Vor 75 Jahren – am 9. November 1938 - brannten in Deutschland sehr viele Synagogen. Auch in Berlin. Nur wenige Berliner protestierten damals. Sie bleiben zuhause. Auch gibt es von dieser Nacht und dem darauf folgenden Tag nicht einmal ein Dutzend authentischer Fotos. Historiker haben wiederholt aufgerufen, man möge doch in den Kisten und Kästen der Eltern oder Großeltern nachschauen und diese Dokumente zur Verfügung stellen. Warum hat mein Vater, leidenschaftlicher Hobbyfotograf, dieses spektakuläre Ereignis in seiner Nachbarschaft nicht fotografiert? Oder, hat er geknipst, nur dann später die Bilder aussortiert und vernichtet? Das Gerücht, es hätte seinerzeit ein Fotografier-Verbot gegeben, wird heute noch geglaubt. Welcher leidenschaftliche Fotograf lässt sich davon abhalten?

Diese „spontane“ Aktion gegen die jüdischen Gotteshäuser und später auch gegen jüdische Geschäfte wurde später als „Kristallnacht“ verklärt. Ein Schönungswort, das erst 1978 durch die Bezeichnung Reichspogromnacht ersetzt wurde. Die gewaltsamen Aktionen der Parteigänger von 1933 bis 1945 gegen Juden wurden als Pogrom, als Verwüstung und Zerstörung, nun auch so benannt.

„Am Samstag, zwischen 15 und 18 Uhr, sind alle Bürgerinnen und Bürger eingeladen, an den 75. Jahrestag der Reichspogromnacht zu erinnern. Eröffnet wird der Gedenkweg von dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, Erzbischof Rainer-Maria Kardinal Woelki und Bischof Dr. Markus Dröge. Der Schweigemarsch beginnt an der St. Marienkirche, führt am Lustgarten vorbei, über den Bebelplatz zum Gelände der zerstörten Synagoge Johannisstraße an der Oranienburger Straße. Dort werden die Teilnehmenden von Rabbinerin Gesa Ederberg und Rabbiner Prof. Dr. Nachama begrüßt.“

Flächendeckend sehen wir in der Stadt ein Plakatmotiv, welches sich vor allem an die Töchter und Söhne, mehr noch die Enkel und Urenkel der Bewohner von damals richtet, die ungeniert dem Treiben der Nazis zugeschaut hatten. Ein Appell der Kirchen, in diesen Tagen ein Zeichen zu setzen, gegen einen neuen Antisemitismus in dieser Stadt und die Fehler von damals nicht zu wiederholen, als nämlich so gut wie niemand seine Stimme dagegen erhob. Und vielleicht findet die Generation der Erben heute die fehlenden Fotos von den brennenden Synagogen und zerschlagenen Schaufenstern beim Aufräumen der auf Hausböden oder in Kellern gestapelten Kisten und Kästen.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Berliner Themenjahres 2013
"Zerstörte Vielfalt" statt.
Weitere Informationen unter: www.gedenkweg2013.de