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| Heute vor fünf Jahren.... |
Der Wetterbericht meldet ausgiebigen Starkregen... was man sich darunter vorzustellen hat, merke ich schon auf meiner Fahrt aus dem Erzgebirgs-Vorland nach Dresden: Der Scheibenwischer läuft auf Hochtouren, und an einigen Stellen ist die Straße schon überspült.
Es ist Montag und mein Chef im Urlaub – das heißt Großeinkauf in der Metro für die BrennNessel, in der ich arbeite. Ich lade also das Auto noch mal mit Waren für mehrere hundert Euro voll, nicht ahnend, dass wir zwei Wochen später dieses und noch mehr in einem unsäglichen Zustand aus unbeschreiblich zugerichteten Räumen entsorgen müssen.....!
Ab 13 Uhr wird der Gaststättenbetrieb immer wieder durch eindringendes Wasser aus dem Küchenabfluss gestört, statt zu kochen beschäftigt sich der Koch mit Wundern und Schadensbegrenzung! Der Himmel senkt sein graues Dach immer tiefer über uns und es regnet weiterhin in Strömen.
Am Nachmittag dringt plötzlich Wasser unter dem Tresen hervor! Warum? Woher? Was tun???
Alle verfügbaren Leute werden zum Wischlappen schwingen verdonnert und ich schließe die Gaststätte. Wir müssen das Parkett retten!
Ein Bekannter ergattert im nächsten Baumarkt eine der letzten käuflich zu erwerbenden elektrischen Pumpen in diesen Tagen und versucht, den inzwischen sich mit Wasser füllenden Keller leer zu bekommen – ein relativ hoffnungsloses Unterfangen mit so einer kleinen Pumpe!
Am frühen Abend scheint es aber zumindest im Gastraum geschafft zu sein: Die Wasserlachen sind beseitigt und ringsum macht sich Erleichterung, aber auch Erschöpfung breit. Es hat aufgehört zu regnen, der Spuk ist vorüber! Also: Feierabend für alle! Der Koch bietet sich freiwillig als Wache an und will in der Gaststätte übernachten. Ich fahre zu meinem Freund nach Dresden-Löbtau und gehe ins Bett und schlafe........bis gegen 1 Uhr mein Handy klingelt! Der Koch: „Hier läuft überall das Wasser rein....!“ Ich springe auf und fahre hin, werde aber ein ganzes Stück vor der Kneipe unfreiwillig gestoppt: Der Platz ist komplett überflutet! Nach einem weiteren Anruf („Fahr zurück, hier ist alles zu spät!“) komme ich mit Ach und Krach wieder nach Löbtau. Dieser Stadtteil ist am nächsten Morgen quasi von der Außenwelt abgeschnitten: Die Weißeritz konnte die Wassermassen aus dem Gebirge und der Talsperre Malter nicht mehr fassen, sprang über die Ufer und suchte sich ihr altes Flussbett - genau die Hauptzufahrtsstraße zum Stadtzentrum und zum Hauptbahnhof!
Nach einer durchwachten Nacht voller Angst stehe ich am Morgen des 13. August an der Brücke über die Weißeritz, die Straße ein reißender Fluss, jede Menge fotografierende Menschen. Ich bin entsetzt und fassungslos und unfähig irgendein Foto zu machen - das mache ich dann erst später.
Zwei Wochen steht die „brennNessel“ unter Wasser – nach der Weißeritz kommt auch noch die Elbe und lässt den Pegel noch ein wenig höher steigen. Danach empfängt uns eine Wüste aus Schlamm, Schmutz und Gestank! Dank vieler fleißiger Helfer schaffen wir das in diesen Tagen scheinbar Unmögliche: Die „brennNessel“ kann schon im Oktober wieder öffnen – wenn auch nur in provisorischen Räumen gegenüber der Gaststätte. Ein Jahr später ziehen wir dann wieder in die alten Räume, die jetzt schöner als vorher sind! translate into English
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marisa_s says:
Als ich den Titel gelesen habe, dachte ich: Ist das wirklich schon 5 Jahre her. Ich kann mich noch so gut erinnern, wie wir paralyliert vor dem Fernseher sassen und einfach nicht fassen konnten, was da passiert.
Es ist gerade jetzt wieder so aktuell, nachdem wir letzte Woche der Überflutung so knapp entgangen sind.
Curlgirl replies:
Paŭl Peeraertspro says:
Curlgirl replies:
CandreK says:
Danke für Deinen Hintergrundberich, ihr habt ja wahnsinniges geleistet.
Curlgirl replies:
Siebbipro says:
Pandarinepro says:
Ich habe zwar auch schon wettermaessig so einige Katastrophen mitgemacht, aber bei mir kommt dann automatisch bei dem Datum 13. August noch ein anderes Bild hinzu, was viel tiefer eingebrannt ist ...
Curlgirl replies:
Pandarinepro replies:
Ueberschwemmungen hatten wir regelmaessig jedes Fruehjahr in unserem Sommerhaus - aber da waren wir drauf vorbereitet, das hat mir in dem Alter sogar Spass gemacht, mit dem Paddelboot im Wohnzimmer 'rum zu fahren!
Rein wettermaessig meine schlimmste Erfahrung war Hurrikan Charley, der genau ueber unser Haus zog. Und dreimal darfst du raten, an welchem Tag das war, wo ich dachte, mein letztes Stuendlein hat geschlagen. Richtig: 13. August (vor 3 Jahren)!
Trotzdem, meine automatisch erste Assoziation mit dem 13. August ist IMMER Berlin. Muss wohl am Alter liegen, in dem man sowas miterlebt.
mesipluspro says:
Wir hatten hier in im westsächsischen Ruppertsgrün den ersten Hochwasseralarm. Der Chef gab uns am 13. erst mal frei wegen des anhaltenden Regens. Ich fuhr in Richtung Aue um jemanden im Krankenhaus zu besuchen kam aber nur bis Schneeberg. Da war schon alles zu spät. Die nächsten Tage haben wir Sandsäcke im städtischen Bauhof in Zwickau gefüllt. An reguläres Arbeiten war nicht zu denken, weil wir eh auf keine Baustelle mehr kamen. Wir hatten in Zwickau riesiges Glück, dass der Muldendamm hielt. Bis zur Krone waren nur noch wenige Zentimeter Luft. 1954 ging es nicht so glimpflich ab.
Konrad Meißner says:
Ulrich says:
GinArt says:
FFgoatee says:
stip says:
Schneller2000 says:
Als ich die Wohnung wieder betrat musste ich für die Versicherung viele Bilder machen. Herausgekommen sind weit über 150 Bilder die alles genau dokumentieren. Wenn ich diese Bilder heute noch sehe steigt mir der Geruch in die Nase. Und ich muss mit einem weinenden und einem lachenden Auge daran denken. Denn ich habe da was sehr seltenes Erlebt. Alle Menschen waren hilfsbereit. Jeder hat angepackt in dieser doch schweren Stunde. Und das empfand ich doch als schön.
Danke das du noch mal an diese Zeit erinnert hast.
Grüße aus dem fernen Wiesbaden
Curlgirl replies:
The Guennipro says:
Aber auch das ist für die von dieser Flutkatastrophe Betroffenen kein Trost.
Curlgirl replies:
moritz™ says:
Was ich immer nicht verstanden habe ist, wie überhaupt es zugelassen werden konnte, in einem *Flussbett* zu bauen. Selbst wenn der Fluss in andere Bahnen gezwängt wurde, ist das doch unglaublich! Ist der Platz dort so kostbar, dass man auch in solchen Gebieten bauen muss?
pehei says:
deja says:
bunthundpro says:
Camille Claudel says:
Wenn man so etwas miterlebt, kann man viel besser nachfühlen, wie sich die Anwohner ängstigen.
Als Kind war ich mal in Millstatt nach einem schlimmen Unwetter. Ein Bach war zu einem reißenden Strom geworden und von manchen Häusern in einer Straße standen nur noch drei Wände, Bilder hingen noch da, ein Stuhl stand noch da usw. Unvergesslich.
Curlgirl replies:
Camille Claudel replies:
Rappelsnutpro says:
Ich habe unweit der BrennNessel mit dem Schlamm gekämpft - am Großen Haus. Wir haben schon begonnen sauber zu machen, da kam dann die Elbe...
Kurz nach dem Hochwasser habe ich mir dann die erste DigiKnipse geholt ;)
Curlgirl replies:
Camille Claudel says:
Curlgirl replies:
Wo die brennNessel ist? Klick auf das Foto, das ist geogetaggt.
In Dresden in der Schützengasse zwischen Zwinger und Bahnhof Mitte.
Camille Claudel replies:
Ich war vor zwei Jahren kurz nach der Einweihung der Frauenkirche erstmals in Dresden. Dann letztes Jahr im August von Wehlen aus, im September von unserer Ferienwohnung in Radebeul aus (auch 10 Tage) und im November einen Tag.
lunaryunapro says:
Peter Kapro says:
Curlgirl replies:
Camille Claudel says:
MadMa says:
Besonders intensiv erinnere ich mich auch noch daran, wieviel Kraft mir der Wiederaufbaugeist, der sich danach breit gemacht hat, gegeben hat. Mir selbst ging es zu der Zeit nicht so gut und ich dachte mir, wenn die Menschen in Dresden, Grimma und wo noch überall alles verlieren und kämpfen um alles wieder neu aufzubauen - dann wirst Du auch kämpfen, denn Dein Schicksal ist nicht annähernd so dramatisch.
Camille Claudel replies:
Tante Käthepro says:
Jemand wie ich, der sowas noch nicht miterlebt hat, kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie hoch das Wasser kommen konnte: wir waren 2005 in Sachsen und haben überall die Markierungen gesehen; hoch über uns im Bereich der ersten Etagen an den Hauswänden....
Camille Claudel says:
Es geht um Forschungen an der sächsischen Uni zum Thema "Hydro science and engineering". Wie sind Wasserresourcen rund um den Erdball zu schützen, welche Konzepte gibt es für die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung? Lehrmodul ist: "Floodmaster - Integriertes Risiokomanagemnet für extreme Ereignisse". Wie entsteht Regen, welche Schäden richtet er an? Heute weiß man, dass es mit einer höheren Mauer oder einem stärkeren Deich nicht getan ist. Aber was sonst? Das bleibt immer noch die Frage.
So, das war die Quintessenz des Artikels.
Rasch2000pro says:
winter*kindpro says:
danach musste ich meine schwägerin in der innenstadt auflesen (manche leute sind überfordert, wenn sie mit der bahn fahren sollen)... aber wir sind nur per stop and go durch die stadt gekommen. mit einem amphibienfahrzeug oder nem kleinen schwimmpanzer wäre ich damals schneller gewesen. es schüttete und die gullies schafften lange nicht mehr, was wasser verschwinden zu lassen, an vielen stellen sprudelte es wieder raus.
die 25-minuten-tour kostete mich 2 stunden... ständig heulten sirenen, weil in der ganzen stadt allein vom regen keller abgesoffen sind und die eisenbahnunterführung hier gleich nebenan war richtiggehend geflutet... man musste riesige umwege fahren.
wir haben aber keinen fluß in der stadt, der irgendwie gefährlich werden konnte und so war der spuk hier schon 1-2 tage später wieder vorbei ohne sonderlich nennenwerte schäden.
Pandarinepro says:
tuvalupro says: