Aufbauend auf dem letzten Beitrag habe ich mir ein paar Gedanken gemacht warum die Schere zwischen Arm und Reich sich vergrößert. Es ist dies in der westlichen Welt spürbar und auch noch viel stärker in sehr armen Ländern. Woran aber könnte das liegen und was könnte man dagegen tun?
Das Wirtschaftswachstum eines Landes wird mit der Exponentialfunktion beschrieben. Ein Wachstum um 5% pro Jahr bedeutet, wie jeder aus der Zinseszinsrechnung kennt: Kn, das Kapital nach n Jahren berechnet sich als Kn = K1 * 1.05^n. Setzt man für ein Anfangskapital K1 nun einen beliebigen Wert ein so kann man sich das Kapital nach n Jahren sehr leicht berechnen. Wir können uns leicht erklären, dass die Schere sich absolut öffnet, denn ein Kapital von 1000€ wird nach dem Verdopplungszeitraum 2000€ sein, eines von 200€ nur 400€. Absolut ist die Differenz von Anfangs 800€ auf 1600€ angewachsen. Jedoch muss fairerweise gesagt werden, dass sich beide Kapitalwerte um den selben relativen Beitrag vermehrt haben. Beides wurde doppelt so groß, eine prinzipielle Ungerechtigkeit in der Ausgangslage hat sich also relativ gesehen nicht vergrößert. Worin liegt also die Ungerechtigkeit?
Die Antwort ist in den Fixkosten zu finden!
Nehmen wir an, ein großes, ein mittleres und ein kleines Kapital sind für 3 unterschiedliche Menschen zum Leben notwendig und jährlich wird ein Beitrag zum Leben wieder abgezogen. Das Kapital Kn nach n Jahren berechnet sich also aus dem Kapital Kn = Kn-1 * (1.05)^n - Fk, also das Vorjahreskapital (Kn-1) mit Zinsen minus den Fixkosten (Fk). Wollen wir uns nicht damit aufhalten die Folge zu entrekursivieren, sondern sehen wir uns den Unterschied grafisch an.

Die Grafik zeigt 3 verschiedene Größen, ein Kapital mit 1000, 500 und 200 mit jeweils den gleichen 5%, einmal normal veranlagt und einmal abzüglich Fixkosten von 10 pro Jahr (ein gewisser Fixkostenanteil ist für jeden Menschen gleich, da jeder eine gewisse Menge an Nahrung, Wohnung, Kleidung,... benötigt). Man sieht, dass sich das Kapital mit Anfangs 200 unter der Last der Fixkosten überhaupt nicht vermehren kann, da die Fixkosten den Gewinn durch das Wachstum vollständig auffressen. Zwangsweise öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich stärker und auch der relative Unterschied wächst. Mit anderen Worten, wer so schlecht verdient, dass er sich nichts erspart, kann vom Wirtschaftswachstum nicht profitieren und wer am stärksten profitiert sind jene welche am Meisten besitzen. Das System ist also nicht ganz fair, da es den Vermögenden per se stärker fördert.
Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass eine Wirtschaft viel erfolgreicher ist welche jedem die Möglichkeit gibt am Wachstum teilzuhaben und somit wieder der relative Unterschied gleich bleibt. Das Modell das ich mir als Lösung vorstellen könnte läuft auf eine Art Grundsicherung hinaus. Es könnte die gesamte Wirtschaft für die Fixkosten aller teilhabenden Personen aufkommen und die Last nicht mehr der einzelne selbst tragen. Das bedeutet, dass jeder pro Monat denselben Fixbetrag erhält, egal wieviel er oder sie verdient, vielleicht nur abhängig vom Alter und/oder Wohnsitz.
Nun kann man die Grundsicherung als eine Erweiterung des bereits etablierten progressiven Steuermodells sehen bei dem der Mensch zur Sicherung seiner Existenz zwar arbeiten muss jedoch außer der Arbeitsleitung selbst keinen zusätzlichen steuerlichen Beitrag zur Volkswirtschaft erbringt (und im Falle der Geringfügikeit auch wenig von ihr erwarten kann). Im Modell der Grundsicherung würde dem Menschen eine sichere, wenn auch sehr kleine, Existenz geboten und die Möglichkeit jede zusätzliche Anstrengung sofort zum eigenen (und durch die Steuer darauf zum gesamtwirtschaftlichen) Gewinn zu verwandeln. Man könnte aber auch die Grundsicherung mit einer Flat Tax kombinieren, so dass jeder auch denselben prozentuellen Teil dieses Gewinns wieder an die Volkswirtschaft abgibt. Damit wäre die Grundsicherung+Flat Tax wahrscheinlich für Reich und Arm gleichermaßen interessant und möglicherweise fairer als das bisherige progressive Steuermodell mit dem Freibetragsystem. Der administrative Aufwand könnte sich allerdings erhöhen, sollten verschiedene Kriterien in die Bewertung der Höhe der Grundsicherung fließen. Ein einheitlicher Fixbetrag würde sicherlich vieles vereinfachen, wäre aber ungerecht für Menschen die in Umgebungen mit hohen Lebenshaltungskosten leben und vielleicht die Stadtflucht und somit Zersiedelung verstärken.
Möglich wäre auch, dass die Grundsicherung durch den Verlust des Zwangs zur Arbeit Menschen zur Faulheit erzieht und dadurch zum Zusammenbruch des Systems führt. Allerdings ist die Grundsicherung nicht leistungsfeindlich, da sie eben jeder, ob er arbeitet oder nicht zusätzlich erhält und jede Arbeitsleistung darauf aufbauend Gewinn abwirft. Abgesehen davon, kann der Wegfall vom Zwang auch positive Effekte beinhalten wie zum Beispiel die Reduktion von Burn-Out und anderen Arbeitskrankheiten welche das medizinische System vorraussichtlich stärker und stärker belasten werden. Man müsste es ausprobieren um zu sehen wie es funktioniert.