Auf der anderen Seite des Flusses, auf der Schäl Sick würde der Kölner sagen, habe ich mich verabredet. Taxen sind hier zwar billig, aber die Verständigung mit dem Fahrer ist mühsam. Der Zettel mit der Zieladresse in Herzchenschrift mit Straße und Hausnummer hilft nicht wirklich, so meine Erfahrung. Also bevorzuge ich die Metro und gehe den Rest zu Fuß.

Rasend schnell, ohne Stau und in der Tiefe des Tunnels angenehm kühl, verbinden zwei Linien die Stadtteile. Die Haltestellen sind zwar inzwischen mit lateinische Buchstaben ausgeschildert, aber ohne Fahrkarte gibt’s definitiv keinen Zugang. Die Fahrkarte gibt es am Schalter und hat die Größe einer standardisierten Scheckkarte. Diese kann man leihweise erwerben, mit einer frei gewählten Summe aufladen. Ich kaufe mal für 20 Lari (2 GEL=1 Euro). Eine Fahrt kostet 50 Tetri (ein halber Lari = 25 Euro Cent).
Der Zugang zu den Bahnsteigen wird durch Drehkreuze versperrt. Also lege ich meine Scheckkarte auf das Lesefeld, ping ring piep, ich kann durch die Sperre und sehe auch, wie hoch das Guthaben auf der Karte noch ist. Dieses System wurde vor zwei Jahren nachgerüstet. Schwarzfahrer haben es schwer. Ich sehe gelegentlich Kids, die noch schlank, sich zu zweit durch die Sperre drehen. Die allgegenwärtige Aufsicht sieht das wohl, bleibt aber cool.

Gleich hinter der Schleuse ziehen mich die Holzstufen einer alten Rolltreppe in die Tiefe. Keine richtige Treppe mit steinernen Stufen führt nach unten, nur die Rolltreppe. Wenn ich TIEFE sage, dann stockt mir der Atem. Ich kann nicht sagen, wie tief der Bahnsteig liegt, aber sehr tief unter der Oberfläche. Ich bin beeindruckt und halte mich an dem Gummi des rechten Handlaufs fest. Später stoppe ich die Laufzeit: Mehr als zwei Minuten rolle ich nach unten. Bislang habe ich niemanden beobachtet, der schnell an den Stehenden links vorbei, nach unten stürmt. Die steile Neigung vermittelt ein mulmiges Gefühl. Nur nicht stolpern!
Am Fuße der drei Rolltreppen, wie oben am Startpunkt, überwachen Mitarbeiter der Metro das Auf und Ab. Auf jedem Bahnsteig patruliert (lässig) ein Polizist.

Doch zurück zu der U-Bahn-Röhre in der Tiefe. Warum so tief? Diese Frage hat mich länger beschäftigt. Auch wegen der Vorurteile über die Bauzeit unter den Soviets in den 60er und 70er Jahren. Hatten die Kommunisten in Moskau die Tunnel auch als Bunker konzipiert? Ich bin nicht frei von solchen Voreingenommenheiten. Das wäre doch eine Erklärung. Meine Erklärung. Zumal ich am Anfang in Tiflis niemanden fand, der sich diese Frage gestellt hatte. Bis ich vor zwei Tagen einen Fahrer fand, der mich nachts von der Gartenparty in meine Wohngegend fuhr, und eine einfache Erklärung (in Englisch) hatte: Die Metro-Züge unterqueren den Fluss Mktvari dreimal. Auf diesem Niveau müssen alle Bahnen fahren, ohne Steigungen oder Gefälle zwischen den Stationen. Das klingt plausibel, zumal TBS nicht so flach wie ein Berliner Pfannekuchen ist. Die Höhengleichheit ist also der Grund für die unterschiedlich langen Treppen nach oben und nach unten. Auf dem tiefsten Bahnhof Rustaveli Ave. gibt es nur einen Aus-gang, Auf-fahrt, aber drei Rolltreppen. Eine bringt die Fahrgäste nach oben, die anderen nach unten – und die dritte? Die steht still. Eine Treppe in Reserve.

Wer mehr wissen möchte, den Technikfreaks empfehle ich eine gut gemachte Webseite TTC.com.ge
ttc.com.ge/?lang_id=ENG&sec_id=56
der Tbilisi Transport Company und der Stadtverwaltung
www.tbilisi.gov.ge/index.php?lang_id=ENG&sec_id=2775
www.tbilisi.gov.ge/index.php?lang_id=ENG&sec_id=2192