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November 13, 2009

"böse Menschen haben keine Lieder" ?????

Johann Gottfried Seume (1763 - 1810)

Wo man singet, laß dich ruhig nieder
ohne Furcht, was man im Lande glaubt
wo man singet, wird kein Mensch beraubt
böse Menschen haben keine Lieder

Mit Gesange weiht dem schönen Leben
jede Mutter ihren Liebling ein,
trägt ihn lächelnd in den Maienhain,
ihm das erste Wiegenlied zu geben.

Mit Gesange eilet in dem Lenze
rasch der Knabe von des Meisters Hand,
und die Schwester flicht am Wiesenrand
mit Gesang dem Gaukler Blumenkränze.

Mit Gesang spricht des Jünglings Lieb',
was in Worten unaussprechlich war,
und der Freundin Herz wird offenbar
im Gesange, den kein Dichter schrieb.

Männer hangen an der Jungfrau Blicken;
aber wenn ein himmlischer Gesang
seelenvoll der Zauberin gelang,
strömt aus ihrem Strahlenkreis Entzücken.

Mit dem Liede, das die Weisen sangen,
sitzen Greise froh vor ihrer Tür,
fürchten weder Lanzen noch Visier;
vor dem Liede beben die Tyrannen.

Mit dem Liede greif der Mann zum Schwerte,
wenn es Freiheit gilt und Fug und Recht,
steht und trotzt dem eisernen Geschlecht
und begräbt sich dann im eignen Werte.

Wenn der Becher mit dem Traubenblute
unter Rosen uns're Stunden kürzt,
und die Weisheit uns're Freude würzt,
macht ein Lied den Wein zum Göttergute.

Des Gesanges Seelenleitung bringet
jede Last der Arbeit schneller heim,
mächtig vorwärts geht der Tugend Keim;
weh' dem Lande, wo man nicht mehr singet!

Published at 14:44 ( 0 comments / 35 visits )
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November 13, 2009

"böse Menschen haben keine Lieder" wirklich ????

Wo man singet, laß dich ruhig nieder
ohne Furcht, was man im Lande glaubt
wo man singet, wird kein Mensch beraubt
böse Menschen haben keine Lieder

Text: Johann Gottfried Seume (1763 - 1810)

vgl: http://www.ipernity.com/blog/95700/202532

Dieser Vers wird oft zitiert und das in den meisten Fällen auch wirklich gut gemeint.
Seume, ein Zeitgenosse von Schiller, Goethe u. a. ist als Idealist einzuordnen. Obwohl selbst "Militarist" bleibt er "Individualist" und hält sich selbst nicht immer an seine eigenen poetischen Ratschläge.

Soweit so gut. Was aber GAR NICHT gut ist, ist das Gedicht an sich. Hier wird völlig an der Wirklichkeit vorbei, auch von Seume selbst an seiner eigenen Wirklichkeit vorbei, etwas in die Wels gesetzt, was einfach nur Unfug ist. Seume selbst hat als Soldatensklave mit Sicherheit Marschlieder singen müssen, und wurde mehr als "BERAUBT" nämlich um seine Freiheit, während er im Gleichschritt singen mußte und "FURCHT" um sein Leben hatte. Und mit ihm wurden Millionen singend in den Tod getrieben, Zeit seines Lebens, vor ihm, solange es Lieder gibt, nach ihm, bis zum heutigen Tag und solange es Lieder geben wird.

Ob auf dem Platz des Himmlischen Friedens. dem Roten Platz, dem Reichsparteitagsgelände und wo sonst noch auf dieser singenden Welt, IMMER SIND ES BÖSE, AUSGESPROCHEN BÖSE MENSCHEN, die hier Lieder haben, und Musik verordnen, "Frohsinn" befehlen.

Ganz zu schweigen von der Geschmacklosigkeit der Lieder, die aus den Kaschemmen und Kneipen dieser Welt tönen, den Kampfliedern von rechs und von links, IMMER SIND ES BÖSE, AUSGESPROCHEN BÖSE MENSCHEN, die hier Lieder haben.

Bei den mittelalterlichen Autodafes zog der Pöbel der Inquisition "heilige Lieder und Psalmen" singend dem zum Tode verurteilten, unschuldigen Delinquenten voran um dann lustvoll seinem qualvollen Sterben zuzuschauen, wahrscheinlich auch dann noch singend. IMMER SIND ES BÖSE, AUSGESPROCHEN BÖSE MENSCHEN, die hier Lieder haben.

Die Liste läßt sich beliebig fortsetzen, denn immer wo böse Menschen zusammen sind, gibt es auch Lieder. So ist das eben, und wir sollten es so sehen.

Aber es wäre nicht fair, wenn ich nicht an dieser Stelle darauf hinweisen würde, daß es auch andere Lieder, andere Gesänge gibt, andere Gründe zu singen. Ich schreibe diese kleine Abhandlung ja auch nicht um Lied und Musik schlecht zu machen.

ABER:

(und deshalb schreibe ich dies) Musik läßt sich nicht einordnen in Kategorien wie "gut" und "böse", "kunstvoll" und "banal", etc. und wir sollten es auch gar nicht erst versuchen. MUSIK ist eben FÜR ALLE DA, so wie die Sonne für alle scheint. So wenig die Urlaubsbräune der Karibik etwas über mich sagt, so wenig sagt die Musik, die ich mache, etwas über mich aus.

Musik, muß mir Vergnügen bereiten, sie muß mich fei machen, in ihr muß ich abtauchen können in eine Welt der Klänge, wenn es geht auch nicht allein sondern mit anderen zusammen. Es ist dieses Verschmelzen mit dem Gesang, mit den Klängen, das Loslassen von den Zwängen dieser Welt. Musik soll von mir ausgehen und wieder zurückkommen, wie ein Echo, sie soll auf mich wirken, so daß ich sie zurückgeben kann, selbst Echo. Vergessen, daß ich bin, nur noch Ohr sein, alle Wichtigkeiten dieses Lebens beiseite schieben. Das ist für mich Musik, das ist MEINE MUSIK.

Published at 14:41 ( 1 comment / 35 visits )
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August 28, 2009

Reif für den Müll oder was ???

Reif für den Müll oder was ???

Zunächst mal meine Bewunderung und auch Hochachtung vor allen Sterneverteilern und denen, die liebevolle Kommentare schreiben. Sie verstehen das Netzwerk als ein soziales, das Menschen verbindet, über Kontinente hinweg, ohne das Alter zu berücksichtigen, den Beruf, das Ansehen, die Hautfarbe, die geistigen und physischen Fahigkeiten, Gesunde und Kranke, Kluge und andere. Das sind die Vorteile, die wir mit dem Medium "soziales Netzwerk" erreichen können. Sofern so gut.

Auf der anderen Seite, und deshalb schreibe ich diesen Aufsatz, stellen wir in dieses Forum ein, Bilder, Musik, Videos, Blogs und es scheint wahllos, willkürlich zu sein, was hier geschieht. Hier zeigt sich jeder in einer "Nacktheit", die teilweise niederschlagend geschmacklos ist. (Selbstredend bezieht sich das auch auf mich.) Und das ist eben mein Thema, produzieren wir da eigentlich für den Müll? Man sehe doch einmal nach den Besucherzahlen. Wer nimmt eigentlich was wahr? Sind hohe Besucherzahlen, Sterne, Kommentare ein Maß für Qualität? Muß es überhaupt Qualität sein? Was ist die Absicht, der Zweck hier etwas zu präsentieren? Ist es vielleicht gerade das Unvollkommene, was hier besondere soziale Bedeutung besitzt? Bei einigen meiner Aufnahmen habe ich erwogen, sie zurückzunehmen, weil sie doch eigentlich noch bearbeitet werden sollten. Und da kam von zwei Seiten der Zuspruch, "nein, nimm es nicht zurück, lass es stehen,

GERADE DAS UNVOLLKOMMENE MACHT MUT,

nicht das perfekte". Das Unvollkommene läßt sich verbessern, bietet eine Chance, gibt uns die Möglichkeit des Unbefangenen.

In der modernen Gesellschaft ist Perfektion angesagt. Einmal auf CD, darf es nur noch besser werden, auf keinen Fall schlechter. Jeder Künstler hat den Vorgänger zu übertreffen, sonst ist das nichts. Und wenn die natürlichen Möglichkeiten erschöpft sind, wird Technik eingesetzt, die Laserschau, das Doping, der Quadrosound, der Terasound, der was weiß ich was. Die Folge ist das Abweichen, Ausweichen, die "Butterecke", die Gier nach Neuem, die Mode, also alles das, was wert ist auf den Müll geworfen zu werden, oder um mit Abraham a Santa Clara zu sprechen, was nicht wert ist, auf den Müll geworfen zu werden, noch nicht einmal das.


Deshalb stelle ich das ein, wovon ich denke, daß es als Zünder dienen könne, vielleicht Mut macht zu eigenen Versuchen, (natürlich auch zu eigenem Musizieren, für mich ganz besonders wichtig) Mut dem Vollkommenen die Stirne zu bieten und

seine Sinne zu gebrauchen:

1. Empfinden, was andere nicht empfinden.
2. Fühlen, was andere nicht fühlen.
3. Tasten, was andere nicht tasten.
4. Schmecken, was andere nicht schmecken.
5. Riechen, was andere nicht riechen.
6. Hören, was andere nicht hören.
7. Sehen, was andere nicht sehen.
8. Wahrnehmen, was andere nicht wahrnehmen.
9. Denken, was andere nicht denken.
10. Erkennen, was andere nicht erkennen.

Published at 17:14 ( 8 comments / 157 visits )
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