8:40 h fahren wir vom Hauptbahnhof in TBS ab. Nino, eine junge Studentin (21) mit sehr guten Deutschkenntnissen begleitet mich bei meinem Abenteuer. Sie hat die Sitze 24 und 25 für uns gebucht. Ohne Reservierung keine Bahnfahrt im post-sowjetischen Zugverkehr. Noch das alte Prinzip und die alten Wagen, wie ich sie auch aus KAZ kenne.

Nino bedauert, dass wir nicht mit dem modernen Zug, der einem IC in Deutschland gleicht, fahren. Der steht im anderen Gleis und fährt nach Batumi.
Etwa eine Stunde dauert die Fahrt, fast immer am Mtkvari entlang. Schöne Flusslandchaften wechseln mit Industriebrachen und Kolchoseruinen. Die Narben der Sowjetzeit verschandeln gelegentlich den Blick aus dem Abteilfenster. Doch das Schöne überwiegt. Wasser, fruchtbarer Boden, eingerahmt von steilen Bergen erfreuen mein Auge (um es mal pathetisch auszudrücken).
Nach einer Stunde hält der Zug wieder, ohne Ansage. Beinahe hätten wir die Haltestelle verpasst: Bahnhof Gori. Ich schaue mich um, es sieht so aus wie der deutsche Dorfbahnhof in meiner Kindheit. Der Weg zum Ausgang führt über die Gleise. Doch da rollt ein Güterzug heran. Der Lokführer „gibt Signal“. Wir warten. Warten. Der Zug kommt zum Stehen, blockiert den Weg. Aus den verkleisterten Kesselwagen mit der Aufschrift Kazachstan riecht es nach Teeröl. Doch das wäre eine andere Geschichte.