Donnerstag Abend, 21;40- irgendwo in einer deutschen Kleinstadt.
Es regnet.
In meinem Ohr persische Klänge...
Fremd und doch so vertraut.
Die Gedanken schweifen in die Ferne.
Iran...
welche Bedeutung hat dieses Land für mich?
Geboren im Januar 1980 in Teheran, gelangte ich aus dem Land meiner Vorfahren nach Deutschland, wurde adoptiert, wuchs auf in einer liebevollen, beschützten Umgebung.
Eine große Familie,
mit ihrer ganz eigenen Geschichte.
Ich war die Seite aus einem fremden Buch.
Je älter ich wurde, desto nagender die Frage nach dem ICH.
Geduldig und offen gingen meine Eltern seit jeher mit dem Thema Adoption um.
Wir kannten viele Iraner, feierten, lachten und lebten mit ihnen.
Ich kannte ihre Bräuche, bewunderte die eleganten, wunderschönen Frauen und verstand kein Wort von dem was sie sprachen.
Eine Zeit lang hatte ich Angst vor den Konsequenzen einer Suche nach meinen Wurzeln.
Ich sprach mit einer Freundin aus Teheran.
Sie zeigte mir die Strassen Teherans auf Video, Isfahan und den Flughafen Mherabad, von dem aus meine Reise damals begann.
Jede Strasse schien mir etwas entgegen zu flüstern, jeder Ort vertraut und hinter jedem Augenpaar vermutete ich eine Schwester, einen Bruder, Neffen oder eine Tante...
Seit diesem Tag an suche ich und werde niemals aufgeben.
Sieben Jahre Hoffen, bangen, zweifeln und ahnen.
Sieben Jahre Recherche im Internet, in Bibliotheken,
bei Angehörigen, Bekannten und Fremden.
Sieben Jahre Heimatkunde auf eine ganz eigene Art und Weise.
Aus Fremden wurden Freunde,
ich lerne Farsi,
koche öfters persisch und weiß,
meine Vorliebe für alles Farbenfrohe,
mein Humor,
mein Gerechtigkeitssinn,
meine innerliche Einsamkeit,
aber auch mein geistiger Reichtum-
alles hat so seinen Ursprung...
Diese Suche hat also mich und meine Familie bereichert.
Als Kind war es etwas Besonderes, adoptiert zu sein.
Als Jugendliche war es schwierig, adoptiert zu sein.
Als Erwachsene ist es eine Chance, adoptiert zu sein.
Ich trage zwei Kulturen in mir-
und darüber bin ich sehr froh!!!
Auch wenn ich meine Heimat wahrscheinlich niemals persönlich wiedersehen werde,
bin ich dankbar für all die wunderschönen und interessanten Einblicke die ich durch meine Suche mitnehmen durfte.
Mir ist bewußt, wie viele von euch jeden Tag durch die Medien mit den negativen Bildern aus dem Iran vertrauter sind, als mit seinen anderen Gesichtern.
Manchmal lohnt es sich eben doch sehr, hinter den Schleier zu schauen...
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PS: English translation in progress :-)