Seit Beginn der Digital-Fotografie war mir die Zählerei der Megapixel als Qualitätsmerkmal suspekt. Ich habe immer auf ein gutes Objektiv gesetzt. Als Panasonic mit Leica ins Bett ging, war ich der erste, der sich ein Lumix FZ10 kaufte. Und als die LX1 beworben wurde, wollte ich diese unbedingt kaufen. Aber wo? Die Fachhändler und Discounter setzten weiter auf den schnellen Umsatz mit schlechten Objektiven und großen Megapixelangaben. In Singapur war die LX1 im Regal, als ich mich dort umschaute.
Das Nachfolgemodell LX2 habe ich bewusst übersprungen; nun möchte ich die LX3 kaufen.
Warum? Weil ich von der Erweiterung mit Zubehör gehört und gelesen habe. Jeder Fotograf kommt bei den kleinen P&S Kameras an die Grenzen. Auch ich. Jetzt könnte ich Filter und Konverter einsetzen, ohne auf die Leichtigkeit und Handlichkeit dieser Pocketcamera verzichten zu müssen. Für mich ist die LX-Serie eine echte Alternative zu den schweren DSLR Kameras. (In meiner Zeit als Reporter habe ich alles gehabt, was der Spiegelreflexmarkt zu bieten hatte. – Das Wort analog gab es dafür noch nicht.)

Dennoch, welche Katz kann das Mausen schon lassen? Wenn ich auf Presseterminen mit meiner LX auftauche, dann nimmt mich keiner von denen ernst, die mit dem schweren Gerät als Profis zu erkennen sind. Und das ist gut so. Ich stehe nicht in Konkurrenz mit ihnen.
Ich kann es mir inzwischen erlauben, mein Foto zu machen, nicht das, was die Redaktion von mir verlangt.

Nun zurück zur LX3. Hier scheint sich das zu wiederholen, was ich mit der LX1 erlebt habe.
Der Händler, der zur IFA nun endlich auch die neue Kamera von Panasonic bewerben kann, hat von diesem neuen Produkt keine Ahnung. Er erzählt mir das Märchen von der besseren Megapixelzahl und dem Zoom von 24 – 60 mm. Bei der Frage nach dem angekündigten Konverter kommen ihm Zweifel. Er muss in der technischen Beschreibung nachlesen, welches Zubehör es gibt. Meinen Wunsch, diese neue Möglichkeit ausprobieren zu dürfen, kann er nicht erfüllen. Panasonic hat ihm kein Zubehör mitgeliefert. „Das will ja ohnehin keiner“, sagt er.
Also suche ich weiter und finde eine Anzeige: Panasonic zeigt IFA-Neuheiten in einem Kaufhaus am Alexanderplatz. Ich hin und werde freundlich empfangen. Allerdings gibt es auch hier keinen Weitwinkel-Konverter zum Anfassen. Der Vertreter von Panasonic empfiehlt mir den Stand auf der IFA direkt.

Am nächsten Tag bin ich in Halle 5.2 unter dem Funkturm.

... hier ist die Fortsetzung

Panasonic hat die Halle in ein „himmlisches“ Blau verwandelt. Auf Wolke 8 finde ich die Foto- und Video-Neuheiten. Da ich weiß was ich suche, finde ich auch einen jungen Berater, der mir die LX3 aus der Vitrine hervorholt. Alle Berater sind jung, meist studentische Hilfskräfte, höflich und freundlich.

Zum ersten Mal wird mir also die Kamera mit dem Tubus und Konverter in die Hand gegeben. Das feeling ist so wie ich es gewohnt bin. Den Unterschied zwischen dem eingebauten Weitwinkel und dem vorgesetzten Weitwinkelkonverter kann ich nicht erkennen. Aber der junge Mann ist höflich und bietet mir an, die neue Kamera für eine Stunde auszuleihen und selber auszuprobieren. Klasse Service, denke ich. Ich hinterlege meinen Ausweis und muss enttäuscht feststellen, dass ich den Konverter – leider – nicht bekommen kann. Also gehe ich mit der geliehenen LX3 zurück zu der Vitrine, wo das Objekt meiner Begierde eingeschlossen liegt.

Nachdem ich den beiden „Studierenden“ versichert habe, dass ich den Konverter an Ort und Stelle ausprobieren möchte, also nicht unerlaubt nach draußen vor die Halle mitnehmen will, schraubt sie mir das DMW-LW46 an die Leihkamera. Ich sehe aber immer noch keinen Unterschied. „Ach ja, da müssen wir noch ins Menu und eine spezielle Funktion aktivieren, “ sagt’s und tut’s. Jetzt bleiben mir ein paar Schüsse in die Thekenrunde.

Von 24mm auf 18mm – das ist 0,75x weiter. Unter diesen doch hektischen Bedingungen in der Halle nicht gerade aufregend. Aufregend allerdings ist die Lichtempfindlichkeit. Mit f-stop 2,0 und bei 100 ISO ein erfreuliches Ergebnis.
Ich gebe also den Konverter zurück und schaue mich um. Der SD-Chip ist 1 GB groß, da passt viel drauf. Diesen Chip darf ich behalten, kann ihn mit nachhause nehmen. Also drücke ich drauf los. Neue features entdecke ich. Ich bin wieder mal begeistert, dass diese Kamera meinen Wünschen nach manuellem handling gehorcht.

Und ich entdecke, dass dieses Gerät wahrscheinlich meine alte LX1 und meine FZ10 nicht ersetzen wird, sondern nur – nicht nur – erweitern wird. Dieses Modell 3 ist eine Kamera für Weitwinkel-Enthusiasten. Bislang gewohnt 28 mm – 112 mm werde ich mit dieser Kamera bei 60mm ausgebremst. Kein optischer Telebereich. Immerhin gibt es eine digitale Vergrößerung.
Wie gut diese aussieht, konnte ich nur im Ansatz testen. Besser als bei der LX1, aber wo hört der Bereich auf? Die Zeit rennt mir davon. Die Stunde ist gleich rum. Fragen bleiben offen.

Bei der Rückgabe lass ich mir bestätigen, dass ich die SD-Karte mitnehmen darf.
Dieser Ausflug zu Panasonic war ein Anschmecker. Diese Weitwinkel-Kamera bleibt wahrscheinlich ein Exot unter den Pocket-Kameras. Leica hat ein tolles Objektiv gebaut. Für anspruchsvolle Fotografen sicherlich ein Leckerbissen, zumal nun auch Filter verwendet werden können, nicht nur Polfilter oder Graufilter. Wenn ich erst den Tubus habe, dann kann ich sicherlich manchem kreativen Schub nachgeben.
Ist die LX3 vielleicht auf dem Wege zu einer Systemkamera? Gegenwärtig müsste ich aus zwei Jackentaschen (pockets) die richtigen Kamera herausfischen – da die Weitwinkelige und dort die für den Telebereich. Auch das, nur eine Frage der Übung und Gewohnheit.

(Test-Fotos hier: www.ipernity.com/group/64462 )