Als ich in Amsterdam über einen Markt geschlendert bin, habe ich einen Tisch voll mit Kamerateilen gefunden - alles querbeet, alles uralt. Nach einigem stöbern und suchen habe ich einige zusammen passende, funktionierende und meinen Vorstellungen entsprechende Teile gefunden, und mir sozusagen eine Kamera zusammengestellt. Ein "Praktica L" Gehäuse mit Bändel, ein "Meyer-Optik Görlitz" namens "Domiplan" mit 50mm Festbrennweite und Lichtstärke 2,8 mit Nikon Filter (ich schätze mal UV) und einer Nikon GeLi. Alles komplett mechanisch und manuell - nicht mal ein Belichtungsmesser im Gehäuse, keine Batterie, kein gar nichts. Mit dem fertig zusammengebauten Teil bin ich dann zum Standbesitzer gelaufen, und habe nach einem Preis gefragt; 35€ war die Antwort. Daraufhin etwas handeln, zurücklegen, etc. pp - und letztendlich habe ich sie für 27€ mitgenommen.

Zu Hause angekommen ging es dann erstmal an die ausgiebige Reinigung. Das Ding hat geklebt von oben bis unten, war mit schwarzem Dreck besetzt von vorne bis hinten und alle Gläser waren fleckig und milchig. Also alles auseinandergeschraubt und in 2-stündiger kleinarbeit alles gewienert, das Gehäuse musste ich zum Glück nicht demontieren, den Spiegel und die Mattscheibe konnte ich durchs Bajonett reinigen. Dann etwas Internetrecherche: Die Kamera wurde in der DDR von 1969 bis 76 gebaut, es handelt sich um die kleinste Version, die größere hatte bereits einen Belichtungsmesser - was auch das ASA-Einstellrad erklärt. Das ist hier aber ohne Funktion - alles komplett mechanisch. Sehr schön.

Dann gings noch mal los, um Filme zu besorgen. Danach ging dann das stolze fotografieren im alten Stil los - und das war mal wieder super. Man lässt sich ewig Zeit für jedes Foto, und wird quasi zur Ruhe selbst. Man ignoriert keine Touristen, die man sonst "später wegphotoshoppen" würde und macht ein Bild. Und das soll dann auch was werden. Davor schaut man sich genau das Licht und den Himmel an - denn Blende und Belichtungszeit will richtig geraten werden - und einen Anhaltspunkt außer Erfahrung gibt es nicht. Und ich glaube auch nicht, dass ich mir noch einen externen Belichtungsmesser zulegen werde - ist einfach schöner und spannender so.

Heute - 3 Tage später - war dann der erste Film voll, und den habe ich dann auch gleich voller Erwartung zum "1 hour Fotoservice" gebracht, um kurze Zeit später eine CD mit allen Bildern in Händen zu halten. Und ich muss sagen: Ich bin begeistert! Die Kamera hat keine Risse, Spalte oder dergleichen; sie ist absolut dicht und die Bilder werden super. Auch mit meinen Einstellungsschätzungen habe ich wohl sehr gut gelegen - es ist wirklich kein über- oder unterbelichtetes Bild dabei. Dafür macht es richtig viel Spaß: Die 27€ haben sich gelohnt! Ihr werdet sicherlich bald noch mehr von dieser Kamera zu sehen bekommen, heute schon mal als kleiner Vorgeschmack eines der Bilder vom ersten Film: Ein Bild in der Amsterdamer U-Bahn (Sneltram) mit 1/8s Belichtungszeit und Blende f/2,8:

Ich habe hier leider kein Photoshop, daher ist an diesem Bild auch nichts eingestellt, quasi "as-is" von der Kamera; ich hoffe es gefällt!

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