Hallo in die Redaktion,
in der heutigen(12.11.2013) gedruckten Ausgabe veröffentlichen Sie einen Artikel:
„Wie Diplomaten die Pogrom-Nacht erlebten“, dazu ein Foto als Beiwerk.
Das Foto soll, so die Unterschrift, die Synagoge in der Oranienburger Straße zeigen – in Flammen.
Das Foto ist eine Fälschung! Hätten Sie Herrn Simon, der in Ihrem Artikel zur Geschichte der November-Pogrome befragt wird, auch um ein Foto zu dem Thema gebeten, er hätte Ihnen gesagt, dass es keine authentischen Fotos gibt. Er sucht seit vielen Jahren danach. Außerdem hätte er ihnen auch gesagt, dass die Neue Synagoge nie in Flammen stand, sondern rechtzeitig gelöscht wurde.
So viel zum korrekten Bild-Journalismus. Leider werden in den Redaktionen Leute beschäftigt, die „schnell mal eine Foto besorgen“, damit die Bleiwüste noch ein Bild bekommt.
Ich würde Ihnen gern mehr erzählen, welche Schwierigkeiten es gibt, von der so genannten Kristallnacht Bildmaterial zu finden. Dazu könnte Ihnen auch Herr Simon mehr erzählen. Vielleicht haben ja die Diplomaten damals Fotos gemacht? Sie standen nicht unter Kontrolle oder Beobachtung und konnten ihre Filme selber oder im Heimatland entwickeln lassen. Ein spannendes Thema!
Mit freundlichen Grüßen

PS
"Bekannt und weit verbreitet ist auch das Foto der brennenden Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin. Lange Zeit galt es als ein Bild der Illustration für die Pogromnacht vom 9./10. November 1938. Auch in neueren Lehrwerken für den historischen Unterricht findet es in diesem Sinne Verwendung. Tatsächlich jedoch fiel die Synagoge 1943 einem britischen Luftangriff zum Opfer. Dem Publizisten und Historiker Heinz Knobloch ist es zu danken, einen der wenigen Fälle von Zivilcourage im NS-Deutschland nachgewiesen zu haben. Wilhelm Krützfeld, Beamter und Vorsteher eines nahegelegenen Polizeireviers, zeigte Mut: Er rettete die Synagoge 1938 vor den Brandstiftungsversuchen der SA.
Die Aufnahme stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Nachkriegszeit. In das Original wurden Flammen und Qualm hineinretuschiert."
(zitiert aus ... )
www.mediaculture-online.de/fileadmin/bibliothek/hamann_bilderwelten/hamann_bilderwelten.html

Hier die Antwort aus der Redaktion:

Vielen Dank für Ihre Mail bezüglich unseres Fotos von der brennenden Synagoge.
Sie haben natürlich recht – und es tut uns furchtbar leid, dass uns dieser Fehler unterlaufen ist.

Wir haben das Foto von einer Fotoagentur bezogen, die es mit der falschen Beschriftung zur Verfügung gestellt hat. Inzwischen haben wir die Agentur natürlich informiert und gebeten, das Foto zu entfernen – oder korrekt zu beschriften, damit das nicht noch einmal passiert - weder uns noch Kollegen anderer Publikationen.