In Tempelhof landet kein Flugzeug mehr. Auch alle Geschäftsflieger müssen ab heute Tegel oder Schönefeld anfliegen. Und damit lange Wege in die City in Kauf nehmen.

Eric Schweitzer, Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), sieht die Abwanderung eines ganzen Wirtschaftszweiges voraus. „Ich befürchte, dass die Geschäftsflieger bald auf Landeplätze in Brandenburg ausweichen, weil es in der Hauptstadt keinen Flugplatz mehr gibt.“

Spätestens nach der Eröffnung von BBI würde man schnell zu der Erkenntnis gelangen, dass die vielen kleinen Geschäftsflieger stören. Schweitzer: „Berlin wäre dann von einem wichtigen Wachstumsbereich der Wirtschaft abgekoppelt. Die Schließung von Tempelhof bremst die Entwicklung der Boom-Branche Business-Aviation in Berlin.“ Damit sind Arbeitsplätze akut in Gefahr.

Auch die Berliner CDU fürchtet um den Standort. „Was Berlin braucht, sind viele Unternehmen, die sich neu ansiedeln. Deshalb ist es ein fatales Signal, den Flughafen Tempelhof zu schließen“, warnt die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion Marion Kroll. „Ungesehen wurde das Lauder-Konzept in den Wind geschlagen und damit mehrere Tausend Arbeitsplätze verhindert“, so Kroll.

CDU-Fraktionschef Frank Henkel: „Einen derart respektlosen Umgang mit Unternehmern darf sich gerade Berlin angesichts der hohen Arbeitslosigkeit nicht leisten.“

Buhs und Pfiffe für Wowereit bei Abschieds-Party

Es wurde still in der großen Abflughalle, als Klaus Wowereit um 20.15 Uhr seine Abschiedrede auf Tempelhof eröffnete: „Die Emotionen sind noch stark präsent. Das müssen wir respektieren. Von 1975 bis 1991 war der Flughafen schon mal für die zivile Luftfahrt geschlossen. Aus meiner Sicht ist das heute nichts anderes. Bei aller Wehmut – es ist kein Verlust der Geschichte.“

Buhrufe, Pfiffe, abwertende Gesten. Der Regierende musste eine Pause einlegen. Als Wowereit nach 15 Minuten fertig war, wurde wieder gepfiffen und gebuht.

Schiefe Töne beim Abschiedsfest. Die Flughafen-Gesellschaft hatte 850 Gäste geladen, Mitglieder der Industrie- und Handelskammer Berlin blieben der Gala demonstrativ fern.

Die, die gekommen waren, saßen an weiß gedeckten Tischen, die stillstehenden Gepäckbänder dienten als Buffet. Lachs in Orangen, französischer Hirschkeulenbraten in Calvados-Rahmsauce und Pariser Schokoladen-Tarte wurden gereicht.

Unter den Gästen war auch Mercedes Wild (67). Sie hatte als kleines Mädchen vom Rosinenbomber-Piloten Gail Halvorsen Schokolade bekommen, ihm später einen Brief geschrieben, dass sie ihn kennenlernte möchte.

Heute sind die beiden eng befreundet. Gail schrieb an Mercedes einen Brief „Vertrete mich würdig bei diesem Abschied. Ich bin traurig, dass ich keine Einladung bekommen habe.“