Erinnerungen an die Kindheit werden wach. Ich war etwa 14 Jahre alt, Sohn eines Waffen-besitzenden Vaters. Als stolzer Jäger, der nun zur sogenannten besseren Gesellschaft dazu gehörte, hatte er auch zwei Gewehre und eine kleine Pistole im Schrank. Ordentlich verschlossen, denn als guter Preuße beachtet man die Regeln. Strenge Waffengesetze gab es damals noch nicht; ein Jagdschein reichte, um mit diesem Waffen und Munition zu erwerben.
Vater wusste, dass Kinder im Haushalt natürlich neugierig sind. So hatte er die Waffen im Schrank eingeschlossen. Den Schlüssel zum Schrank versteckt. Die Munition getrennt im Schreibtisch, verschlossen.
Eines Tages fuhren Vater und Mutter in den Urlaub, damals waren es verlängerte Wochenenden. Für mich genügend Zeit, mir eine der Gewehre zu holen, um endlich einmal ungestört zu probieren, ob ich auch schießen kann. Anvisierte Ziele waren die Nummernschilder auf den Garagentoren im Hof. Und ich habe diese auch getroffen. Das war's.
Als die Eltern zurück kamen, bekam ich von dem "Alten" ein mächtige Tracht Prügel. Natürlich hatten die Nachbarn meine Schießübungen beobachtet.
Damit war die Angelegenheit aber nicht erledigt. Mein Vater hatte erkannt, dass es kein sicheres Versteck für seine Waffen gab. Kinder sehen alles, merken alles, wollen alles, können alles. Ich wusste wo der Schlüssel zum Schrank versteckt war, ich wusste wo die Munition lag, wusste wo der Schlüssel zur Schreibtischschublade versteckt war, ich wusste wie alles zusammenpasste - und konnte schießen.
Gottseidank war meine jüngere Schwester mit den Eltern unterwegs. Sie konnte mich an meinem Tun nicht hindern.
Der Schreck war dem "Alten" anzumerken. Um die Familie und die Nachbarn vor seinem neugierigen Sohn in Zukunft zu schützen, verkaufte er seine Waffen. Das, so erkannte er, war der beste Schutz. Als ehemaliger Soldat wusste er wovon er redet: "Wer eine Waffe besitzt, der benutzt sie auch!"
Ich habe im späteren Erwachsenenleben allen "Verlockungen" oder vermeintlich guten Gründen widerstanden, mir eine Waffe anzuschaffen. Kinder sind clever. Vor ihnen gibt es kein sicheres Versteck.
translate into English
Send a message
Search for members

Rosi`sEyespro says:
so sollten viel mehr denken und handeln.
lg rosi
fan_berlin replies:
Billpro says:
--
Seen in bill.bode home page (?)
fan_berlin replies:
twelvetwentynine says:
fan_berlin replies:
gin_ablepro says:
fan_berlin replies:
Marcelpro says:
twelvetwentynine replies:
Nils Pickertpro replies:
Ich finde an der ganzen Sache interessant, dass das Fernsehen sofort wieder über Computer lästert. Bestes Beispiel war eine Talkshow, wo die Gäste (Psychologen und Computerfreaks) sinnvolle Sachen sagten (in etwa das, was ihr auch sagtet). Nur der Moderator hat immer wieder versucht, sein schwachsinniges "Aber die Ballerspiele" loszuwerden. Abgeschalten habe ich als sie zeigten, wie es einem 15 1/2 Jährigem gelungen ist, ein Computerspiel zu kaufen, das erst ab 16 freigegeben ist.
Ein reflektieren über die Ursachen des Amoklaufs findet in den Medien kaum statt, lieber schieben wir alles auf die Ballerspiele.
Marcelpro replies:
Kennst Du den Beitrag: www.weissgarnix.de/?p=1759
Nils Pickertpro replies:
Gestern im Radio kam ein schöner Titel von Olli "Mach den Bibo" Schulz: Ab jetzt tut's nur noch weh.
fan_berlin replies:
Warum fragt mich keiner, was ich aus dieser Erfahrung nach meiner ersten Schießübung gemacht habe?
Zehn Jahre habe ich in Afrika gelebt und gearbeitet. Und das ohne eine Waffe unter dem Kopfkissen. Aber mit vielen Erinnerungen an tragische Geschichten aus der Experten-Community, weil einige meinten, sie müssten sich und ihre Familie gegen den "äußeren Feind" schützen.
Eine Waffe im Haus kann tödlich sein. Das ist meine Message!
fan_berlin replies:
fan_berlin replies:
Die Verantwortung für die Kinder wird hier und heute den Eltern abgesprochen. Wir erleben die Fortsetzung der politisch begründeten, kollektiven Erziehung durch den Staat (mehr Gesetze).
Aber meiner Meinung nach kann niemand die Eltern aus der Verantwortung entlassen.
Wenn ich Computer-Kompetenz bei den Kindern verlange, dann muss ich selber kompetent sein.
Aber der Vater von Tim K. hielt eine Maus wahrscheinlich nur für einen Schädling, den man mit Waffen-Kompetenz beseitigt. (Mir bleibt das Lachen im Halse stecken!)