Beide Seiten optimistisch

 
 
China und Tibets Exilregierung haben Gespräche aufgenommen, vermutlich in dieser streng abgeriegelten Villa. Foto: AFP
 
 

Shenzhen (RPO). Die chinesische Regierung hat Gespräche mit der tibetischen Exilregierung aufgenommen. Nach dem ersten Treffen zeigen sich beide Parteien betont optimistisch. Konkrete Ergebnisse sind indes vorerst nicht zu erwarten. Es sind die ersten Gespräche seit den jüngsten Unruhen in Tibet.

Er hoffe auf ein positives Ergebnis, wurde der chinesische Präsident Hu Jintao von der Nachrichtenagentur Xinhua zitiert. Der tibetische Exilministerpräsident Samdhong Rinpoche erklärte im nordindischen Dharamsala: "Wir sind optimistisch, dass etwas Gutes dabei herauskommt."

Bei den Gesprächen in Shenzhen nördlich von Hongkong trafen die tibetischen Delegierten Lodi Gyari und Kelsang Gyaltsen mit zwei Vizeministern des sogenannten Ministeriums für Einheitsfrontarbeit zusammen. Dieses Ressort befasst sich mit einflussreichen Gruppen außerhalb der Kommunistischen Partei Chinas. Laut einer Erklärung der Exilregierung wollten die tibetischen Delegierten ihre Sorge über den Umgang Chinas mit Tibet zum Ausdruck bringen und Vorschläge vorlegen, "um der Region Frieden zu bringen".

Der genaue Ort der Zusammenkunft wurde geheim gehalten. Zahlreiche Journalisten versammelten sich in einem Villenviertel von Shenzhen, wo die Delegationen vermutet wurden. Die florierende Stadt war vor der Rückgabe Hongkongs von Großbritannien an China 1997 eine wirtschaftliche Sonderzone, wie es die einstige Kronkolonie heute ist.

Xinhua lobt "Geduld und Aufrichtigkeit" Pekings

Beobachtern zufolge reagierte Peking mit seinem Gesprächsangebot auf den internationalen Druck nach den Unruhen Mitte März in Tibet und angrenzenden Gebieten. Damals kamen nach amtlichen chinesischen Angaben 22, nach tibetischer Darstellung rund 140 Menschen ums Leben. Xinhua erklärte indes, die Regierung komme mit ihrer Verhandlungsbereitschaft wiederholten Bitten der "Dalai-Seite" nach.

Die chinesischen Delegierten Zhu Weiqun und Sitar hätten ihren Gesprächspartnern allerdings klargemacht, dass die Unruhen neue Hürden für einen Dialog aufgebaut hätten, schrieb die Agentur. Dennoch habe sich die Regierung "mit großer Geduld und Aufrichtigkeit" zu dem Treffen bereiterklärt.

Präsident Hu wurde von Xinhua mit den Worten zitiert, dass "die Tür zum Dialog offen" bleibe. Weiter hieß es, die Regierung hoffe darauf, dass gute Grundlagen für weitere Gespräche geschaffen werden könnten. Die "Dalai-Seite" müsse glaubwürdige Schritte unternehmen, um Bestrebungen zur Spaltung Chinas ebenso zu stoppen wie die Anstiftung zur Gewalt und die Sabotage der Olympischen Spiele.

Peking macht den Dalai Lama für die Unruhen verantwortlich und besteht darauf, dass er Tibet als Teil Chinas anerkennt. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter hat mehrfach erklärt, dass er eine echte Autonomie einer Unabhängigkeit vorziehen würde.

Chinesen bejubeln Olympisches Feuer

Der Olympische Fackellauf absolvierte am Sonntag seine erste Station auf dem chinesischen Festland. Eine große Menschenmenge feierte die symbolträchtige Flamme in der Stadt Sanya mit einem Meer von roten Fahnen. Von Protesten wie zuvor an den internationalen Veranstaltungsorten war nichts zu sehen.

Station am Samstag war die frühere portugiesische Kolonie Macau, wie Hongkong eine chinesische Sonderzone. Auch dort kam es zu keinen Zwischenfällen. Studentengruppen aus ganz China reisten nach Macau, um die Flamme zu sehen. Die Zeremonie wurden von einem hohen Aufgebot an paramilitärischen Polizisten gesichert.

Die Fackel wird in China durch jede Provinz und jede Region getragen, bis sie am 8. August zur Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele in Peking eintrifft.