Die Berliner Art Week (sprich Kunst Woche) ist wieder so eine Veranstaltung, mit der die Berliner Strippenzieher versuchen, den Leuchtturm der Kunst vor dem Verlöschen zu bewahren. Ob Festivals und Messen zu Theater, Literatur und bildender Kunst, in letzter Zeit sind immer mehr Organisationen bemüht, sich aus der Hauptstadt-Falle zu befreien. So versuchen die Förderer und Kooperationspartner mit eigenständigen Angeboten das letzthin ramponierte Image der Stadt zu bessern. Und sie haben Recht, denn die Kunst kommt im partei-politischen Alltag rund um den Bundestag zu kurz. Kultur ist Ländersache, deshalb finden die Wähler in keinem Parteiprogramm Vorschläge oder Visionen für eine Zukunft, in der neben Wachstum, Wachstum, Wachstum auch die Schaffung und Verbreitung von Kunst und Kultur getextet wird.

Fotografie ist längst als Kunstform anerkannt. Dennoch gibt es auch Kuratoren, die penetrant darauf hinweisen, dass sie nun auch Fotokünstler in das Ausstellungsprogramm aufgenommen haben. Einem solchen bin ich auf der Satelliten-Messe (so bezeichnen die Macher ihre Verkaufsmesse) „Berliner Liste“ begegnet. Das hat mich nicht überrascht. Wenn ich Fotokunst sehen will, dann finde ich in Berlin ein überreichliches Angebot bei Galerien und in Ausstellungen.

Doch warum gehe ich zu dieser Messe? Ich bin kein Käufer, der Kunst als Anlage kauft. Ich gehe hin, um die enorme Vielfalt künstlerischen Schaffens komprimiert unter einem Dach zu sehen.
Die „Berliner Liste“ bietet mit 2.500 Quadratmeter reichlich Platz. Ort des Geschehens: Das ehemalige Heizkraftwerk Ostberlins in der Köpenicker Straße. Der gigantische Komplex ist in der Szene als „Tresor“ bekannt und die Turbinenhalle wird als Veranstaltungs- und Ausstellungsort genutzt. Und weil ich das Innen-Drinnen schon immer mal sehen wollte, aber bislang keine Gelegenheit fand, gehe ich diesmal hin. Mein eigentliches Motiv ist nicht „Kunst-gucken“, sondern mich ungezwungen, fotografierend in dieser als Kraftwerk-Kathedrale bezeichneten Halle zu bewegen.

Was ich sehe und teilen möchte, das lade ich hier hoch.

Nach zwei Stunden bin ich schachmatt. Die Vielfalt der ausgestellten Objekte, Projekte, Installationen, Bilder, Skulpturen, hängend, stehend, liegend, kann ich nicht mehr aufnehmen. Ich bin verwirrt. Ja, ich merke, dass ich dem Kunst-Messe-Rummel nicht gewachsen bin. Ich will nichts kaufen, also verweigere ich mich.

In der Kaffeepause fällt es mir ein, was mich zusätzlich stört. Meine Erwartungshaltung wird nicht eingelöst. Als ich auf der Kunst-Biennale in Venedig durch die Lagerhallen am Hafen lief, war ich oft überwältigt von der Kunst und den Künstlern, die den kunstfremden Raum „Arsenale“ zu ihrem Konzept machten. Hier in Berlin, in dieser fantastischen Turbinenhalle, sehe ich nur eine Aneinanderreihung weißer Stellwände und Kojen. Das ermüdet das Auge. Da bleibt – bei mir – kein Blick mehr für die Kunst. Aber, wie gesagt, das ist mein Problem. Ich befinde mich auf einer Verkaufsmesse, nicht in einem Kunstraum. Falsche Erwartung. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass ich ja noch zur diesjährigen Finissage nach Venedig fahre werde.