Dazu muss ich spontan etwas sagen:
Klasse, dass Obama den Kapitän frei bekommen hat. Ich weiß, das ist Quatsch, aber der Geist eines B.O. könnte ja auf die Befreier durchgefettet haben. Was Bush seinerzeit angefasst hat, haben seine Leute meistens vermasselt. So sehe ich das.
Bravo - American Spirit! They can do it! (Aber nicht übermütig werden).
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Underscan says:
Bei der ach so toll geglückten Befreiungsaktion haben dank Autorisation von "Change we can believe in"-Obama drei der Entführer AKA verzweifelte Menschen ihr Leben gelassen.
Auf mit rostigen Schrottgewehren [1] bewaffnete, ihrer Lebensgrundlage wie Fischfang dank internationaler Arroganz beraubte Menschen mit High-Tech-Vernichtungsmaschinerie reagieren. Das ist der "American Spirit".
Bisher wurde nicht einer einzigen Person bei den Schiffsentführungen von Seiten der Piraten Leid angetan.
Doch die "zivilisierte Welt" beschließt auf aus Not geborener Kriminalität mit Militär zu antworten. Gewalt als "Lösung". Glückwunsch.
"Damit wird man die Piraten gewalttätiger machen. In der Vergangenheit ist den Geiseln nie etwas geschehen [...] [2]
Ich kann dieser Befreiungsaktion außer der Tatsache, daß der Kapitän nun wieder in Freiheit ist nun wirklich nicht das geringste Positive abgewinnen.
__________
[1] www.boston.com/bigpicture/2009/03/pirates_of_somalia.html#photo19
[2] www.tagesschau.de/ausland/piraten288.html
Tupelo Honeypro replies:
fan_berlin says:
Mir geht es um einen Menschen, der unverschuldet in Lebensgefahr war. Die Geiselnehmer hätten ihn auch mit "rostigen Schrottgewehren" erschossen.
Deine Kritik am kapitalistischen System teile ich; Deinen daraus resultierenden Anti-Amerikanismus nicht. Dass ich keiner bin, der Gewalt als Lösung sieht, kannst Du in meinen anderen Blogs nachlesen.
Noch ein Satz zu den Quellen: Warum übernimmst Du die Argumente der Medien, hast Du keine eigene Meinung? Als ich über mein Gefühl spontan geschrieben habe, hatte ich noch keine zusätzlichen Informationen von Schrot(t)gewehren. Das Bild von den Somalis mit AK47 auf der französischen Yacht hatte ich ein paar Tage vorher gesehen. Erschießen friedliche, hungernde Somalis einen Familienvater? Die Opfer/Täter Diskussion ist in Deutschland sehr populär. Damit solltest Du Dich beschäftigen.
Übrigens: Ich finde es gut, dass Du reagiert unbd kommentiert hast.
Underscan replies:
Meinungsaustausch ist halt leider kompliziert. :)
> ich dachte die 68er sind ausgestorben, die für alles eine Erklärung
> haben, dass nämlich die Opfer letztlich selber Schuld sind.
Ich bin viel zu jung für die 68er, auch wenn ich an einer differenzierten Betrachtungsweise wer von welchem Blickwinkel aus Opfer und wer Täter ist nicht das Geringste auszusetzen habe.
Zudem: wo habe ich auch nur angedeutet, daß der Kapitän Schuld an der Eskalation ist?
Er hat sich - soweit den Medienberichten zu entnehmen - als Gegenpfand angeboten. Das kann man sehen wie man will: heldenhaft, leichtsinnig, wieauchimmer.
Das ist nicht Objekt meiner Kritk.
> Mir geht es um einen Menschen, der unverschuldet in Lebensgefahr war.
> Die Geiselnehmer hätten ihn auch mit "rostigen Schrottgewehren" erschossen.
Richtig, auch mit Waffen mit Schrottwert kann man Menschen töten. *Ob* es allerdings dazu gekommen wäre, kann *niemand* sagen.
Was man aber nun sagen kann: drei Menschen wurden getötet, weil anscheinend das Credo, nicht mit Geiselnehmern zu verhandeln, Handlungsbereitschaft und keinesfalls Schwäche zu zeigen stärker war als eine deeskalierende Politik der Verhandlung.
> Deine Kritik am kapitalistischen System teile ich; Deinen daraus
> resultierenden Anti-Amerikanismus nicht.
Ich weiß nicht, ob ich zwingend als "anti-amerikanisch" zu bezeichnen bin.
Ja, eine überwiegende Zahl an Handlungen amerikanischen Ursprungs verurteile ich als zutiefst unmenschlich. Doch da ist Amerika beileibe nicht alleine.
Bei dem aktuellen Aufmarsch einer internationalen Seearmada in der Nähe zu Somalia, um die grotesken Warenwege der Konsumkultur vor Störungen militärisch abzusichern, zeigt sich längst, welche Koalition der willigen Ökonomieerfüllungsgehilfen sich dort tummelt.
> Noch ein Satz zu den Quellen: Warum übernimmst Du die Argumente der
> Medien, hast Du keine eigene Meinung?
Ha. Diese Kritk verfängt nun wirklich nicht.
Ich habe ein in einem Medium zitierten Wortlaut einer unmittelbar mit der Thematik befassten Person als weiterführenden Beleg herangezogen, nicht die Berichterstattung als solche (ja, ich weiß um all die Aspekte der medialen Welt wie Agenda Setting, Gatekeeper, usw.).
Meine "eigene Meinung" zeigt sich hoffentlich bereits daran, daß ich nicht der auf allen Kanälen wiedergekauten Pirateriewelle ohne Hintergrundwissen schwimme, sondern mich bemühe, die Ursachen dieser Situation zu eruieren und zu verstehen, zu denen u. a. die illegale internationale "Raubfischung" und das Verklappen von Giftmüll vor der Küste Somalias gehören, die den Menschen dort ihre Lebensgrundlage rauben.
Wer hat hier welche Feinde wann wie geschaffen und wer sind in welcher Hinsicht die Opfer und Täter? Wer sind die Piraten? Was sind die Motive? Was wären Lösungen - jenseits von der pauschalen Reaktion mit überbordender Gewalt?
Nichts davon wird in den "Mainstream"-Medien thematisiert, dort ist "Piraterie" ein weiteres hippes Thema, das leicht exotisch anmutet und zudem bequem schwarz-weiß präsentiert werden kann.
Das ganze Unterfangen ist derart grotesk, daß ich nicht weiß, wo man anfangen soll, Kritik zu üben. Daß die Lösegelder nur ein Bruchteil der Kosten dieser riesigen Militär- und Militanzdemonstration betragen? Daß auch die komplette Flotte aller bereitwilligen Länder nur ein winziges Stück der betroffenen Seestraße "absichern" kann?
> Das Bild von den Somalis mit AK47 auf der französischen Yacht hatte
> ich ein paar Tage vorher gesehen. Erschießen friedliche, hungernde
> Somalis einen Familienvater?
Wer hat bei der französischen Jacht wen erschossen? Eine Geisel und zwei Entführer wurden von der französischen Armee getötet, weil diese offenkundig auch nicht weiter wussten, als mit Gewalt zu reagieren.
Oder geht es um die Jacht "Ponant", bei der von Seiten der Piraten auch niemand zu Schaden kam, während auf die flüchtenden Kidnapper aber wiederum die französischen Kampfhubschrauber angeblich noch ein paar Raketen schossen?
So oder so und um auf den Ausgangspunkt zurückzukommen: ich kann nicht einmal ansatzweise Begeisterung für die Befreiungsaktion aufbringen, da sie Menschenleben gekostet, nichts an der allgemeinen Situation verbessert hat und zu einer Eskalation beitragen dürfte.
Sie passt aber bestens zu der weiterhin und zunehmend populären Strategie, mit Scheuklappenblick, "harter Hand" und Unnachgiebigkeit auf jede unwillkommene "Nebenwirkung" der eigenen Handlungen einzuschlagen bis sich nichts mehr rührt.
fan_berlin says:
Das ist meine Erfahrung.
Noch ein Satz zu Deiner Kritik am System.
Ich empfehle Dir das Buch von Elmar Altvater "Das Ende des Kapitalismus wie wir ihn kennen.
Eine radikale Kapitalismuskritik. "
Du wirst überrascht sein, wie er das Ende beschreibt. Seine Analyse ist bestechend.
Marcelpro says:
Und welchen Zweck nun dieser plötzliche Piraterie-Hype dienen soll, mag mir bitte auch mal jemand erklären. Es hat doch keinen interessiert als es da wirklich hoch her ging. Es gibt noch ganz andere Konflikte über die es sich zu berichten lohnt und die Medien machen mal wieder auf Heldengeschichten. Ich fühle mich da zur Zeit mit jeder Meldung einfach nur manipuliert :-(
fan_berlin replies:
So sehe ich das auch! Unxd in diesem Punkte habe ich auch Hoffnung. Wenn unser Bundespräsident von den armen Fischern predigt und Zusammenhänge deutlich macht, dann ist das nicht einmal eine Nachricht wert. Jetzt, wenn die USAmerikaner auf ihre Art Menschenleben retten und zerstören, melden sich wieder die Stammtisch-Journalisten (die sogen. Linken haben auch Ihre Stammtische). Und, die in der anderen Kneipe sitzen, brauchen ihre Heldengeschichten.
Mir geht es wie Dir: Ich fühle mich da zur Zeit mit jeder Meldung einfach nur manipuliert :-( Nur reden darüber hilft, die Ohnmacht zu überwinden. Auch wenn es keine einfachen Lösungen gibt.
fan_berlin replies: