Talviuinti
(finn.: Winterschwimmen)



Winterschwimmen gilt in Deutschland eher als Extremsport. In anderen Ländern, wie Russland und Finnland, ist diese Art der winterlichen Abhärtung allerdings sehr weit verbreitet und wird dort sogar teilweise als Familienspass angesehen. In Finnland gibt es über 100.000 Winterschwimmer, die diesem Sport regelmässig in Vereinen nachgehen. Oft bestehen in diesen Vereinen wegen des grossen Interesses Wartelisten. Die Vereine bieten oft beheizte Umkleidekabinen sowie Möglichkeiten zum Saunieren und sorgen vor allem im Winter bei entsprechenden Temperaturen für eine eisfreie Fläche im See oder Meer.

finnische Wintersonne (mittags 12 Uhr)




Avantouinti
(finn.: Eislochschwimmen)


Wenn man noch nie echtes Winterschwimmen gemacht hat, dann stellt man es sich garantiert ganz anders (vor allem viel schlimmer) vor, als es das tatsächlich ist.
Was das Baden im kalten Wasser betrifft, so sind die persönlichen Empfindungen darüber wohl so unterschiedlich wie die Leute selbst. Eine grosse Rolle spielt sicher schon die Einstellung zu dem Ganzen. Sieht man Eisbaden als absoluten Extremsport für nahezu Verrückte an (wie dies hierzulande wohl relativ verbreitet ist), dann hat man kaum die notwendige innere Erwartungshaltung, um in irgendeiner Form richtigen Spass an einem Eisbad finden zu können. Wenn überhaupt, bleibt es dann bei einer "Mutprobe", einem einsekündigen Untertauchen und einem "Ich habs gemacht".

Steg zum Eisloch

Meine eigene Neugier wurde durch einen Fernseh-Beitrag über ein russisches Dorf geweckt, wo ganze Familien genüsslich im Eisloch ihre Runden schwammen und die Kinder mit sichtlicher Begeisterung immer wieder ins eiskalte Wasser stiegen. So aussergewöhnlich wild konnte es also nicht sein, wie es hierzulande immer dargestellt wird.
So wuchs die Neugier und mündete schliesslich in meiner ersten Reise nach Helsinki.

Eisfischer

Meine ersten echten Winterschwimm-Erfahrungen habe ich dort an einem stadtnahen Campingplatz gemacht, der eine gute Möglichkeit zum Winterschwimmen auch für Nichtmitglieder anbietet.

Winterlicher Badespass

Der erste Irrtum, dem man beim Gedanken an winterliches Schwimmen verfällt, ist der, dass es unheimlich kalt sein muss, wenn man nach dem Umkleiden in Badehose seine fünfzig bis einhundert Meter im Schnee bei Minustemperaturen zur Badestelle zurücklegt. Da man ja noch aufgewärmt ist, merkt man die Kälte als solche jedoch nicht wirklich. Der nette Herr, der die beiden Fotos unten von mir aufgenommen hat, kam auch gerade an, um zu baden. Ich hätte ihn nicht gebeten, diese Bilder zu machen, wenn ich es nicht auch mir als zumutbar empfunden hätte, dies, in Badehose, zu machen.

Winterlicher Badespass

Steigt man nun also ins Wasser, so setzt eine Art Nesseln an den Beinen ein. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen und trotzdem mit dem ganzen Körper eintauchen. Hierbei ziehen sich die Blutgefässe durch den entstehenden "Kälteschock" schlagartig zusammen, wodurch zum einen das besagte Nesseln nun auch am Oberkörper einsetzt. Ausserdem empfindet man direkt nach dem Untertauchen kurzzeitig (während etwa zwei, drei Atemzügen) eine Art Atemnot als Kälteeinwirkung auf den Brustbereich. Macht man nun nicht den Fehler, sofort wieder aus dem Wasser zu springen, so merkt man, dass nach etwa zehn bis fünfzehn Sekunden diese Einflüsse weichen und man sich vorkommt, als würde man bei ganz normalen Bade-Temperaturen im Baggersee schwimmen. Man merkt dann einige weitere zig Sekunden die Kälte überhaupt nicht. Irgendwann, bei Eiswasser nach insgesamt etwa einer Minute, wenn die Kälte tiefer in den Körper eindringt, setzt dann das Frieren ein und man sollte nun auch das Wasser verlassen.
Auch hier passiert wieder was eher unerwartetes: man empfindet es trotz der niedrigen Lufttemperaturen z.T. einige Grad unter dem Gefrierpunkt und dem nassen Körper nicht als wirklich unangenehm kalt. Ich jedenfalls hatte bis auf eine bestimmte Ausnahme nie das Bedürfnis, möglichst schnell in die warme Kabine zu kommen sondern bin immer ganz normal gegangen. Nur einmal habe ich auf dem Rückweg vom Wasser den Laufschritt eingelegt. An diesem Tag war Sturm mit (nach Angaben der Wettervorhersagen) Windstärke 5-6 und entsprechend stärkeren Böen bei Temperaturen von +2 bis +3 Grad. Da der Wind beim Aus-dem-Wasser-steigen von hinten kam, nesselte es bereits auf der Leiter schon ganz kräftig auf dem ganzen Rücken und wurde mit jeder Sekunde stärker (und ich schneller).
Befindet man sich nach dem Baden wieder in beheizten Räumlichkeiten (oder ist wieder der Jahreszeit gemäss dick angezogen), so wärmt sich die ausgekühlte Hautoberfläche auf und man hat auf der gesamten Haut das Gefühl, als würde diese über eine eingebaute Heizung regelrecht glühen. Dies tritt umso stärker auf, je länger man vorher im Wasser war und ist sehr angenehm.


Ausrüstung

Die "Ausrüstung" zum Winterbaden ist eigentlich die gleiche wie die zum "Sommerbaden": eine Badehose.
Allerdings kann man das ganze durch weitere kleine Ausrüstungsgegenstände angenehmer machen. Nein, einen Neopren-Ganzkörper-Anzug meine ich damit natürlich nicht.

Da über den Kopf bis zu 30% der Wärme entweicht, wird oft empfohlen, beim Winterschwimmen eine Mütze anzuziehen. Ich selbst bade lieber ohne.

Sehr zu empfehlen ist aber, wie ich finde, sich Neopren-Schuhe zu besorgen. Sie kosten nicht viel mehr als normale Badelatschen und halten vor allem die Zehen und die Fussohle warm.
Nachdem ich bei meinem allerersten Winterschwimm-Erlebnis bei gefrorenem Boden, ganz ohne Schuhe, eine ganze Zeit lang brauchte, bis die äusseren beiden Zehen an jedem Fuss wieder auf Temperatur waren, habe ich mir für den darauffolgenden Badegang solche Neoprenschuhe besorgt. Die Füsse bleiben die ganze Zeit über warm, nicht nur auf dem Weg durch den Schnee, sondern auch im Wasser. Ein absolut empfehlenswerter Ausrüstungsgegenstand.