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Über das Selbstverständliche [eo]

Saturday June 13, 2009 at 09:12AM

esperanto



Als Kind ist alles selbstverständlich
man nimmt alles selbstverständlich

das Leben - das Spielen
1932

die Kleidung - die Wohnung - das Essen
die Schule - das Lernen
1938

sogar der Krieg war es
er war einfach da
man hatte mich nicht gefragt
ob ich ihn wollte

Ich war 8 Jahre alt - da kam der Krieg zu mir
in Gestalt eines Bombenangriffs am 15.Juli 1940
eine Bombe fiel in den Garten
Ich erlebte hautnah - das Leben war bedroht
tagtäglich bedroht
1942



es war selbstverständlich
und blieb 5 Jahre lang bedroht


Ich genoß das Ende des Krieges
Die tägliche Bedrohung durch Bomben hatte endlich ein Ende
Der äußere Friede war wieder
selbstverständlich
Von Mai 1945 bis zur Währungsreform 1948
wurde ich sehr selten satt - wie viele andere auch
Nicht satt werden war selbstverständlich

Mit ungefähr 6 oder 7 Jahren
fragte ich meine Mutter
woher nehmen wir das Geld
Sie sagte - Dein Vater verdient
das Geld durch seine Arbeit
und davon können wir kaufen
was wir brauchen
aber das wurde immer weniger
Ein Schultornister aus Leder
kostete auf dem Schwarzmarkt 1946
600 Reichsmark
Die Entwertung von Geld war
selbstverständlich
Erst nach der Währungsreform 1948
hatte Geld wieder einen Wert


Arbeit und Geld
waren wieder selbstverständlich

Ich wuchs heran
Lernte - konnte studieren

Es kamen Krankheiten
Heilung
war etwas Selbstverständliches
Das Leben war wieder einmal nicht mehr
SO selbstverständlich

Ich war mehrmals sehr krank
hatte Unfälle
Mein Frau starb mit 56 Jahren
LEBEN
ist also doch nicht so selbstverständlich

Ich habe alles überstanden
Ich genieße jeden Tag
ob die Sonne scheint oder ein kalter Wind bläst
Das Leben lehrte mich
« Ich bin nicht immer selbstverständlich
Aber wenn du mich

JETZT
für selbstverständlich halten kannst
dann freu dich deines Lebens »
2009




Dankbar genieße ich
Gesundheit und Leben



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9 Comments / add your comment?

bahaberrapro says:
Jawohl - sehr weise. Und wer aus dem Leben lernt und weitermacht, weiß zu leben.
Sehr schönes Bild dazu. Danke für diesen Morgengruß .-9
Posted 6 months ago. ( permalink / translate )
Bärbel Arnold says:
Vielen Dank für diese Worte... ich habe Gänsehaut und bewundere Dich immer und immer wieder für Deine Lebensfreude....!
Posted 6 months ago. ( permalink / translate )
Elbertinumpro says:
Bis heute weiß niemand - warum eine Kleinstadt mit 6000 Einwohnern schon am 15.Juli1940 bombardiert wurde -
Es gab einen kleinen militärisch genutzten Feld-Flughafen - aber davon gab es viele in dem damaligen Deutschen Reich -
Posted 6 months ago. ( permalink / translate )
Elbertinum edited this comment 6 months ago.
Elbertinumpro says:
Für Millionen von Menschen ist heute immer noch nicht selbstverständlich -
Ausreichendes gesundes Essen - sauberes Wasser - gesundes Leben - äußerer Friede - Meinungsfreiheit
jeden Tag sterben Säuglinge und Kinder an verschmutzem Wasser -
Wie lange noch -
Und hier bei uns
Heute ist für viele weder die Arbeit noch das Geld selbstverständlich
Vor 50 Jahren undenkbar - dass so etwas je wiederkommen könnte -
Posted 6 months ago. ( permalink / translate )
Elbertinum edited this comment 6 months ago.
Hildegard Rasch replies:
Also du denkst auch noch daran, genau wie ich, aehnliche Erfahrungen, ich glaube wir haben die Hoehen und Tiefen des Lebens kennengelernt, und koennen - wenn unser Stuendchen einmal schlaegt sagen: ICH HABE GELEBT.
Posted 6 months ago. ( permalink / translate )
Barbarapro says:
ich bin froh, dass ich in der Zeit noch nicht gelebt habe.
Recht hast Du: genieße die Zeit, alles geht viel zu schnell
Posted 6 months ago. ( permalink / translate )
yety says:
Danke Albert, für Deine Gedanken, die mich immer wieder innehalten lassen. Ich wurde in eine Zeit und in ein Land hinein geboren, in der viele Eltern vom Wunsch beseelt waren, das es den Kindern mal besser gehen soll. Und sie haben es geschafft, durch harte tägliche Arbeit.
Aber geldgierige Finanzhaie haben leichtsinnig und verbrecherisch alles aufs Spiel gesetzt und nun ist nichts mehr , wie es war....
Das gilt nur hier, wie Du richtig erinnerst. Wir haben früher zum Teil auf Kosten der armen Länder gut gelebt und nun geht es ihnen noch schlechter! Das darf nicht SELBSTVERSTÄNDLICH SEIN!
Posted 6 months ago. ( permalink / translate )
Frieda Varwig says:
Wir allen gehen durch Tiefen und Höhen in diesem Leben. Wichtig ist, die Freude am Leben zu bewahre. Das kann einem gelingen wenn man sich auf die Schöpfungswerke konzentriert.
Viele Menschen können sich nicht mehr freuen und haben dann Depressionen. Schade.
In der Natur gibt es sehr vieles zu betrachten, was einem Freude bereitet. Man muss nur die Augen offen halten und bewusst die Umgebung betrachten.
Posted 4 months ago. ( permalink / translate )
Elbertinumpro replies:
Wer fotografiert - sieht die Welt mit anderen Augen - ich entdecke immer wieder Farben und Formen - die mich faszinieren -
Posted 4 months ago. ( permalink / translate )

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