Liebe xxx,
Für Yahoo ist das Ganze m.E. nur ein Steinchen mehr auf ihrer mit Fehler und PR-Dilettantismus gepflasterten Strasse in den Niedergang. Würde mich nicht wundern, wenn die sich demnächst von irgendwem, vielleicht sogar von Google ( oder Microsoft/MSN...) kaufen lassen würden ;-) Der größte Wettbewerber liegt derzeit nahezu uneinholbar vorne, und auch als Marke hat es sich Yahoo im Lauf der Zeit nicht nehmen lassen, sich die größten Schäden selber zuzufügen. Mit einer Rücknahme von Zensur/Filtermassnahmen in Ländern, in denen sie laut Gesetzen und Rechtsprechung (noch) nicht gefordert sind, sind weder die Marktanteile, Umsatzeinbrüche noch der Imageschaden wieder gut gemacht. Mit flickr hat das m.E. alles nicht viel zu tun. flickr ist nur ein kleiner Teil des Imperiums, trägt zum Gesamtumsatz von Yahoo nicht wesentlich bei und hat bisher wahrscheinlich noch nicht mal die Aquisitionskosten wieder eingespielt.
Das in erste Linie peinliche Debakel der letzten Wochen war m.E. vor allem dem Wunsch geschuldet, bei Topmanagement und Investoren/Aktionären möglichst schnell mit Lokalversionen (= hey Expansion, Hurrah! Marktpenetration) punkten zu können. Weil man es so eilig hatte, haben die Techniker wahrscheinlich mit sehr heissen Nadeln arbeiten müssen. Vermutungsweise kam dabei ein Wust von Flickwerk raus, der so schnell nicht zu entwirren und reparieren ist. Die Rechtsberater wollten auch beim unrealistisch schlimmsten Fall von Gesetzesauslegung auf der sicheren Seite sein, hatten aber blöderweise nicht gründlich recherchiert...
Bis neben einem Rechtfertigungs- auch echter Handlungsbedarf erkannt wurde, dauerte es ein Weilchen.
Und weil man (zumal als relativ bedeutungsloser Teil) eines börsengelistetes US Unternehmen nicht einfach so in die Welt kommunizieren darf, gab es wahrscheinlich viel zeitaufwendige Mühe, Entscheider und Rechtsbeistände zu kontaktieren, und dann viel Abstimmungsgerede zwischen flickr und Yahoo. Solche Powows kosten nun mal Zeit, wie auch das Verfassen dürrer Erklärungen und deren Drehen durch die Rechtssicherheitsmangel. Wie wütend und ungeduldig die Community/Kunden reagieren und wie schnell sich das Ganze zum PR-mässigen Grossunfall entwickeln würde, das haben sie im Yahoo-eigenden grosskotzigem Kalkül einfach mal wieder nicht erwartet. Dumm gelaufen, guys, richtig dumm....
Glaube schon, dass flickr in den nächsten Tagen mit einer "Lösung" für Deutschland aufwarten wird. Am Grundproblem des Vertrauensverlusts und der Enttäuschung, die so Viele hierher und anderswohin verschlagen hat, wird das wahrscheinlich nichts ändern. Mir hingegen reicht es, wenn sie ihre überflüssige Filterregelung zurücknehmen. Denke nicht, dass es im Web sowas wie sichere Häfen gibt, und schon gar nicht auf Plattfformen, deren Betreiber mittelfristig Geld verdienen wollen. Werde den Account bei flickr also erst einmal nicht löschen. Ipernity betrachte ich (bisher) nicht als Exil, sondern als Aussenposten. Hier bin ich wegen der Emigranten, zu denen ich den Kontakt nicht verlieren möchte.
Aber noch mal schnell zum Protest. Jede "Zensurdebatte" läuft ja etwas anders, aber was mich in den Anti-Gruppen bei flickr richtig erschüttert hat (also neben den Verschwörungstheorien, der Hysterie, der Unzugänglichkeit für sachliche Argumente, dem dümmlichem Profilantentum einiger selbsternannter Anführer und Märtyrrer, und dem Anlass als solchen), das ist der naive Glaube an die Heilheit der Internet-Welt, der durch zahllose Postings klingt. Finde es doch sehr erstaunlich, wieviele Leute offenbar im Lala-Land der Wunschdenker wohnen und so z.B. erst jetzt mitbekommen, dass "ihr" Web längst von den üblichen Macht- und Marktkräften geentert worden ist. Ob die noch nie über den überwachenden Nebennutzen von Suchmaschinen und Web-Controlling-Tools nachgedacht haben? Oder unser nettes, gar nicht mal so neues Gesetz, das Provider dazu zwingt, Telefonat- und SMS-Daten vorzuhalten? Oder was Schäuble und Co. sonst noch so alles planen...? Wir können in diesen Breiten zwar immer noch alles mögliche sagen, tun und treiben, aber wer glaubt, dabei unbeobachtet und ungetrackt zu sein, verkennt merkantile und politische Tatsachen, finde ich. Oder die haben knacksichere Anomysierungstools, um die man sie nur beneiden kann ;-)
Wie dem auch sei, Dir einen schönen Urlaub und alles Feine für Dich,
D.
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DonDahlmannpro says:
Ruebenkrautpro says:
Kai Schreiber says:
Und soso, dämlich. Ich sehe keinerlei Beleg dafür, dass das extrem peinliche und politisch erbärmliche Faschismusgekeif und Hakenkreuzrumzeigen zu irgendwas geführt hat ausser zu genervten Flickrmitarbeitern, die sich neben irren Yahoos auch noch mit irren Deutschen rumschlagen mussten. Stattdessen passiert augenblicklich exakt das, was von Flickr nach der Schockpause angekündigt wurde, und in ein paar Tagen ist der Filter vermutlich weg.
Ob man nicht der guten Sache damit sehr viel mehr schadet als nützt, wenn man ein paar aus dämlichen Gründen geblockte Fotos mit staatlicher Zensur wie in China zum Beispiel praktiziert, gleichsetzt, ist ein anderes Fässchen, soll wer anders aufmachen.
Ruebenkrautpro says:
Aber vielleicht liegen wir ja beide daneben.
"Exakt das, was angekündigt wurde" Bitte, WAS DENN???, ich habe das alles gelesen, und nix angekündigt gefunden, was nun exakt passieren könnte.
Kai Schreiber says:
Kann schon sein, dass es Flickr intern hilft, gegen die für die Filterung verantwortlichen zu argumentieren. Es beschädigt aber auch Flickrs Image, wenn überall Zensur gekräht und Hakenkreuze hochgeladen werden, und das ist nun auch nicht in meinem Interesse.
Jemanden verurteilen, der einem absichtlich Unrecht tut, geschenkt. Yahoo doof finden, da zahl ich sogar gerne noch drauf. Aber jemanden unter Druck setzen, der bereits zugegeben hat, einen Fehler gemacht zu haben, und Korrektur angekündigt hat? Das ist mir zu Bully.
robbb says:
Garm says:
Was die Anomysierung betrifft: die Anomysierungsserver (z.B. Tor) sollen auch dazu gezwungen werden, Verbindungsdaten rauszugeben. Das Aufzeichnen dieser Daten kostet natürlich ein Schweinegeld, das bedeutet de facto das Aus für diese Dienste.
Zu den Verbindungsdaten, die die Provider rausrücken sollen: die mussten so genannte SINA-Boxen einrichten, damit die Behörden sich jederzeit einklinken können. Es mangelt allerdings auf Seiten dieser Behörden an Know how und so passiert's ab & an, dass die bei den Providern anrufen und die Daten per Fax!! anfordern. Denen ist überhaupt nicht klar, dass bei einem Zeitraum von 1 Woche gut 200.000 gedruckte Seiten zusammen kommen.
Leider werden wir von absolut lernresistenten Greisen regiert, deswegen kommen solch hanebüchene Gesetze zustande.
DREASAN says:
Rumple says: