Sonnenschein, Urlaub in Berlin. Touristen stürmen die Schiffe auf der Spree und dem Landwehrkanal. Der Ausflugsverkehr zu Wasser boomt. Mehr als 100 „Ausflugsdampfer“ locken jährlich millionen Fahrgäste aufs Wasser. Allein die Flotte der Reederei Riedel bietet in der Hochsaison 3.500 Plätze auf 15 Schiffen an. Die Dieselmotoren pusten viel Auspuffqualm in die Luft. Es gibt offizielle Messungen, die den Ausstoß an Feinstaub und Rußpartikel registrieren. Mit zunehmendem Klima- und Umweltbewusstsein steigt die Zahl der Bewohner und Flussanrainer, die sich über die Belästigung durch immer mehr Schiffsfahrten durch die Stadt beklagen. Selbstverständlich richten sich die Klagen nicht nur gegen eine Reederei, sondern gegen alle 31 Reedereien, die ihre Schiffe ohne Filter auf Fahrt schicken. Doch das soll in Zukunft anders werden.
Wer vom Ufer genau hinschaut, der sieht neuerdings am Heck des Fahrgastschiffes „Spree-Diamant“ eine große grüne Plakette. Diesen runden Aufkleber mit dem weißen Balken in der Mitte kennen die Berliner als Umweltplakette, die hinter den Windschutzscheiben der mit Benzin oder Diesel betriebenen Kraftfahrzeuge klebt. Über lang oder kurz werden auch die Reeder aufgefordert, den Dieselruß ihrer Fahrgastschiffe wegzufiltern. Die Reederei Riedel ist die erste in Berlin, die in ihr modernstes Fahrgastschiff Spree-DIAMANT freiwillig einen Partikelfilter eingebaut hat. Damit können 99% der schädlichen Abgase vermieden werden. Geschäftsführer Lutz Freise nennt die Spree-DIAMANT „das sauberste Schiff Berlins“.
Der BUND hat diese Kampagne „Rußarm fürs Klima“ angeschoben. Die Senatsverwaltung der Stadt schießt 50% der Kosten aus dem Topf des EU- Umweltentlastungsprogramms für den aufwendigen Einbau dazu. Das Unternehmen Riedel probiert aus, ob eine solche Filtertechnik überhaupt machbar ist. Denn Rußfilter für Binnenschiffe, die meist nur um Leerlauf zu Wasser fahren, gibt es bislang nicht als fertigen Bausatz zum Nachrüsten. Zwei Jahre haben die Reederei und die Techniker der Firma Clemens an dem Filter getüftelt. Nach längeren Messfahrten war schließlich auch der TÜV mit dem 99% Ergebnis zufrieden.
Umweltplaketten für Fahrgastschiffe werden wir wohl in Zukunft häufiger sehen, aber auch mit anderen Antriebsformen wird inzwischen experimentiert. Hybrid und Solar stehen zur Wahl. Der Touristenstrom hat Folgen. Bewohner und Anrainer am Wasser werden in Zukunft tief durchatmen können.