Hallo liebe Leute :)
Die Tabea hat eine neue Idee.
Und zwar hab ich mir so ausgedacht, dass ich mir pro Woche einen Tag, bzw. ein paar Stunden frei nehme, um mir vergangene Ereignisse durch den Kopf gehen zu lassen, und sie in einer Art wöchentlichen Kolumne niederzuschreiben. Vorerst noch in Deutsch, vielleicht werde ich es nach einiger Zeit auch in Englisch versuchen, weil ich ja hier auch viel Kontakt zu englischsprachigen Leuten pflege, kommt drauf an, wie das Feedback ist

Mein heutiges Thema:
Die Bahn hat mir Zeit gestohlen!! 

Und zwar wollten mein Freund und ich heute einkaufen gehen und ein paar Erledigungen machen. Als erstes ging es heute zur Sparkasse, wo ich noch was regeln musste, und hatte wirklich eine sehr nette Unterhaltung mit meiner Kundenberaterin ;) Jedenfalls weiß sie nun, dank mir *auf Schulter klopf* , wie man eine Anlage zu einer E-Mail hinzufügt. Sie war auch sehr stolz danach, wie sie zugeben musste ;) .. Nun ja. Der weitere Weg führte uns zum Bahnhof, wo mein Freund, Marcel, seine Monatskarte für Dezember kaufen musste. Irgendwie muss man ja zur Uni kommen ;). Auf dem Weg zum Bahnhof lies Marcel, zugegeben, nicht wirklich ernst gemeint, nicht sehr nette Sprüche über Frauen an Bahnschaltern erklingen. Sowas in der Art von "Ooooh, jetzt dürfen wir bestimmt eine halbe Stunde da warten, weil sich eine Frau nicht entscheiden kann, welchen Zug sie jetzt nimmt!" Daraufhin meinte ich bloß, das ja immerhin ein Schalter da sei, um sich Informationen zu holen, und ich würde es auch nicht viel anders machen ;). Also eine großartig ernstgemeinte Diskussion war es nicht, nur flapsige Gespräche die man in einer spielerischen und guten Laune austauscht. Also angekommen im Bahnhof gingen wir nun in einen etwas größeren Raum, der mit einer Glastür von der [ironie] riesigen Bahnhofshalle [/ironie] getrennt wird. Also reingegangen in den Raum, wo sich insgesamt 4 Schalter befinden, allerdings nur einer besetzt war. Eine kleine Schlange bildete sich bereits vor dem einzigen geöffneten Schalter. Diese bestand aus einer älteren Frau, zwei jüngeren Studenten, einer weiteren Frau und uns beiden. Ein Paar, vermutlich ein Ehepaar, stand am Schalter und wurde beraten. Man konnte alles sehr gut mithören und nach einiger Zeit wusste ich, dass die beiden eine Reise zu ihren Verwandten im Westerland planten. Nun wollten sie herausfinden, wie man möglichst billig dahin kommt. Nun, nichts dagegen einzuwenden, immerhin leben wir ja nicht in der wirklichen wirtschaftlichen Aufschwungphase und Hartz IV wird groß geschrieben. Da muss man dreimal überlegen, ob man nun verreist oder nicht. Also stellten wir uns an und waren noch in unserer Laune "Frauen am Schalter". Wir hörten einige Bruchteile des Gespräches mit. Als dann der Mann, der bald verreisende, immerzu nachfragte, wie viel das alles kosten würde und woher denn alles, und ob es da noch andere Angebote gäbe, schaute ich Marcel abschätzend an und meinte "Sieh mal, ein Mann! Ein Mann am Schalter der sich nicht auskennt! Der MANN hält uns jetzt auf!" Alles natürlich nicht ernstgemeint, ich halte mich da neutral, es gibt überall schwarze Schafe und wissen kann man ja eh nicht alles. Marcel schaute auf den Boden und murmelte irgendwas von "Jaja, ist ja gut.." Nun hatte ich also doch wieder Recht gehabt!  Um 17:32 Uhr schaute Marcel wieder auf die Uhr und meinte "Ooooh schon 22 Minuten..." Ich nahm es locker und witzelte... "Guck mal, jetzt sind es schon 22 Minuten und 30 Sekunden!" Natürlich wusste ich nicht, dass es da noch längern dauern würde... Nach und nach füllte sich der Raum mit zwei weiteren Frauen, die sich hinter uns stellten und schon nach einigen Minuten sagten "Oh je, das kann ja noch länger dauern!" Ich drehte mich zu ihnen und grinste zustimmend. Eine weitere Frau betrat den Raum und stellte sich hinter die anderen beiden Frauen. Auch sie war nicht angenehm überrascht von der sehr detaillierten Auskunft, die das Ehepaar verlangte. Nach einiger Zeit kam man ins Gespräch und lernte sich kennen. Irgendwie verbund uns ja alle nur das eine: Möglichst schnell seine Sachen erledigen und wieder weg zum Alltag kehren. Immerhin mussten wir ja auch noch den Einkauf erledigen!
Die Zeit rannte davon und noch um 17:50 Uhr standen wir an dem selben Platz. Währenddessen holte mein Freund einige Prospekte aus den umstehenden Regalen, blätterte mit mir drin rum, und wir planten eine imaginäre Reise nach Paris mit einer Abendrundfahrt mit anschließender romantischer Bootsfahrt über die Seine für nur 34 € pro Nase. So brachte man die Zeit rum. Um 17:55 Uhr, als ich bemerkte, dass ich bereits 35 Minuten meines Lebens verschenkt hatte, hörte man vom Schalter einen Drucker, der sich in Bewegung setzte. Man hörte aus der vorderen Hälfte der Schlange wie auch aus der hinteren erleichtertes Aufatmen. Endlich hatte sich wohl das Ehepaar entschieden. Einige unserer mitleidenen Genossen wollten schon eine vorher eingekaufte Flasche Prosecco aufmachen, weil sie sich so freuten. Doch dann kam der Satz von dem Ehemann:"Oh, ich sehe gerade auf den Papieren... Wir müssen in Hamm umsteigen?" Der Bahnangestellte wirkte leicht verunsichert, und auch wir hielten den Atem an und schauten neugierig nach vorne. Der Angestellte nickte. "Ist das ein Problem?" Der Mann erwiderte:"Nun, ich habe in Hamm keine guten Erfahrungen gemacht, gibt es da keine andere Strecke?" Ein verzweifeltes Seufzen machte sich unter uns Wartenden breit. Das war wohl nichts, bloß falscher Alarm. Der Angestellte der Bahn war aber noch recht locker und meinte daraufhin, dass es dann etwas teurer sei, wenn sie dann auf den ICE umsteigen müssen, anstatt auf den IC. Dann fragte die Frau, was denn der Unterschied zwischen einem IC und einem ICE sei. Wir kamen solangsam alle ins Schwitzen. Ich sagte daraufhin bloß, dass wir vielleicht eine Decke hätten mitnehmen sollen für ein kleines Picknick auf dem [ironie] sauberen, gemütlichen [/ironie] Bahnhofsboden. Die Frau vor uns zeigte auf ihre Einkaufstasche und sagte "Ich habe eben erst Äpfel gekauft, die könnten wir verteilen!" Hach ja, wenigstens der Humor war noch da! Der Angestellte musste leicht schmunzeln, als er unsere sarkastischen Bemerkungen hörte, kehrte aber wieder zu seinem "Problemfall" zurück und erklärte alles ruhig. Als dann plötzlich alles augenscheinlich erledigt war, gegen 18:12 Uhr, bereits eine Stunde und 2 Minuten voller Warten, kam eine ältere, gebrechliche Frau in den Raum getschlurft, und fragte die Dame am Anfang der Schlange, ob sie nicht vor könnte, sie wollte ja nur eine Fahrkarte kaufen, würde ja nicht so lange dauern. Der junge Student drehte sich um und fragte etwas lauter "Wollen wir das nicht alle?!" Zustimmendes Nicken sah man in der Reihe. Trotzdem wurde die Frau vorgelassen, sie war ja augenscheinlich krank und sehr gebrechlich. Das Ehepaar zog sich übrigens an ein Tisch zurück, um, wie sie sagten "Ordnung in das Chaos" zu bringen und für eventuelle Rückfragen nochmals erreichbar zu sein. Dementsprechend war die Erleichterung noch nicht da. Als die ältere Frau bedient wurde und wir immernoch ungeduldig von einem Bein auf das andere tappsten, um wenigstens noch etwas den Kreislauf in Schwung zu halten, bemerkten wir einen Mann, ein Angestellter der Bahn, vor der Glastür, also von außen, wie er sie zuschloss und danach wegging. Wir alle schauten dorthin, ratlose Gesichter sahen sich an. Ich sagte "Ähm.. Eigentlich wollte ich hier heute noch raus..." Die Frau hinter mir meinte kichernd "Ja, das war's dann wohl mit dem Einkauf. Wir müssen wohl doch auf die Äpfel zurückgreifen!" Die Frau mit dem Einkauf in der Tasche lächelte herzlich "Kein Problem, ich hab genug!" Der Angestellte vom Schalter sprang auf, während die ältere Dame ihre neu erworbene Fahrkarte in ihrer Handtasche verstaute, und schloss die Tür wieder auf. Na Gott sei Dank, dachte ich. Als dann die ältere Dame verschwunden war ging plötzlich alles ganz schnell. Erst war die "Apfel-Frau" abgefertigt innerhalb von 2 Minuten, dann waren die beiden Studenten dran. Sie wollten sich eine Schülerkarte kaufen. Doch das Problem war, dass der Drucker plötzlich streikte, und somit wurde wieder 7 Mnuten Wartezeit drangehangen, bis dann der Angestellte auf die Idee kam, dass man diese Karte auch handschriftlich ausfüllen kann. Als die beiden nun abgefertigt waren folgte die Frau vor uns, und dann endlich wir. Marcel kaufte sich seine Karte, und wir wünschten den letzten beiden wartenden Frauen noch viel Erfolg beim abgefertigtwerden. Beim Herausgehen blickte ich noch einmal auf die Uhr. Es war 18:32 Uhr.
Für ca. 30 Sekunden habe ich nun 1 Stunde und 22 Minuten meines Lebens verschwendet.
Na toll ...