geschlagen werden; in Korea gibt es das Gerücht, das dabei produzierte Adrenalin würde das Fleisch zarter machen oder die potenzsteigernde Wirkung verstärken.[12] Die Häufigkeit dieser Praxis ist umstritten: Verteidiger verweisen darauf, dass die meisten Hunde, die zwecks Verzehr geschlachtet werden, nicht gequält werden, und ihre Lebensbedigungen nicht schlechter sind als die von anderem Schlachtvieh.[13]

Kritiker argumentieren auch damit, dass Hunde als Fleischlieferanten eine Ausnahme bilden: das Fleisch von landlebenden Beutegreifern, hier von Raubtieren, ist so gut wie nie als Nahrung verwertet worden. Auch Wölfe wurden üblicherweise nicht verzehrt. Da Raubtiere, so auch Hunde, eine sehr hochwertige Nahrung benötigen um zu gedeihen, ist Hundefleisch außerdem nicht wirtschaftlich. Zu beachten wäre auch, dass das Fleisch von Beutegreifern sehr hoch in der Nahrungskette steht, Schadstoffe sich also sehr schnell anreichern.

Größere internationale öffentliche Diskussionen fanden jeweils im Vorfeld der olympischen Sommerspiele in Seoul und der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 statt.[14] Die südkoreanische Regierung hatte nach entsprechenden Forderungen des IOC vor der Olympiade 1988 ein Gesetz erlassen, das Lebensmittel, die „als unansehnlich gelten“ können, verbot. Da trotz technischer Illegalität der Konsum von Hundefleisch bis zum Jahr 2001 eher zunahm, gab es vor der WM Initiativen, die ein konsequentes Vorgehen dagegen forderten. Eine prominente, aber auch polarisierende Fürsprecherin hatten die Tierschützer dabei mit Brigitte Bardot. Einige ihrer Äußerungen in Interviews (sie sprach u.a. von einer „barbarische[n] Unsitte“[15]) brachten ihr den Vorwurf des Rassismus[16] und Snobismus[7] ein. Auch FIFA-Präsident Sepp Blatter unterstützte die Forderungen nach einem Ende des Schlachtens von Hunden. Die Reaktionen auf koreanischer Seite waren diesmal allerdings weniger nachgiebig: Bemühungen um eine Legalisierung – auch mit dem Argument, dass dies der beste Weg zur Bekämpfung grausamer Schlachtmethoden wäre – wurden verstärkt, und einige Nationalisten empörten sich über die Arroganz des Westens. Die Kontroverse zwischen Befürwortern der Legalisierung und Gruppen, die ein vollständiges Verbot anstreben, dauert derzeit in Südkorea noch an.

In der

EU

war das Schlachten von Hunden sowie der Handel mit Hundefleisch seit 1986 zeitweilig verboten. In Deutschland gilt dies auch weiterhin: Zwar wurde die Rechtsgrundlage des Verbotes, das Fleischhygienegesetz, 2005 außer Kraft gesetzt, jedoch wird das Verbot gemäß §1 I Nr. 4 Gesetz über den Übergang auf das neue Lebensmittel- und Futtermittelrecht (LFÜG)

[17]

bis zu einer expliziten Neuregelung der Materie weiterhin angewendet. In der Schweiz ist nur der Handel verboten, private Schlachtungen werden toleriert