Ich habe mich nie für einen „militanten Analogen“ gehalten. Der scheinbar ewige Kampf Analog versus Digital war mir immer zuwider. Aber ich war doch lange überzeugt, dass die Arbeit mit analogen Kameras und Film, Vergrößerern und Fotochemie die besseren Ergebnisse liefert oder – wenn nicht das – dann zumindest die ehrlichere Art der Fotografie ist. Heute halte ich das für Unsinn.
Vielleicht hängt mein Sinneswandel mit veränderten Grundbedingungen zusammen: Die digitale Technik hat sich weiterentwickelt, auf der Ebene der Sensoren ebenso wie auf dem Gebiet der Software. Und mit Digitalkameras wie etwa der Fuji X10/X20 oder der X100 gibt es inzwischen auch erschwingliche Angebote für Fotografen, die auch wegen des Gefühls beim Fotografieren das Analoge lieben. Dieses Gefühl hängt für mich ganz wesentlich von der Handhabung, der Haptik und der Optik der Kamera ab.
Neben den technischen Veränderungen spielt sicher Persönliches eine mindestens genauso gewichtige Rolle. Ich will mich zurzeit aus verschiedenen Gründen nicht stundenlang in der Dunkelkammer einsperren. Deshalb habe ich in der letzten Zeit hauptsächlich auf Film fotografiert, anschließend die Negative mit einem Flachbettscanner mit Durchlichteinheit gescannt, um sie dann in Photoshop oder Lightroom final zu bearbeiten. Dazu muss ich auch sagen, dass ich nur selten wirklich Abzüge meiner Bilder brauche. Ich zeige meine Bilder fast ausschließlich im Internet. So schön ich meine analogen Abzüge finde, ein Großteil von Ihnen liegt verräumt in einer Kiste.
Ich liebe es, mit einer Mittelformatkamera und Lichtschachtsucher zu fotografieren. Und ich mag auch meine Minolta XD7 und andere Kleinbildkameras sehr. Staub auf den Negativen oder der Glasplatte im Scanner treibt mich aber besonders bei Kleinbildnegativen regelmäßig in den Wahnsinn. Im Mittelformat lässt er sich sehr gut wegstempeln; das ist zwar aufwändig, aber ich bin bereit es als Arbeitsschritt zu akzeptieren. Im Kleinbild können aber Staub, kleine Härchen und was sich sonst so zwischen Glas und Negativ sammelt, auch wenn man vor dem Scanvorgang versucht alles zu reinigen, das gescannte Bild schnell unbrauchbar machen. Und ich muss zugeben: Das Entwickeln eines Films zählt auch nicht zu meinem Lieblingsteil bei der Entstehung eines Bildes – Schwarzweißfilme weggeben möchte ich aber auch nicht.
Ich spiele deshalb mit dem Gedanken, weitgehen auf das analoge Kleinbildformat zu verzichten und mir für Situationen, in denen ich früher „nur“ meine Minolta oder eine Olympus XA dabei hatte, eine Fuji X10 oder X20 anzuschaffen. Ich glaube damit für meine Art der Fotografie und meinen Workflow eine sehr gute Alternative gefunden zu haben, die auch in einem preislichen Rahmen liegt, den ich zur Zeit bereit bin, zu bezahlen. Es wäre übrigens nicht meine erste und einzige Digitalkamera, aber die erste, die ich als weitgehenden Ersatz für eine analoge Kamera sehe.
Ich hoffe, dass meine Sorgfalt bei der Aufnahme nicht unter der neuen Kamera leiden wird. Denn was Alexander beobachtet hat und in seinem Text „digital - analogue (no. 67858)“ festhält, habe auch ich festgestellt: Mit einer Digitalkamera in der Hand, bin ich schneller bereit, auch mal ein nicht perfektes Foto zu machen, weil es sich später in Lightroom schon richten lassen wird. Vielleicht hilft es aber, sich das beim Fotografieren immer wieder ins Bewusstsein zu rufen.