ohne titel und nirgends eingereicht

Das erste das ich mache, ist dass ich mal dieses dämliche Pi ausschalte. Mich hat es schon immer gestört, Punkte statt Leerzeichen und ein Pi bei jedem Zeilenumbruch. Das sieht einfach nicht gemütlich aus, da kann man nicht schreiben. Geht nicht.

Schade, dass die Zigarette schon gar ist. Die ist sogar schneller abgebrannt als ich sie rauchen konnte. Eine von Papa's Selbstgemachten. Das heisst, eigentlich habe ich sie ja gemacht, weil er gerade nicht da ist. Aber die Zigaretten hat er da gelassen und ich hatte dieses Verlangen nach einer. Ohne Zigarette kann ich sowieso nicht schreiben. Das schaltet mir den Teil des Gehirns ab, der ständig aktiv ist und alles kaputtanalysiert, über alles nachdenkt, weil es alles verstehen will. Ein wirklich lästiges Gehirn. „Ich glaube wir sind einfach alle total überfordert“, habe ich einem Freund über Skype geschrieben.
Klingt richtig.
Es ist so.
Wenn du es sagst, Prost.
Prost
Richtig, ein Bier hab ich mir auch geholt. Weil ich all die Greenpeace T-Shirts gewaschen habe und über den Herrn Lehmann hinweg vergessen aus der Maschine zu nehmen. Aber jetzt hängen sie draussen – unterm Dach, weils regnet um zehn in der Nacht. Nun ja und wie ich die Bier, ähh die T-Shirts aus der Maschine nehme und wieder raufgehen will, also eigentlich, wie ich wieder runterkomme und das Wasser abdrehen will, da hab ich so die Lust auf ein Bier. Und oben hab ich mir dann eine Zigarette gestopft, mit dem Tabak der da lag am Tisch und den Feuerzeugen von denen keins ging, ausser das in der Lade. Mit dem hab ich sie mir angesteckt und einen Aschenbecher genommen, weil ich ja weiss wo alles ist, auch wenn ichs eigentlich nicht benutze, weil ich ja eigentlich auch nicht rauche, aber, wie gesagt, ohne Zigarette kein Text und das Bier gehört einfach dazu.

Das ist eigentlich das schöne am Schreiben, ich konzentrier mich auf mich selbst, bin der Mittelpunkt, alle Scheinwerfer sind auf mich gerichtet und es ist sonst niemand da.
Nachbessern, so wie jetzt, geht auch nüchtern, aber egal, ich schweife vor.
Also, ich bin zu zweit mit mir selbst und mehr würde die ganze Sache hier und jetzt total verderben. Ich brauch mich mir nicht vorstellen und mir auch nix erzählen von wegen wie toll und genial nicht alles ist. Klar, ich könnte mich selbst belügen, aber ich glaub das würde ich durchschauen. Solange die Zigarette meinem Hirn den Sauerstoff nimmt, schreibt sich das Ding eigentlich wie von selbst. Alles was ich tun muss ist ab und zu zum Bier zu greifen und mit den Fingern irgendwie über die Tastatur zu fahren, sodass das was ich gerade denke da auch am Bildschirm zu stehen kommt Punkt.
Der is gut!
Danke.

Ich glaub ich stopf mir noch eine.

Weisst du was?
Nein, sags mir.
Kommunismus funktioniert nicht!
Na toll, die Asche ist auf meiner Hose gelandet.
Kann eigentlich nicht funktionieren – nein – eigentlich nicht. Das ist alles eine aufgesetzte Gesellschaftsveränderungsgedankendenkmaschine, da muss man sich jeden Tag aufs Neue am Riemen reissen, weil man eigentlich total daneben steht und gar nicht ist was man sein will, oder soll, für die dies nicht wollen und trotzdem mitmachen, weil sie halt auch müssen. Das kann nicht funktionieren.
Nein, kann es nicht.
Das ist nicht gemütlich, geht also nicht.
Nein, definitiv nicht.
Schön wenn wir einer Meinung sind.

Ich steck mir lieber noch eine an.

Der Kapitalismus kanns aber auch nicht sein. Verstehst du, da gibt es die einen, die haben Geld und die kaufen sich Aktien, die sie dann wieder verkaufen, weil sie im Wert gestiegen sind, weil.. und jetzt kommts... andere dafür gearbeitet haben. Das ergibt doch keinen Sinn, da arbeiten die einen und die anderen haben das Geld aber keiner kommt ohne den anderen aus und niemand mag sich. Was ist da mit der Liebe?
Komm wieder runter! Was erzählst du da... Kapitalismus und Liebe, drehst du jetzt durch?
Überleg dirs halt, sagen wir ich habe das Geld und kauf ein Stück von dir, das du dann im Wert steigerst, sodass ich das an andere verkaufen kann die auch Geld haben und wer am besten steigert bekommt am Meisten Geld.
Ich bin schon wieder abgebrannt.
Siehst du!
Nein, Mann, die Zigarette ist aus.
Verdammt, rauch halt nicht so viel.
Dann kann ich nicht schreiben, weil du mich ständig mit deinem Scheiss vollquasselst. Kommunismus, Kapitalismus, wen interessierts? Du bist wohl in den 50ern hängen geblieben.
Quatsch, so alt bin ich noch gar nicht.
Dann tu nicht so als ob! Ist doch Schnee von gestern, die Stereotypen ziehen heute doch gar nicht mehr.
Ha! Tun sie doch.
Na und wenn schon. Wir sollen hier eine Kurzgeschichte schreiben und nicht diesen alten Mist aufwärmen. Dafür kann sich doch keiner mehr begeistern, das ödet doch jeden nur an, das haben wir doch alle schon zig mal durchgekaut, wiedergekäut und ausgeschieden. Diese Scheisse ist schon längst ausgestunken und verwandelt sich langsam in Erde. Ach scheiss drauf, ich werd schon wieder nüchtern. Kannst ja weiter labern, ich dreh mir noch eine.

Nimm den Igor zum Beispiel.
So ein verdammter Mist, jetzt sind mir die Hülsen runtergefallen. Was soll den mit dem Igor sein?
Na der ist ja jetzt bei uns, weil er in Russland nichts verdient hat und keine Perspektiven hatte. Und die Union war der Gegner der ganzen Welt, hat er gesagt und jetzt ist er bei uns und bekommt von uns Hilfe.
Kein Interesse die jetzt alle zu sortieren.
Das Leben ist überraschungsvoll hat er dazu gesagt.
Das kann man wohl sagen!
Wie man sieht taugen die alten Feindbilder nix mehr. Sogar die Amis machen jetzt das große Geschäft mit den Chinesen und die sind ja noch immer Kommunisten.
Geht das schon wieder los?
Tut mir leid, da frag ich mich einfach.
Kommt aber nix gscheits dabei raus.
Ja weil du auch nicht mitmachst.
Da hast dus, jetzt bist du der verdammte Kommunist.
Verdammt du hast recht, ich hab recht. Scheisse! Reden wir von ewas anderem.
Meine Rede!

Hey, die Sonne geht auf!
Na wenigstens die, Prost!
Prost