Alles fing ja damit an, dass wir beschlossen haben die Begehung des Wiener Höhenwegs aufgrund der Vorhersage anhaltend schlechten Wetters sein zu lassen und uns ein Alternativprogramm zu überlegen. Manche Dinge im Leben sollen ja auch Spaß machen. Tags darauf, am Samstag Nachmittag, hab ich H zu mir nach Wilhelmsburg eingeladen, da sie zum Einen bei ihr zuhause kein brauchbares Internet hat und man zum Anderen Face-to-Face einfach besser Pläne schmiedet. Glücklicherweise hatten wir ähnliche Vorstellungen was die möglichen Ziele angeht, nachdem wir uns darauf geeinigt haben, dass Wandern/Klettern aufgrund der Großwetterlage wohl in der österreichischen Nachbarschaft eher ebenso schlecht sein würde, und wir es uns in Skandinavien (oder auch Schottland) nicht leisten können/wollen. Also dann ein Städtetrip. Erste Wahl wäre zwar Dublin gewesen, auch wenn es etwas teurer als Barcelona (unsere zweite Wahl), doch auch dort wurde schlechtes Wetter mit maximal 15°C prognostiziert. Somit war die Entscheidung für Barcelona gefallen. Die Wettervorhersage war recht gut und stabil, und mit 20-25°C auch nicht unerträglich heiß. Flug und Hotel (4*) mit 452 € für vier Nächte (Mo-Fr) sehr okay. Also war nach wenigen Stunden auf der Terasse bei Kaffee, Keksen und Kuchen das alternative Urlaubsprogramm beschlossen und ratz-fatz auch gebucht (restplatzboerse.at).
Als Belohnung für diese spontane Leistung sind wir dann zum Hausleitner fein Abendessen gegangen. ;-)

Am Montag waren wir dann viel zu früh am Flughafen, haben uns aber nachm Frühstück im Flughafen-Resti und dem Organisieren von Reiseführern dafür zum Ausgleich beim falschen Check-In-Schalter angestellt, weil auf unseren Buchungsunterlagen "Iberia" stand, es sich aber in Wahrheit um einen "clickair"-Flug handelte, der auch eine IB-Flugnummer hatte. Aber nix passiert, wir hatten dann am Gate noch immer Zeit für einen ganz schnellen Starbucks-Kaffee. Der zweistündige Flug startete punklich um 10vor12, verlief ohne Zwischenfälle und wurde hauptsächlich mit Reiseführer-Schmökern verbracht. Am Rollfeld des Airports Barcelona (BCN) war dann auch endlich die Lufttemperatur wieder so, dass man auch glauben konnte, dass Sommer ist. Für unser Gepäck war die Reise ebenso ereignislos wie für uns, und als wir wieder vereint waren, gings zur Flughafenbahnstation. Mutig gingen wir nicht zum Schalter, sondern gleich zu einem Fahrscheinautomaten und waren selbst mit dem spanischen Benutzerinterface (wir sind ja keine Touris, dass wir das auf Englisch umschalten müssen!) in der Lage einen Zehnerblock Einzelfahrten (T-10) zu erstehen. Im Zug stellte ich dann fest, dass unsere Anreise scheinbar mit dem Beginn des FIB (Festival Internacional de Benicàssim) zusammengefallen war, da sich rund um uns auch einige Festivalgeher mit großem Gepäck drängten.
Am barceloner Hauptbahnhof "Estació Sants" (oder auch nur "Barcelona") hies dann gleich die nächste nahverkerhstechnische Hürde zu überwinden: Nahtlos umsteigen, ohne den "Transitbereich" zu verlassen, damit wir mit einer einzelnen Fahrt (ohne zweites Entwerten) in die Metro (L3) in Richtung unseres Hotels kommen. Aber auch das lief reibungslos. Im Flugzeug hatten wir schon anhand der Reiseunterlagen und der Karten unserer Reiseführer die Lage unseres Hotels und die "öffentliche" Anreise studiert. Und was uns dabei schon etwas seltsam vorkam, stellte sich dann vorort als tatsächliches Problem heraus: An der Adresse die wir in den Reiseunterlagen stehen hatten, war kein, bzw. nicht unser 4*-Hotel. Diese Straße (immerhin zentrumsnahe, gleich an der Rambla) war ziemlich heruntergekommen, und alles andere als vertrauenerweckend, und auch ein paar Damen aus dem einschlägigen Dienstleistungsgewerbe waren am frühen Nachmittag schon mit Kundenaquisition beschäftigt. Zum Glück stimmte aber immerhin die Telefonnummer unseres Hotels in den Reiseunterlagen, und wir fanden heraus, dass das Hotel doch da war, wo wir es beim Buchen der Reise auf der Karte gesehen hatten: Gleich bei Estació Sants. ;-) also wieder zurück in die Metro und ab ins Expo Hotel Barcelona.
Gleich nachdem wir unsere Sachen aufs Zimmer gebracht hatten, gings wieder raus, weil der Hunger hatte sich schon lautstark zu Wort gemeldet. Wieder zurück mit der L3 auf die Rambla und rein in die Altstadt auf der Suche nach Essbarem. Wir wurden dann auch recht rasch fündig, und entschieden uns für eins der ersten Lokale die wir gefunden haben. Das Essen (Tapa-Omlettes, Paella) war okay, aber sicher nicht das Beste des Urlaubs. Und was es mit dem getoasteten Brot, den Tomatenhälften und dem Knoblauch auf sich hatte, haben wir dann ein paar Tage später in einem unserer Reiseführer entdeckt. ;-) Anschließend spazierten wir noch etwas durch die Stadt und runter zum Hafen (Aquarium) und zum Strand. Dort ließen wir uns von der erstbesten Welle auch gleich ordentlich einweichen (ich mein Schuhe und H ihre Hose). Damit war der Abend auch schon einigermaßen gelaufen, denn die letzten Strahlen der Abendsonne gaben trocknungstechnisch nicht mehr besonders viel her... ;-) Also zurück ins Hotel und Schlaf nachholen.

Am Dienstag stand dann der Park Güell am Programm. Mit Metro gings zur Station Lesseps, wo wir uns als erstes in einem kleinen aber feinen Cafe (El Canari) gleich beim Ausgang der Station unser erstes barcelonesisches Frühstück an der Schank inmitten lauter Einheimischer gönnten, und den "Cortado" kennenlernten, einen Espresso mit ein bißchen Milch. Diesen hab ich dann auch gleich zum Kaffee des Urlaubs ernannt. Dann gings per pedes, vorbei an verschiedenen Souveniergeschäften und Mini-Supermärkten mit speziellen Touristenpreisen, zum Park. Dort gleich am Eingang war ich mir nicht sicher, ob ich da jetzt rein will, denn am Aufgang zur gaudischen Markthalle wimmelte es nur so von Leuten. Aber zum Glück ging der Gehweg durch den Park rechts vom Eingang los, und da wars schon wesentlich ruhiger. Und wenn man nicht den Weg für in der Mobilität Eingeschränkte nahm, sondern jenen wo man auch die Füße heben muss, war man fast allein. ;-) So wanderten wir dann durch den Park, kämpften damit, Fotos mit einem Minimum an Touristen darauf zu schießen, und genossen Gaudis Bauwerke. Nach einer kleinen Verschaufpause auf der Schlangenbank gings dann wieder zurück zur Metro. Aber am Weg dorthin, konnten wir an den Souvenierläden nicht mehr einfach vorbeigehn, sondern mussten durch einige davon zumindest eine Runde drehen. Dem Kaufzwang konnte wir jedoch erfolgreich widerstehen. Dafür leisteten wir uns im Canari nochmal einen Kaffee (un cortado y un caffe con leche por favor). Inzwischen musste ich aber einsehen, dass es (für mich) keine gute Idee war, mit Flip-Flops auf Sightseeingtour zu gehen.
Nach dieser Stärkung statteten wir der einen Besuch ab, obwohl eine Schlange vorm Ticketschalter war und die fast 10 € von uns wollten. Von außen gibt das meiner Meinung ja nicht viel her, die Fassade wirkt irgendwie wie Hundertwasser ohne Farbe. Aber drinnen hat mich (neben der Tatsache, dass es in den Stockwerken kein tragenden Wände gibt) am meisten das Dachgeschoß fasziniert, welches Gaudi zur Klimatisierung des ganzen Gebäudes entworfen hat (1906). Nach dem wohl obligatorischen Besichtigen das lustigen Daches, und einem optionalen Besuch der Ausstellung im 1. Stock (<a href="de.wikipedia.org/wiki/Ukiyo-e">Ukiyo-e</a>, ein japanischer Maler ;-), gings dann per Metro zur Sagrada Familia, wo wir, bevor wir wieder 10 € für die Besichtigung der Baustelle bezahlten, unseren Füßen nochmals eine kleine Pause vergönnten. Die Kirche, oder das was vielleicht mal eine Kirche sein wird, hat mich ziemlich überrascht, den sie war oder wirkte (innen) wesentlich kleiner, als ich erwartet hatte. Aber die Fassaden sind ziemlich nett, wobei mir die (modernere) Passionsfassade eindeutig besser gefällt, als die Weihnachtsfassade. Interessant anzuschauen, war dort auch noch im "Baustellenmuseum" das Fadenwerk mit dem Gaudi scheinbar die Statik des Bauwerks "berechnete".
Nach einem Zwischestopp im Hotel wo H die Sonnenliegen des Hotelpools am Dach und ich den Kaffee der ChillOut-Bar ebendort testeten, beendeten wir diesen Tag mit einem feinen Abendessen im Bliss, einem sehr feinen kleinen Lokal in der Altstadt.

Am Mittwoch holten wir dann alles an Bergwanderung aus Barcelona heraus, was herauszuholen war. Wir bestiegen vom Plaça Espanyol aus, am Kunstmuseum vorbei, den knapp 200m hohen Montjuic, waren beim Torre Telefónica, betrachteten den Frachthafen von einem dafür ausgewiesenen Aussichtspunkt und drehten eine Runde auf der Festung. Von dort aus gings dann wieder zufuss runter Richtung Hafen/Stadtzentrum. Nach einem Mittagessen in einem für H faszinierenden, weil ziemlich urigen, Tapas-Lokal statteten wir Europas größtem Aquarium einen ausgedehnten Besuch ab weil es teilweise interessanter war die Menschen zu beobachten, als die Fische. ;-) Am Weg dorthin identifizierten wir auch das Hauptpostamt und konnten - trotz vergeblichem Kampf mit der Technik - endlich unser Karten wegschicken, da es uns bis dahin unmöglich war, Marken aufzutreiben. Ach ja, und H musste unbedingt in ein (vorwiegend mexicanisches) Delikatessengeschäft rein, weil sie dort in der Auslage einen Kokossaft gesehen hat. Nun ja, der Saft war ziemlich ungenießbar, weil hauptsächlich süß. Und was aus der anderen Dose die sie sich gekauft hat geworden ist, weiß ich eigentlich gar nicht mehr... ;-)
Am Abend war dann meine Entscheidungskraft gefragt. H hatte keine Ahnung was sie essen wollte, und war daher auch keine Hilfe bei der Selektion des Lokals. Wir landeten dann in einem beinahe etwas feinen Lokal (zumindest machte es einen solchen Eindruck, bis man aufs Klo musste...;-) wo wir außer einer kleinen Gruppe männlicher deutscher Maturanten, die ausgerechnet den Tisch neben uns beziehen mussten, so ziemlich die einzigen Gäste waren, obwohl wir eigentlich zur richtigen Zeit unterwegs waren. Das Essen war aber ausgezeichnet, und ich würd sagen, dass Beste der Reise ;-). Und wiederum waren wir zu müde um uns ins urbane Nachtleben zu stürzen, sondern gingen wieder brav schlafen.

Der Donnerstag bestand hauptsächlich aus Essen und Kaffeetrinken. Nach einem Frühstück bei Txapela schauten wir uns das Casa Batlló von außen an, denn für von drinnen wollten die 16,50 €, aber auch hier gabs eine ordentliche Warteschlange. Danach gabs ein zweites Frühstück bei Tapa-Tapa, wo es Tapas häppchenweise gab. Das aber haufenweise. ;-) (In dieser Form hat es mir auch wesentlich besser gefallen als tags davor mit den warmen Tapas in dem etwas schäbigen Lokal.) Danach schlenderten wir wieder durch die Altstadt wo wir, nach einem Zwischenstopp in einem kleinen Café, u.a. noch die Übereste eines alten Römischen Tempels, in einem kleinen ruhigen Winkel hinter der Kathedrale entdeckten. Am Weg zum Strand mussten wir nochmal eine Kaffee und Mehlspeisenpause einlegen. H verbrachte den Rest des Nachmittags dann am Strand, während ich noch weiter herummarschierte und dabei bis in Sichtweite des Torre Agbar kam. Zurück mit der Bim ließ ich den Nachmittag bei einem weiteren Cortado in einer Strandbar ausklingen.
Abendessen gabs dann in einer Pizzeria (La Mafia) in der Nähe der Passeig de Gràcia. Dort lernte H, dass es Ensalada auch ohne pflanzliche Anteile geben kann, und ich stellte fest, dass Ziegenkäse nicht mein Lieblingskäse werden wird. Und, wenn ich mich recht entsinne, lernten wir auch, dass Prince's 'Purple Rain' der Beste Song der 80er war. Zumindest laut VH1. Ein lehrreicher Abend zum Abschluss.

Tja und am Freitag, da hieß es um sechs Uhr 'tagwache!', weil unser Flug nachheim ging um neun.