June 2009
  Sun Mon Tue Wed Thu Fri Sat  
    1 2 3 4 5 6  
  7 8 9 10 11 12 13  
  14 15 16 17 18 19 20  
  21 22 23 24 25 26 27  
  28 29 30          

Archives

December 2009 (10)
November 2009 (12)
October 2009 (5)
September 2009 (10)
August 2009 (5)
July 2009 (9)
June 2009 (5)
May 2009 (14)
April 2009 (7)
March 2009 (2)
February 2009 (2)
January 2009 (3)
December 2008 (3)
November 2008 (1)
October 2008 (2)

June 4, 2009

Geh aus mein Herz und suche Freud - von Paul Gerhardt - anno domini 1656 -



Geh aus mein Herz und suche Freud
In dieser schönen Sommerzeit

An deines Gottes Gaben
Schau an der schönen Gärten Zier
Und siehe wie sie mir und dir

Sich ausgeschmücket haben
Die Bäume stehen voller Laub

Das Erdreich decket seinen Staub
Mit einem grünen Kleide

Narzissen und die Tulipan
Die ziehen sich viel schöner an
Als Salomonis Seide



Die Lerche schwingt sich in die Luft
Das Täublein fliegt auf seiner Kluft
Und macht sich in die Wälder
Die hochbegabte Nachtigall
Ergötzt und füllt mit ihrem Schall
Berg Hügel Tal und Felder



Die Glucke führt ihr Völklein aus
Der Storch baut und bewohnt sein Haus
Das Schwälblein speist die Jungen
Der schnelle Hirsch das leichte Reh
Ist froh und kommt aus seine Höh
In´s tiefe Gras gesprungen

Die Bächlein rauschen in dem Sand
Und malen sich an ihrem Rand
Mit schattenreichen Myrten
Die Wiesen liegen hart dabei
Und klingen ganz vom Lustgeschrei
Der Schaf´ und ihrer Hirten

Die unverdroßne Bienenschar
Fliegt hin und her, sucht hier und da
Ihr edle Honigspeise
Des süßen Weinstocks starker Saft

Bringt täglich neue Stärk’ und Kraft
In seinem schwachen Reise

Der Weizen wächset mit Gewalt
Darüber jauchzet jung und alt

Und rühmt die große Güte
Des, der so überflüssig labt
Und mit so manchem Gut begabt
Das menschliche Gemüte

Ich selber kann und mag nicht ruhn
Des großen Gottes großes Tun
Erweckt mir alle Sinnen
Ich singe mit, wenn alles singt

Und lasse was dem Höchsten klingt
Aus meinem Herzen rinnen


Text von Paul Gerhardt
Fotos von Albert Jäger



Published at 16:06 / 3 comments / 421 visits
This post is public

June 9, 2009

An den Mond - Johann Wolfgang von Goethe



Füllest wieder Busch und Tal
still mit Nebelglanz
lösest endlich auch einmal
meine Seele ganz

Breitest über mein Gefild
lindernd deinen Blick

wie des Freundes Auge - mild
über mein Geschick

Jeden Nachklang fühlt mein Herz
froh - und trüber Zeit
wandle zwischen Freud und Schmerz
in der Einsamkeit

Fließe - fließe - lieber Fluß
nimmer werd ich froh
so verrauschte Schmerz und Kuß
und die Treue so

Ich besaß es doch einmal
was so köstlich ist
dass man doch zu seiner Qual

nimmer es vergißt

Rausche - Fluß - das Tal entlang
ohne Rast und Ruh
rausche - flüstre meinem Sang
Melodien zu

Wenn du in der Winternacht
wütend überschwillst
oder um die Frühlingspracht

junger Knospen quillst

Selig - wer sich vor der Welt
ohne Haß verschließt
einen Freund am Busen hält

und mit dem genießt

Was von Menschen nicht gewußt
oder nicht bedacht

durch das Labyrinth der Brust
wandelt in der Nacht


Fotos von Albert Jäger
Mondfoto von La Belle du Canet



Published at 10:40 / 6 comments / 318 visits
This post is public

June 13, 2009

Über das Selbstverständliche [eo]

esperanto



Als Kind ist alles selbstverständlich
man nimmt alles selbstverständlich

das Leben - das Spielen
1932

die Kleidung - die Wohnung - das Essen
die Schule - das Lernen
1938

sogar der Krieg war es
er war einfach da
man hatte mich nicht gefragt
ob ich ihn wollte

Ich war 8 Jahre alt - da kam der Krieg zu mir
in Gestalt eines Bombenangriffs am 15.Juli 1940
eine Bombe fiel in den Garten
Ich erlebte hautnah - das Leben war bedroht
tagtäglich bedroht
1942



es war selbstverständlich
und blieb 5 Jahre lang bedroht


Ich genoß das Ende des Krieges
Die tägliche Bedrohung durch Bomben hatte endlich ein Ende
Der äußere Friede war wieder
selbstverständlich
Von Mai 1945 bis zur Währungsreform 1948
wurde ich sehr selten satt - wie viele andere auch
Nicht satt werden war selbstverständlich

Mit ungefähr 6 oder 7 Jahren
fragte ich meine Mutter
woher nehmen wir das Geld
Sie sagte - Dein Vater verdient
das Geld durch seine Arbeit
und davon können wir kaufen
was wir brauchen
aber das wurde immer weniger
Ein Schultornister aus Leder
kostete auf dem Schwarzmarkt 1946
600 Reichsmark
Die Entwertung von Geld war
selbstverständlich
Erst nach der Währungsreform 1948
hatte Geld wieder einen Wert


Arbeit und Geld
waren wieder selbstverständlich

Ich wuchs heran
Lernte - konnte studieren

Es kamen Krankheiten
Heilung
war etwas Selbstverständliches
Das Leben war wieder einmal nicht mehr
SO selbstverständlich

Ich war mehrmals sehr krank
hatte Unfälle
Mein Frau starb mit 56 Jahren
LEBEN
ist also doch nicht so selbstverständlich

Ich habe alles überstanden
Ich genieße jeden Tag
ob die Sonne scheint oder ein kalter Wind bläst
Das Leben lehrte mich
« Ich bin nicht immer selbstverständlich
Aber wenn du mich

JETZT
für selbstverständlich halten kannst
dann freu dich deines Lebens »
2009




Dankbar genieße ich
Gesundheit und Leben



Published at 09:12 / 9 comments / 451 visits
This post is public

June 14, 2009

Frühlingsglaube von Ludwig Uhland - Printempa fido de Ludoviko Uhland

Die linden Lüfte sind erwacht
Sie säuseln und weben Tag und Nacht
Sie schaffen an allen Enden


Vekiĝis softa la aer'
Ĝi flirtas en hel' kaj nokt' sur ter'
kaj agas je ĉiu fino




O frischer Duft - o neuer Klang
Nun - armes Herze sei nicht bang
Nun muß sich alles - alles wenden


Odora freŝ', sonad' sen lim'
Nun estu, koro, do sen tim'
Turniĝi devas la destino




Die Welt wird schöner mit jedem Tag
Man weiß nicht - was noch werden mag
Das Blühen will nicht enden

Pli belas Mond' post ĉiu tag'
Ne estas limo por imag'
Floradas jen sen fino




Es blüht das fernste tiefe Tal
Nun - armes Herz - vergiß die Qual
Nun muß sich alles - alles wenden

Floradas fora granda val'
Forgesu - kor'- pri via gal'
Turniĝi devas la destino




Fotos von Albert Jäger
traduko de Cezar

Published at 07:44 / 5 comments / 419 visits
This post is public

June 15, 2009

Pri la memkompreneblo [de]


deutsch

Kiel infano estas ĉio memkomprenebla
oni prenas ĉion memkompreneble
la vivo - la ludo
1932

la vesto - la loĝejo - la manĝado
la lerneo - la lernado
1938



eĉ la milito estis simpla por mi
oni ne min demandis
ĉu mi ĝin volis

mi havis 8 jarojn
la milito venis al mi -


Estis atakobombo je de 15. julio 1940
bombo falis en nia ĝardeno
mi travivis tre proksime
la vivo estis minacita
1942

tagnoktoe minacita
estis memkomprenebla
kaj la minaco restis 5 jarojn



mi ĝuis la fino de la milito
La minaco per bomboj fine havis finon
La ekstera paco ree estis
memkomprenebla

De majo 1945 - ĝis a la monoreformo en somero 1948
mi malsatiĝis ofte
kiel antaŭ multaj - ne sato estis
memkomprenebla

mi estis ĉirkaŭ 6 aŭ 7 jaroj
tiam mi demandis mian patrinon
de kie ni prenas la monon
ŝi diris - la patro perlaboras monon
kaj ni povas aĉeti
kion ni bezonas
sed la mono pli kaj pli malmaloriĝis
ni aĉetis dorsosako por la skolo
sur la nigra merkato 1946

por 600 Reichsmark

la devaluto estis memkomprenebla

nur post la nigra merkato
havis mono ankaŭ valoron
laboro kaj mono
estis memkomprenebla

mi grandiĝis - mi lernis - mi studis
estis morbojn
resanigo estis memkromprenebla

la vivo estis ankoraŭ
ne memkomprenebla

mi estis ofte tre malsana
mi suferis ofte akcidenton
mia virino mortis kun 56 jarojn

La vivo estis
ne memkomprenebla

Mi travivis ĉion
mi ĝojas pri ĉiu tago
ĉu la suna brilas aŭ la malvarma vento blovas
la vivo instruis min
« Mi ne estas konstante memkomprenebla
Sed se mi nun por vi
estas memkomprenebla -
ĝuu vian vivon »
2009



Dankeme mi ĝuas
sanon kaj vivon


Teksto kaj fotoj de Albert Jäger
Traduko kun helpo de Norberto Karbe


Published at 07:45 / 5 comments / 322 visits
This post is public

( 5 posts )

 

Català | Čeština nové | 中文 | Deutsch | English | Español | Esperanto | Ελληνικά | Français | Galego | Italiano | Nederlands | Português | More...