Meine seit 2001 blödsinnig schnell wachsende Bildersammlung habe ich bisher fast ausschließlich physikalisch sortiert und darin gesucht/gefunden, mittels geeigneter Verzeichnisnamen, die ich einerseits chronologisch, andererseits thematisch benannt und auch ineinander verschachtelt habe. Insbesondere meine Dauerthemen, zu denen regelmäßig neues Material hinzukommt, habe ich aus dem rein chronologischen Verzeichnisbaum herausgelöst, der vorwiegend alltägliches Knipsen und einmalige Shootings aufnimmt.
Mit ACDSee kann ich im Verzeichnisbaum schnellstens navigieren und, sofern ich eine ungefähre Vorstellung habe, wo sich was befindet, das auch finden. Natürlich ersetzen Verzeichnisnamen und auch Dateinamen, wenn ich denn mal sinnträchtige vergebe, keine Verschlagwortung und Kategorisierung. Letzteres habe ich immer mal wieder angefangen, fast nur mit ACDSee und habe mir jedes angefangene System immer wieder selbst zerschossen, indem ich Bilddateien mit dem Dateimanager statt mit ACDSee im Verzeichnisbaum verschoben habe. Da ist ACDSee leider arg humorlos: wenn man Dateien verschiebt, laufen die vorhandenen Datenbankverknüpfungen einfach ins Leere. Und man merkt das erst dann, wenn man das Bild öffnen will, denn Thumbnail und Metadaten bleiben vorhanden.
Deswegen habe ich in den letzten Wochen Lightroom fleißig getestet.
Was ich an Lightroom spontan mochte, ist neben der gelungenen Optik die einfache, weitgehend intuitiv zu bedienende Datenbank-Funktion. Kategorisierung und Verschlagwortung gehen, wenn man erst einmal weiß, wie, recht zügig und man kann eigentlich sehr einfach Hierarchien anlegen. Sehr schön ist auch die technische Kategorisierung, die Lightroom automatisch aus den Exif-Daten der Bilder erzeugt. So kann man sich z.B. mal eben alle Bilder angucken, die man mit einem bestimmten Objektiv gemacht hat. Gut finde ich auch die schnellen Bewertungsfunktionen mit Sternchen und oder Farben.
Was darüber hinausgeht, das Stapeln von mehreren ähnlichen Bildern oder selben Bildern in unterschiedlichen Bearbeitungszuständen, das ist mir nach einigem Probieren immer noch viel zu kompliziert. Ich kann mir das nicht wirklich merken, wie es funktioniert, und es ist mir eigentlich einfach zu viel des Guten. Auch Bilder erst auszu-X-en, um sie in einem zweiten Arbeitsgang zu löschen, finde ich unnötig umständlich. Das ist in ACDSee einfacher und damit besser gelöst: [Entf] drücken und fertig.
Was mich an Lightroom aber so richtig fuchtig macht, ist seine Lahmarschigkeit. Ich habe es auf einem AMD 3200+ mit 2 GB Speicher gestestet und meinen Bestand von gut 30000 Bildern nach und nach importiert. Mal abgesehen von den vielen Stunden, die es dafür gebraucht hat, wurde es dabei auch sonst immer langsamer. Nach jedem Import dauert der Start immer um einiges länger als zuvor, bis man überhaupt etwas damit anfangen kann, weil es sich immer irgendwo neu organisieren muß, scheint es. Ich hatte dann schnell gar keine Lust mehr, neue Bilder überhaupt noch direkt in LR zu importieren.
Zu den Bildbearbeitungsfunktionen sage ich mal nur: ich erzeuge beim Knipsen fast ausschließlich JPGs und keine RAWs und brauche deswegen den Lightroom-Workflow eigentlich sowieso nicht. Ich habe ihn trotzdem ausprobiert und finde die direkte Bearbeitung des Histogramms auch neckisch. Doch ja. Allerdings kann sie nie nimmer nich eine Bearbeitung in Photoshop ersetzen. Dafür sind mir die Regler und auch die Gradationskurve einfach nicht griffig und feinfühlig genug. Ich bearbeite meine Bilder auch nicht seriell, sondern einzeln. Da ich auf Photoshop nicht verzichten würde, bietet Lightroom an dieser Stelle einfach nur Features, die ich nicht brauche und die die Anwendung unnötig aufblähen und vermutlich verlangsamen.
Bliebe noch abschließend zu sagen, daß ich es nicht mag, wenn mir ein Programm vorschreiben will, wie mein “Workflow” organisiert sein soll. Genau den Eindruck macht mir aber Lightroom.
Deshalb werde ich LR nach Ablauf des Testzeitraums wieder von der Platte werfen und weiter mit ACDSee arbeiten. Das ist unvergleichlich viel schneller beim Surfen durch meine Bildbestände. Bewerten und Kategorisieren ist vielleicht etwas weniger professionell und nicht ganz so chique, geht aber dafür einfacher und flüssiger. Lediglich das Problem der Portierbarkeit von einem zum anderen PC muß ich noch lösen, bzw wie ich es anstelle, an zwei PCs abwechselnd dieselben Bildbestände zu organisieren und diese Tätigkeit zu synchronisieren. Aber da scheint es bislang noch nirgends ein Patentrezept zu geben.
Ach ja, Datensicherung. Nachdem mir vor drei oder vier Jahren mal die Festplatte kaputt gegangen ist und ich eine Woche lang befürchtet habe, meine Bilder von Jahren seien weg, futsch, perdu, und ich deshalb eine mittlere Identitätskrise durchlebte, habe ich begonnen, ernsthaft Datensicherung zu betreiben: anfänglich mit DVDs, seit einiger Zeit aber vor allem durch das Halten zweier redundanter Datenbestände auf zwei PCs. Außerdem kopiere ich noch alles auf 2 externe Festplatten, immer schön im Wechsel, so oft wie möglich, wenigstens aber einmal pro Woche und nach jedem größeren Shooting. Seitdem schlafe ich wesentlich ruhiger - was das anbelangt. DVDs haben eine nicht ausreichende Halbwertszeit, um als Backupmedium zu taugen. Außerdem ist mir der Brennvorgang viel zu aufwendig und langwierig. Von Platte auf Platte kopieren ist einfachst umzusetzen, kann man zur Not über ein Script abwickeln oder mit der Synchronisierungsfunktion des Totalcommanders. Unersetzlicher Vorteil: überall ein direkt nutz- und bearbeitbarer Datenbestand vorhanden. Wenn man das jetzt noch in die Organisationssoftware, sprich ACDSee, hineinbekäme, dann wäre ich wunschlos glücklich. Naja, jedenfalls in dieser Hinsicht.