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March 1st, 2009

Was heißt hier sozial schwach?

In einem kürzlich veröffentlichten Interview mit dem Wiener Bürgermeister Michael Häupl meinte dieser zur Einführung der beitragsfreien Kindergärten:

"[..]Im investiven Bereich geben wir zusätzlich 700 Millionen Euro aus. Nachdem die sozial Schwächeren bisher schon den beitragsfreien Kindergarten gehabt haben, ist das eine Mittelstandsförderung."

Ich frage mich, warum ein Politiker der SPÖ hier wirtschaftlich schwache Menschen als sozial schwach bezeichnet? Vielleicht bin ich hier wirklich sehr pingelig, aber mir geht das gegen den Strich wenn jemand so argumentiert. Ich bin nicht der Überzeugung, dass wirtschaftliches und soziales derart stark korreliert, dass man die beiden Begriffe beliebig austauschen kann. Es würde außerdem zu dem Paradoxon führen, dass ein schlecht verdienender Sozialarbeiter als sozial schwach gilt und einer von den, in letzter Zeit so oft dem Volkszorn sich aussetzenden, gierigen Manager als sozial stark dasteht. Das kann doch wohl nicht sein!

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March 4, 2009

The Formula That Killed Wall Street

There's a very nice and somewhat lengthy article bringing some light into the backgrounds of the financial market crisis at wired.com: Recipe for Disaster: The Formula That Killed Wall Street

Here is a small excerpt to get you started. The article also displays the formula that is being talked about.

A year ago, it was hardly unthinkable that a math wizard like David X. Li might someday earn a Nobel Prize. After all, financial economists—even Wall Street quants—have received the Nobel in economics before, and Li's work on measuring risk has had more impact, more quickly, than previous Nobel Prize-winning contributions to the field. Today, though, as dazed bankers, politicians, regulators, and investors survey the wreckage of the biggest financial meltdown since the Great Depression, Li is probably thankful he still has a job in finance at all. Not that his achievement should be dismissed. He took a notoriously tough nut—determining correlation, or how seemingly disparate events are related—and cracked it wide open with a simple and elegant mathematical formula, one that would become ubiquitous in finance worldwide.

For five years, Li's formula, known as a Gaussian copula function, looked like an unambiguously positive breakthrough, a piece of financial technology that allowed hugely complex risks to be modeled with more ease and accuracy than ever before. With his brilliant spark of mathematical legerdemain, Li made it possible for traders to sell vast quantities of new securities, expanding financial markets to unimaginable levels.

His method was adopted by everybody from bond investors and Wall Street banks to ratings agencies and regulators. And it became so deeply entrenched—and was making people so much money—that warnings about its limitations were largely ignored.

Then the model fell apart. Cracks started appearing early on, when financial markets began behaving in ways that users of Li's formula hadn't expected. The cracks became full-fledged canyons in 2008—when ruptures in the financial system's foundation swallowed up trillions of dollars and put the survival of the global banking system in serious peril.

David X. Li, it's safe to say, won't be getting that Nobel anytime soon. One result of the collapse has been the end of financial economics as something to be celebrated rather than feared. And Li's Gaussian copula formula will go down in history as instrumental in causing the unfathomable losses that brought the world financial system to its knees.

Read the whole article here

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March 5, 2009

Inflation und Deflation sind keine schwarzen Schwäne

Experten warnen vor Inflation lese ich gerade... Nein wartet mal, vor einer Deflation haben sie gewarnt noch 2 Monate zuvor... das Scheckgespenst Deflation das plötzlich in aller Munde war. Heute senkt die EZB den Leitzinssatz und die Angst vor der Inflation grassiert. Warum nennt man das Kind nicht beim Namen: Keiner weiß so recht welche Aktionen sich wie auswirken werden. Nachdem die selbsternannten Experten fast autoregressiv angenommen haben, was steigt wird weiter steigen, herrscht nun natürlich völlige Ratlosigkeit.

Lesenswert in diesem Zusammenhang die von Nassim Nicholas Taleb propagierte Black swan theory. Schon jetzt sagt man: Eh klar, dass es zur Krise kommen muss. Nur ist man trotzdem hineingerannt. Einige wenige haben es natürlich schon vorhergesagt, aber kritische Stimmen in Zeiten massiven Geld scheffelns will natürlich keiner hören. Was im Nachhinein für alle völlig klar ist, ist im Vorhinein nicht vernünftig vorherzusagen (von verhindern ganz zu schweigen). Welche schwarzen Schwäne werden aber weiter auf uns warten?

Was mich viel mehr beunruhigt als Inflation, Deflation oder weitere Bankzusammenbrüche, das würde ich alles erwarten, ist die auftauchende Neuordnung der Staatsmächte. Auf den Meeren treiben Piraten immer stärker ihr Unwesen, bei uns sagt man steigt die Kriminalität beständig und in immer mehr Gesellschaften gewinnen extrem rechte und extrem linke Gruppierungen immer mehr Einfluß, u.a. um der steigenden Gesetzlosigkeit Einhalt zu gebieten, bzw. um der Ungerechtigkeit der Verteilung Einhalt zu gebieten. Extreme Ansichten haben aber extreme und unvernünftige Handlungen zur Folge und ich bin mir nicht mehr so sicher, dass uns weitere friedliche Jahre bevorstehen. Viel mehr sehe ich, dass sich schon ein neuer Weltkrieg anbahnt. Wie gesagt, schwarze Schwäne sind schwer zu vorhersehen, aber nachher einfach zu erklären. Noch denkt niemand in Europa an Krieg und dennoch gibt es keine stabilisierende Macht. Die EU ist aufgrund der fehlenden Ratifizierung des Lissabon-Vertrags stark geschwächt und hat wenig Rückhalt in der Bevölkerung. Sollten sich die Bevölkerungen in den Nationalstaaten in den nächsten Jahren mehrheitlich für rechts- oder linksradikale Regierungen entscheiden fehlt auch noch der letzte stabilisierende Faktor und die EU zerreißt sich zwisch dem linken und rechten Rand. Genau das befürchte ich, denn in solchen Krisenzeiten wird die Stimme der Vernunft oder der Mitte nicht gehört.

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March 8, 2009

My guitar hero and heroine

It's possible that you know them, their concerts are all sold out and if you listen to a few songs, you'll have to conclude that actually you just heard god's voice speaking. If he exists, that is, then it must sound like this. Rodrigo and Gabriela are god! Their version of Stairway to Heaven is so full of energy and sound it's breathtaking, amazing and simply the most beautiful kick ass interpretation of this song that can ever be recorded. That's where Heaven is, right in their guitars!

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March 27, 2009

Red tuna extinction and the toxic sea

Today I read on orf.at, an Austrian news source that Monaco put a ban on selling red tuna. The stocks are near extinction and fisheries have not made plans for a sustainable future. I think other countries should follow this example and put more bans on tuna. Tuna is one of the most dangered and most popular fish.

There's another good recent article at Times Online regarding the raising levels of toxicity in the sea. It's a bit lengthy, but has an alarming message.

If you want to help, avoid eating fish or seafood, or inform yourself very good about which to eat and which not to eat. Some fish carry a "MSC" sign which is an indication of "better" fish, although the label has received some critical comments also. Greenpeace especially questions the usage of the label for Hoki, as you can read in a german article here and here. A red list of fish for german readers is available here. English readers will be interested in the sustainable seafood FAQ and in the red list of fish which one should avoid.

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March 29, 2009

Wer zahlt nicht für wessen Krise?

Auf großen Transparenten äußert sich im Vorfeld des G20 Gipfels die Unmut der Bevölkerung. Es ist eure Krise! Money for the need not the greed! und weitere Sprüche die eine Barriere ziehen die in Europa schon lange nicht mehr so interessiert hat. Wie in den kreditbelasteten USA hat auch hier zu lande jeder bei dem Poker um noch höhere Renditen mitgespielt und war genauso getrieben davon, bei noch weniger Risiko noch mehr Gewinn zu erzielen. Aber wem gehört nun eigentlich die Krise und ist es überhaupt richtig von einem wir und ihr zu sprechen?

Richtig ist, dass en gros wir alle in Europa und den USA vom Wohlstand profitiert haben. Richtig ist auch, dass manche sehr stark gewinnen konnten und andere wiederaum wenig bis gar nicht. Man hat oft gehört, dass die Schere zwischen Arm und Reiche sich weiter und weiter öffne. Aber im Prinzip hat sich seit 4000 Jahren nichts geändert, die Wirtschaft so wir sie kennen ist eine Pyramide und wir alle bauen an dieser Pyramide. Jeder hofft durch "Fleiß und Anstrengung" (oder auch Beziehungen und Tricks) aufzusteigen und so im Leben etwas zu erreichen. Doch oben wird es eng und es ist de facto unmöglich, dass die Pyramide am Kopf steht. Es bleibt der fahle Nachgeschmack, dass uns allen hier ein belohnendes System vorgegaukelt wird welches nicht existieren kann. Die Fälle derer die trotz enormer Anstrengung es nicht geschafft haben, hat man in der Vergangenheit bisher gut ignoriert. Niemand berichtet darüber, über die die sich abrackern und es doch nicht schaffen und über die Gescheiterten wollte man nichts hören und dennoch muss es Millionen davon geben.

So kann man also nachvollziehen, dass es irgendwo eine Grenze gibt zwischen der Basis und der Spitze und dass die ungeheuerlichen Bonuszahlungen die in ihrer Größenordnung ein einfaches Jahresgehalt um ein xx faches übersteigen nicht akzeptiert werden, wenn es abwärts geht. Es ist auch nachvollziehbar, dass jetzt jene, die stark profitiert haben, nun auch stark gefordert sind der Krise entgegenzuwirken. Genau die Verantwortung mit der die Managementebene jahrelang ihre hohen Gehälter gerechtfertigt hat wird jetzt eingefordert und genau diese Verantwortung muss nun wahrgenommen werden um den sozialen Frieden in Europa aufrechtzuerhalten. Nicht umsonst fragt man sich warum den Bonuszahlungen keine Malhuszahlungen gegenüberstehen? Wie kann ein System funktionieren das nur belohnt aber nicht bestraft und wie soll hier Verantwortung entstehen? Die Krise wird zeigen ob das System in seiner grundlegenden Struktur funktioniert oder ob es zu viel tiefergehenden Umschichtungen innerhalb des sozialen Gefüges kommen wird, auch wenn sich wahrscheinlich wieder nur eine neue Pyramide etablieren wird.

Man sollte auch ein System andenken bei der die Pyramide nicht ignoriert wird (Kommunismus) oder ins unendliche wachsen kann (Kapitalismus) sondern eine gewiße Höhe und Form kontrolliert wird. Je mehr an der Spitze verdient werden will, desto breiter muss die Basis werden oder desto höher muss auch die Basis angehoben werden. Diese Art der Kontrolle ist nicht leistungsfeindlich wie der Kommunismus und nicht asozial wie der Kapitalismus. Die Deckelung der Managergehälter geht bereits in diese Richtung, allerdings ist die Frage ob es schon Untersuchungen gibt wie die Form einer sozial und wirtschaftlich gerechten Pyramide aussieht. Vielleicht spielt ja auch die Zahl phi wiedermal eine Rolle ;-)

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March 29, 2009

Die Schere zwischen Arm und Reich

Aufbauend auf dem letzten Beitrag habe ich mir ein paar Gedanken gemacht warum die Schere zwischen Arm und Reich sich vergrößert. Es ist dies in der westlichen Welt spürbar und auch noch viel stärker in sehr armen Ländern. Woran aber könnte das liegen und was könnte man dagegen tun?

Das Wirtschaftswachstum eines Landes wird mit der Exponentialfunktion beschrieben. Ein Wachstum um 5% pro Jahr bedeutet, wie jeder aus der Zinseszinsrechnung kennt: Kn, das Kapital nach n Jahren berechnet sich als Kn = K1 * 1.05^n. Setzt man für ein Anfangskapital K1 nun einen beliebigen Wert ein so kann man sich das Kapital nach n Jahren sehr leicht berechnen. Wir können uns leicht erklären, dass die Schere sich absolut öffnet, denn ein Kapital von 1000€ wird nach dem Verdopplungszeitraum 2000€ sein, eines von 200€ nur 400€. Absolut ist die Differenz von Anfangs 800€ auf 1600€ angewachsen. Jedoch muss fairerweise gesagt werden, dass sich beide Kapitalwerte um den selben relativen Beitrag vermehrt haben. Beides wurde doppelt so groß, eine prinzipielle Ungerechtigkeit in der Ausgangslage hat sich also relativ gesehen nicht vergrößert. Worin liegt also die Ungerechtigkeit?

Die Antwort ist in den Fixkosten zu finden!

Nehmen wir an, ein großes, ein mittleres und ein kleines Kapital sind für 3 unterschiedliche Menschen zum Leben notwendig und jährlich wird ein Beitrag zum Leben wieder abgezogen. Das Kapital Kn nach n Jahren berechnet sich also aus dem Kapital Kn = Kn-1 * (1.05)^n - Fk, also das Vorjahreskapital (Kn-1) mit Zinsen minus den Fixkosten (Fk). Wollen wir uns nicht damit aufhalten die Folge zu entrekursivieren, sondern sehen wir uns den Unterschied grafisch an.

Die Grafik zeigt 3 verschiedene Größen, ein Kapital mit 1000, 500 und 200 mit jeweils den gleichen 5%, einmal normal veranlagt und einmal abzüglich Fixkosten von 10 pro Jahr (ein gewisser Fixkostenanteil ist für jeden Menschen gleich, da jeder eine gewisse Menge an Nahrung, Wohnung, Kleidung,... benötigt). Man sieht, dass sich das Kapital mit Anfangs 200 unter der Last der Fixkosten überhaupt nicht vermehren kann, da die Fixkosten den Gewinn durch das Wachstum vollständig auffressen. Zwangsweise öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich stärker und auch der relative Unterschied wächst. Mit anderen Worten, wer so schlecht verdient, dass er sich nichts erspart, kann vom Wirtschaftswachstum nicht profitieren und wer am stärksten profitiert sind jene welche am Meisten besitzen. Das System ist also nicht ganz fair, da es den Vermögenden per se stärker fördert.

Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass eine Wirtschaft viel erfolgreicher ist welche jedem die Möglichkeit gibt am Wachstum teilzuhaben und somit wieder der relative Unterschied gleich bleibt. Das Modell das ich mir als Lösung vorstellen könnte läuft auf eine Art Grundsicherung hinaus. Es könnte die gesamte Wirtschaft für die Fixkosten aller teilhabenden Personen aufkommen und die Last nicht mehr der einzelne selbst tragen. Das bedeutet, dass jeder pro Monat denselben Fixbetrag erhält, egal wieviel er oder sie verdient, vielleicht nur abhängig vom Alter und/oder Wohnsitz.

Nun kann man die Grundsicherung als eine Erweiterung des bereits etablierten progressiven Steuermodells sehen bei dem der Mensch zur Sicherung seiner Existenz zwar arbeiten muss jedoch außer der Arbeitsleitung selbst keinen zusätzlichen steuerlichen Beitrag zur Volkswirtschaft erbringt (und im Falle der Geringfügikeit auch wenig von ihr erwarten kann). Im Modell der Grundsicherung würde dem Menschen eine sichere, wenn auch sehr kleine, Existenz geboten und die Möglichkeit jede zusätzliche Anstrengung sofort zum eigenen (und durch die Steuer darauf zum gesamtwirtschaftlichen) Gewinn zu verwandeln. Man könnte aber auch die Grundsicherung mit einer Flat Tax kombinieren, so dass jeder auch denselben prozentuellen Teil dieses Gewinns wieder an die Volkswirtschaft abgibt. Damit wäre die Grundsicherung+Flat Tax wahrscheinlich für Reich und Arm gleichermaßen interessant und möglicherweise fairer als das bisherige progressive Steuermodell mit dem Freibetragsystem. Der administrative Aufwand könnte sich allerdings erhöhen, sollten verschiedene Kriterien in die Bewertung der Höhe der Grundsicherung fließen. Ein einheitlicher Fixbetrag würde sicherlich vieles vereinfachen, wäre aber ungerecht für Menschen die in Umgebungen mit hohen Lebenshaltungskosten leben und vielleicht die Stadtflucht und somit Zersiedelung verstärken.

Möglich wäre auch, dass die Grundsicherung durch den Verlust des Zwangs zur Arbeit Menschen zur Faulheit erzieht und dadurch zum Zusammenbruch des Systems führt. Allerdings ist die Grundsicherung nicht leistungsfeindlich, da sie eben jeder, ob er arbeitet oder nicht zusätzlich erhält und jede Arbeitsleistung darauf aufbauend Gewinn abwirft. Abgesehen davon, kann der Wegfall vom Zwang auch positive Effekte beinhalten wie zum Beispiel die Reduktion von Burn-Out und anderen Arbeitskrankheiten welche das medizinische System vorraussichtlich stärker und stärker belasten werden. Man müsste es ausprobieren um zu sehen wie es funktioniert.

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