Wer heute noch den Begriff Hütchenspiel verwendet, der verniedlicht die betrügerische Absicht als Spiel.
Wer in die Gesichter der Personen schaut, die sich als Gruppe um die drei kleinen Schachteln (Hütchen) und das Kügelchen aus Alufolie drängen, der erkennt den fanatischen Ernst ihres Tuns. Ihre physische Statur lässt keinen Zweifel aufkommen, dass sie auch auf eine Rangelei vorbereitet sind. Mindestens eine Frau gehört zum Umfeld der Bauernfänger. Woher ich das weiß? Ich beobachte die unterschiedlichen Gruppen schon seit Jahren. Mit der Frühlingsonne breiten sie ihre kleinen Teppiche, Pappen oder Kunststoffunterlagen auf dem Gehweg aus. Alle Jahre wieder.

Berliner fallen auf diesen Betrug kaum noch rein. Die Öffentlichkeitsarbeit der Polizei zeigt in den letzten Jahren Wirkung. Was aber geschieht mit den „armen“ Touristen? Sie sind das Opfer der Betrüger.

So auch am Sonntag auf der Karl-Liebknecht-Brücke.

Mir gelingt es, die beiden Gruppen jeweils am Ende der Brücke zu fotografieren. Erst unauffällig, bis sich schließlich ein massiver Rücken vor das Kameraobjektiv schiebt.

Ich verlassen den Ort des Geschehens ziemlich schnell, prüfe die Kamera und stelle fest, die Bilder sind im Kasten, wenn auch nicht als Fotokunst, eher als Dokument. In den fünf Minuten, die ich den beiden Gruppen zugeschaut habe, wurden mindestens acht 50-Euro-Scheine hin und her gereicht. Ein Glücksspieler, deutlich erkennbar als Tourist, hatte keine Chance. Seine hundertfünfzig Euro sind dem Geldkreislauf der Berliner Tourismusindustrie so entzogen.

Das Informationsblatt der Polizei von 2012 "So will man Sie betrügen" auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Japanisch und Russisch sollte jetzt im Frühjahr in der Hauptstadt wieder neu auf- und ausgelegt werden. Doch gegen Gier und spielerisches Zocken hilft keine noch so gut gemeinte Aufklärung.

www.berlin.de/polizei/kriminalitaet/huetchenspiel.html