Curlgirl Published on August 12, 2007
by Curlgirl

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Heute vor fünf Jahren...

Sunday August 12, 2007 at 10:56AM

Heute vor fünf Jahren....
Heute vor fünf Jahren....
...begann die Flutkatastrophe in Sachsen! Hier meine Erinnerungen an diesen Tag:

Der Wetterbericht meldet ausgiebigen Starkregen... was man sich darunter vorzustellen hat, merke ich schon auf meiner Fahrt aus dem Erzgebirgs-Vorland nach Dresden: Der Scheibenwischer läuft auf Hochtouren, und an einigen Stellen ist die Straße schon überspült.
Es ist Montag und mein Chef im Urlaub – das heißt Großeinkauf in der Metro für die BrennNessel, in der ich arbeite. Ich lade also das Auto noch mal mit Waren für mehrere hundert Euro voll, nicht ahnend, dass wir zwei Wochen später dieses und noch mehr in einem unsäglichen Zustand aus unbeschreiblich zugerichteten Räumen entsorgen müssen.....!
Ab 13 Uhr wird der Gaststättenbetrieb immer wieder durch eindringendes Wasser aus dem Küchenabfluss gestört, statt zu kochen beschäftigt sich der Koch mit Wundern und Schadensbegrenzung! Der Himmel senkt sein graues Dach immer tiefer über uns und es regnet weiterhin in Strömen.
Am Nachmittag dringt plötzlich Wasser unter dem Tresen hervor! Warum? Woher? Was tun???
Alle verfügbaren Leute werden zum Wischlappen schwingen verdonnert und ich schließe die Gaststätte. Wir müssen das Parkett retten!
Ein Bekannter ergattert im nächsten Baumarkt eine der letzten käuflich zu erwerbenden elektrischen Pumpen in diesen Tagen und versucht, den inzwischen sich mit Wasser füllenden Keller leer zu bekommen – ein relativ hoffnungsloses Unterfangen mit so einer kleinen Pumpe!
Am frühen Abend scheint es aber zumindest im Gastraum geschafft zu sein: Die Wasserlachen sind beseitigt und ringsum macht sich Erleichterung, aber auch Erschöpfung breit. Es hat aufgehört zu regnen, der Spuk ist vorüber! Also: Feierabend für alle! Der Koch bietet sich freiwillig als Wache an und will in der Gaststätte übernachten. Ich fahre zu meinem Freund nach Dresden-Löbtau und gehe ins Bett und schlafe........bis gegen 1 Uhr mein Handy klingelt! Der Koch: „Hier läuft überall das Wasser rein....!“ Ich springe auf und fahre hin, werde aber ein ganzes Stück vor der Kneipe unfreiwillig gestoppt: Der Platz ist komplett überflutet! Nach einem weiteren Anruf („Fahr zurück, hier ist alles zu spät!“) komme ich mit Ach und Krach wieder nach Löbtau. Dieser Stadtteil ist am nächsten Morgen quasi von der Außenwelt abgeschnitten: Die Weißeritz konnte die Wassermassen aus dem Gebirge und der Talsperre Malter nicht mehr fassen, sprang über die Ufer und suchte sich ihr altes Flussbett - genau die Hauptzufahrtsstraße zum Stadtzentrum und zum Hauptbahnhof!
Nach einer durchwachten Nacht voller Angst stehe ich am Morgen des 13. August an der Brücke über die Weißeritz, die Straße ein reißender Fluss, jede Menge fotografierende Menschen. Ich bin entsetzt und fassungslos und unfähig irgendein Foto zu machen - das mache ich dann erst später.
Zwei Wochen steht die „brennNessel“ unter Wasser – nach der Weißeritz kommt auch noch die Elbe und lässt den Pegel noch ein wenig höher steigen. Danach empfängt uns eine Wüste aus Schlamm, Schmutz und Gestank! Dank vieler fleißiger Helfer schaffen wir das in diesen Tagen scheinbar Unmögliche: Die „brennNessel“ kann schon im Oktober wieder öffnen – wenn auch nur in provisorischen Räumen gegenüber der Gaststätte. Ein Jahr später ziehen wir dann wieder in die alten Räume, die jetzt schöner als vorher sind!

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44 Comments / add your comment?

marisa_s says:
während ich das lese, bekomme ich am ganzen Körper eine Gänsehaut und Tränen in den Augen. Das ist wirklich ein eindrücklicher Beschrieb!

Als ich den Titel gelesen habe, dachte ich: Ist das wirklich schon 5 Jahre her. Ich kann mich noch so gut erinnern, wie wir paralyliert vor dem Fernseher sassen und einfach nicht fassen konnten, was da passiert.
Es ist gerade jetzt wieder so aktuell, nachdem wir letzte Woche der Überflutung so knapp entgangen sind.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Curlgirl replies:
Oh, das ist gut dass ihr sozusagen Glück hattet - in der Zeitung standen immer Horror-Meldungen aus der Schweiz, bei denen man sich an die Zeit hier erinnern musste!
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Paŭl Peeraertspro says:
Ich wusste natürlich "theoretisch" was da passiert war, aus Fernsehen und Zeitschriften, aber wenn ich deinen Beitrag lese, wird es noch mal klar, dass es nicht nur Fernsehen war, sondern schreckliche Realität. Danke schön für den Beitrag! Wenn wir mal nach Dresden fahren, dann kommen wir bestimmt mal gucken was für Leckeres es in der BrennNessel gibt!
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Curlgirl replies:
Da würde ich mich sehr freuen! Aber vorher Bescheid sagen, damit ich dann auch da bin!
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CandreK says:
Ich sehe auch noch die Fernsehbilder vor mir und jetzt wieder die Bilder der letzten Tage mit den Überschwemmungen.

Danke für Deinen Hintergrundberich, ihr habt ja wahnsinniges geleistet.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Curlgirl replies:
Das kann man so sagen - es war eine verdammt anstrengende Zeit, die man weder vergisst und auch nicht noch mal erleben will!
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Siebbipro says:
Meine Güte, schon fünf Jahre... Danke für diesen Bericht. Einige meiner Kollegen sind damals (sofern bei uns entbehrlich und auf von der Firma gewährte Sonderfreistellung) von Kiel extra in die Gegend um Bitterfeld gefahren um dort irgendwie helfen zu können.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Pandarinepro says:
Da bekommt man wirklich sofort Gaensehaut.

Ich habe zwar auch schon wettermaessig so einige Katastrophen mitgemacht, aber bei mir kommt dann automatisch bei dem Datum 13. August noch ein anderes Bild hinzu, was viel tiefer eingebrannt ist ...
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Curlgirl replies:
Ok, das hatte noch weit grössere Auswirkungen, da hast du recht....
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Pandarinepro replies:
Das Bild sitzt bei mir so tief, weil ich damals da in der Menge stand und zugesehen habe, wie es anfing.

Ueberschwemmungen hatten wir regelmaessig jedes Fruehjahr in unserem Sommerhaus - aber da waren wir drauf vorbereitet, das hat mir in dem Alter sogar Spass gemacht, mit dem Paddelboot im Wohnzimmer 'rum zu fahren!

Rein wettermaessig meine schlimmste Erfahrung war Hurrikan Charley, der genau ueber unser Haus zog. Und dreimal darfst du raten, an welchem Tag das war, wo ich dachte, mein letztes Stuendlein hat geschlagen. Richtig: 13. August (vor 3 Jahren)!

Trotzdem, meine automatisch erste Assoziation mit dem 13. August ist IMMER Berlin. Muss wohl am Alter liegen, in dem man sowas miterlebt.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
mesipluspro says:
DD und Umgebung hatte es sehr hart getroffen.
Wir hatten hier in im westsächsischen Ruppertsgrün den ersten Hochwasseralarm. Der Chef gab uns am 13. erst mal frei wegen des anhaltenden Regens. Ich fuhr in Richtung Aue um jemanden im Krankenhaus zu besuchen kam aber nur bis Schneeberg. Da war schon alles zu spät. Die nächsten Tage haben wir Sandsäcke im städtischen Bauhof in Zwickau gefüllt. An reguläres Arbeiten war nicht zu denken, weil wir eh auf keine Baustelle mehr kamen. Wir hatten in Zwickau riesiges Glück, dass der Muldendamm hielt. Bis zur Krone waren nur noch wenige Zentimeter Luft. 1954 ging es nicht so glimpflich ab.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Konrad Meißner says:
Ich kann mich auch noch gut an diese Zeit erinnern ich hatte gerade meine Lehre begonnen und schon nach 3 Wochen musste wir unsere Lehrwerkstatt und unseren Betrieb vor denn Wassermassen schützen so haben wir 1000 Sandsäcke befüllt einen Damm gebaut (der heute noch steht) und denn Betrieb etwas verteidigt bis die Bundeswehr und die Polnischen Feuerwehren mit ihren rießen Pumpen kammen und unseren Betrieb vor größerem Schaden bewahrt haben
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Ulrich says:
Eine beklemmende, gute Beschreibung. Es muß ein entsetzliches Gefühl gewesen sein, an der Brücke auf die Überschwemmung zu blicken.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
GinArt says:
Ich war von dem Text gefesselt. Erst solche Geschichten geben dem Wort "Jahrhundertflut" Seele. Selbst als ich gestern nach Jahren wieder durch das alte Dresden gelaufen bin konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich noch vor 5 Jahren tief im Wasser gesteckt hätte.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
FFgoatee says:
ich habe selbst im jahre 99 es erlbet, wie wieviel schlamm un dreck nach einer überschwemmung bleibt!.. es war gott sei dank nicht meine wohnung gewesen, sondern fabrikräume... die kraft der naturelemnten wird zu oft unterschätzt... es wird einem erst bewusst, als man es selbst erlebt !..
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
stip says:
schön, dass du es aufgeschrieben hast und somit vor dem vergessen bewahrt!
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Schneller2000 says:
Ich kann mich auch noch gut daran erinnern. Durch meine UrOma war ich auch indirekt betroffen. Sie wohnte direkt an der Elbe in unmittelbarer Nähe des Schloss Pillnitz. Wir mussten sie Mittwoch abends gegen 8 "evakuieren". Ich verließ als letzter kurz nach Mitternacht das Haus. Da war es bereits vom Wasser eingeschlossen. Als ich ca. eine Woche später wieder ins Haus kam, war nix mehr so wies war. Es war meine erste Erfahrung mit richtigem Hochwasser (ich habe früher als Kind immer bei Hochwasser an der Elbe gespielt). Meine Oma verlor alles. Sie sagte einen Satz der mir heute mehr den je im Kopf herumtreibt: "nach 50 Jahren stehe ich mit 3 Koffern da, das ist das zweite mal das ich vertrieben wurde". Sie zog weg aus Dresden und wohnt nun in Niedersachsen. Eine Existenz konnte und wollte sie sich nicht mehr aufbauen.
Als ich die Wohnung wieder betrat musste ich für die Versicherung viele Bilder machen. Herausgekommen sind weit über 150 Bilder die alles genau dokumentieren. Wenn ich diese Bilder heute noch sehe steigt mir der Geruch in die Nase. Und ich muss mit einem weinenden und einem lachenden Auge daran denken. Denn ich habe da was sehr seltenes Erlebt. Alle Menschen waren hilfsbereit. Jeder hat angepackt in dieser doch schweren Stunde. Und das empfand ich doch als schön.
Danke das du noch mal an diese Zeit erinnert hast.
Grüße aus dem fernen Wiesbaden
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Curlgirl replies:
Das ist auch beklemmend für mich wenn ich das so lese.....für so einen alten Menschen muss das noch schlimmer sein als für uns doch noch relativ Junge.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
The Guennipro says:
Eigentlich leben wir in Deutschland in einer sehr verwöhnten Ecke der Welt. Wenn uns dann aber so eine Katastrophe ereilt, dann trifft sie uns umso mehr. Deine Beschreibung macht das Erlebnis sehr anschaulich. Wenn man dann aber an andere Länder denkt, wo solche Ereignisse an der Tagesordnung sind und die Schadensbeseitigung nicht so geleistet werden kann, wie bei uns, dann wird einem klar, wieviel diese Menschen erleiden müssen.
Aber auch das ist für die von dieser Flutkatastrophe Betroffenen kein Trost.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Curlgirl replies:
Auch wenn das für die unmittelbar Betroffenen kein Trost ist hast du natürlich recht - im großen Maßstab gesehen ist das was hier passiert ist kein Vergleich mit Naturkatastrophen in anderen Gegenden der Welt. Auch weil dort lange nicht so viel Geld vorhanden ist. Das sollte man sich öfter mal vor Augen halten wenn hier allzu sehr gejammert wird.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
moritz™ says:
BrennNessel werd ich mir mal merken - und Dresden steht bei mir ganz oben auf der Liste :-)

Was ich immer nicht verstanden habe ist, wie überhaupt es zugelassen werden konnte, in einem *Flussbett* zu bauen. Selbst wenn der Fluss in andere Bahnen gezwängt wurde, ist das doch unglaublich! Ist der Platz dort so kostbar, dass man auch in solchen Gebieten bauen muss?
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
pehei says:
Toi toi toi, ich wundere mich immer wieder, was wir hier immer für ein Glück haben, wenn anderswo die Welt fast untergeht. Sehr eindrucksvoller Bericht.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
deja says:
Wow, beeindruckend beschrieben, und schon wieder 5 Jahre her... hoffentlich hat sich in der Zwischenzeit wenigstens was getan, damit es nicht wieder passiert. Und hoffentlich sind langfristige Lösungen angegangen worden...
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
bunthundpro says:
5 jahre... whoa! und ich sass damals mit krücken vorm flut guckend vorm fernseh, mit dem innigen wunsch trotz gipsfuss sandsäcke zu schleppen, während meinen freunden in sachsen die kunstsammlung aus dem keller gespült wurde. in meinen heimtland (schweiz) wirds grade wieder besser was die letzten überflutungen angeht...
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Camille Claudel says:
Der Bericht interessierte mich aus folgendem Grund besonders: Ich war im letzten Jahr von 3. August an 10 Tage in der Stadt Wehlen, und ich erlebte mit, wie schnell innerhalb von 2 1/2 Tagen Dauerregen die Elbe anstieg. Ich war sehr erchüttert. Die meisten aus unserer Gruppe meinten, abreisen zu müssen. Der Parkplatz war überschwemmt, die Uferpromenaden und die Schiffsanlegestelle.
Wenn man so etwas miterlebt, kann man viel besser nachfühlen, wie sich die Anwohner ängstigen.
Als Kind war ich mal in Millstatt nach einem schlimmen Unwetter. Ein Bach war zu einem reißenden Strom geworden und von manchen Häusern in einer Straße standen nur noch drei Wände, Bilder hingen noch da, ein Stuhl stand noch da usw. Unvergesslich.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Curlgirl replies:
Seit dem Jahr 2005 sind auch alle noch ängstlicher und auch nervöser wenn das Wasser steigt. Kann man auch verstehen wenn man das alles mitgemacht hat. In Wehlen und überhaupt in der Sächsischen Schweiz war es auch ganz schlimm.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Camille Claudel replies:
Ich erinnere mich gut an die Wassermarken in der Stadt Wehlen. Diese waren dann in Rathen noch höher.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Rappelsnutpro says:
tatsächlich ist das schon wieder 5 Jahre her...
Ich habe unweit der BrennNessel mit dem Schlamm gekämpft - am Großen Haus. Wir haben schon begonnen sauber zu machen, da kam dann die Elbe...

Kurz nach dem Hochwasser habe ich mir dann die erste DigiKnipse geholt ;)
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Curlgirl replies:
Das ging uns auch so - wir haben knietief im Wasser schon die Stühle mit dem Kärcher abgespritzt - und zwei Tage später stand das Wasser noch höher als vorher!
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Camille Claudel says:
Wo ist eigentlich die BrennNessel? Für den nächsten Besuch, ich komme gern mal wieder in Eure schöne Gegend.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Curlgirl replies:
Das würde mich freuen!
Wo die brennNessel ist? Klick auf das Foto, das ist geogetaggt.
In Dresden in der Schützengasse zwischen Zwinger und Bahnhof Mitte.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Camille Claudel replies:
Danke!
Ich war vor zwei Jahren kurz nach der Einweihung der Frauenkirche erstmals in Dresden. Dann letztes Jahr im August von Wehlen aus, im September von unserer Ferienwohnung in Radebeul aus (auch 10 Tage) und im November einen Tag.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
lunaryunapro says:
Das war eine wahrlich schlimme Zeit, steht mir auch noch wie gestern vor dem geistigen Auge! Schön, dass Du auf diese Weise daran erinnerst, denn es darf wirklich nicht in Vergessenheit geraten!
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Peter Kapro says:
Auch bei mir kommen da Erinnerungen hoch. Wir sind an dem Tag, als der große Regen begann, nach Österreich in den Urlaub gefahren. Als wir durch Bayern kamen, war da auch schon in vielen Gegenden Hochwasseralarm, auch in einigen österreichischen Bundesländern war Land unter. Im dem Tal, in dem wir waren, bekam man von alldem aber nicht so viel mit. Wir überlegten aber schon, an einen anderen Ort in Österreich zu fahren, um dort zu helfen. Die Lage entspannte sich dann dort aber wieder, obwohl es auch sehr, sehr schlimm war. Es war dann, glaube ich, am 15. August, als wir wieder die Süddeutsche Zeitung oder die FAZ kauften. Die Fotos auf der Titelseite werde ich nie vergessen: Der Dresdner Hauptbahnhof von Wasser umgeben, und, für uns persönlich schlimmer, die Frauenkirche in Grimma, ebenfalls von Wasser umgeben. In einem Haus neben der Frauenkirche wohnten damals, im ersten Stock, die Eltern meiner Frau. Man konnte auf dem Foto das Haus im Wasser stehen sehen. Wir waren ziemlich geschockt und haben gleich versucht, Kontakt herzustellen, was aber nicht gelang. Auch die Verwandten zu Hause konnten die Eltern zunächst nicht erreichen. Glücklicherweise hatten diese in der zweiten Etage Zuflucht gefunden, konnten sich aber nicht gleich melden, da die Telefone nicht mehr funktionierten. Wir haben dann den Urlaub abgebrochen und sind zu Ihnen gefahren, haben den Rest des Urlaubs mit Aufräumarbeiten in Grimma verbracht. Die Eltern meiner Frau wohnten dann einige Monate in der Gartenlaube, so lange dauerte es, bis die Wände wenigstens halbwegs trocken waren.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Curlgirl replies:
Das stelle ich mir auch schlimm vor - in der Fremde in der Zeitung so ein Bild zu sehen! Kann mir eure Aufregung und Angst gut vorstellen.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Camille Claudel says:
So ähnlich war ich geschockt, als ich vor x Jahren im Urlaub in Dänemark auf dem Schiff bei einem Passanten eine Bildzeitung sah, aus der hervorging, dass in meiner Heimatstadt Hanns Martin Schleyer von den RAF-Terroristen ermordet wurde.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
MadMa says:
Was verbinde ich mit dem Hochwasser? Wie alle Vorredner natürlich mit das blanken Entsetzen beim Betrachten der Fernsehbilder und die Überlegung, wie ich reagieren würde, würde unsere Hütte absaufen.

Besonders intensiv erinnere ich mich auch noch daran, wieviel Kraft mir der Wiederaufbaugeist, der sich danach breit gemacht hat, gegeben hat. Mir selbst ging es zu der Zeit nicht so gut und ich dachte mir, wenn die Menschen in Dresden, Grimma und wo noch überall alles verlieren und kämpfen um alles wieder neu aufzubauen - dann wirst Du auch kämpfen, denn Dein Schicksal ist nicht annähernd so dramatisch.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Camille Claudel replies:
Solche Gedanken helfen sicher, das ist eine tolle Einstellung.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Tante Käthepro says:
Schön, dass Du das nochmal so plastisch und be-greifbar dargestellt hast.
Jemand wie ich, der sowas noch nicht miterlebt hat, kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie hoch das Wasser kommen konnte: wir waren 2005 in Sachsen und haben überall die Markierungen gesehen; hoch über uns im Bereich der ersten Etagen an den Hauswänden....
Fluthinweis
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Camille Claudel says:
Heute kommt in der Stuttgarter Zeitung auf der ersten Seite ein Artikel, überschrieben: Der Flutmeister - aus Schaden klug. Fünf Jahre nach der Überschwemmung ist die TU Dresden ein Zentrum der Hochwasserlehre.
Es geht um Forschungen an der sächsischen Uni zum Thema "Hydro science and engineering". Wie sind Wasserresourcen rund um den Erdball zu schützen, welche Konzepte gibt es für die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung? Lehrmodul ist: "Floodmaster - Integriertes Risiokomanagemnet für extreme Ereignisse". Wie entsteht Regen, welche Schäden richtet er an? Heute weiß man, dass es mit einer höheren Mauer oder einem stärkeren Deich nicht getan ist. Aber was sonst? Das bleibt immer noch die Frage.
So, das war die Quintessenz des Artikels.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Rasch2000pro says:
Wenn ich nach Dresden komme, besuche ich die "BrennNessel". Da hast Du ja wirklich auch einen fesselnden Einblick vermittelt, danke dafür.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
winter*kindpro says:
... hat es auch bei uns schrecklich geregnet. mein vater hatte geburtstag und entsprechend wollten wir dort hin. paul musste aus der schule geholt werden und obwohl die nur um die ecke ist, wären wir klatschnass geworden. also mit dem auto dahin, wir wollten ja eh gleich weiter - und direkt in einen blitzer rein.
danach musste ich meine schwägerin in der innenstadt auflesen (manche leute sind überfordert, wenn sie mit der bahn fahren sollen)... aber wir sind nur per stop and go durch die stadt gekommen. mit einem amphibienfahrzeug oder nem kleinen schwimmpanzer wäre ich damals schneller gewesen. es schüttete und die gullies schafften lange nicht mehr, was wasser verschwinden zu lassen, an vielen stellen sprudelte es wieder raus.
die 25-minuten-tour kostete mich 2 stunden... ständig heulten sirenen, weil in der ganzen stadt allein vom regen keller abgesoffen sind und die eisenbahnunterführung hier gleich nebenan war richtiggehend geflutet... man musste riesige umwege fahren.
wir haben aber keinen fluß in der stadt, der irgendwie gefährlich werden konnte und so war der spuk hier schon 1-2 tage später wieder vorbei ohne sonderlich nennenwerte schäden.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Pandarinepro says:
Heute vor 2 Jahren kam Hurrikan Katrina nach New Orleans. Wenn ich die Bilder so vergleiche - es gibt noch immer wahnsinnig viel Zerstoerung dort ...
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
tuvalupro says:
Ich bin jetzt erst so richtig auf den Bericht gestoßen. Ich bin erst nach dem Hochwasser 2006 (Das immerhin auch noch vor unserer Haustür stand) in die sächsische Schweiz gezogen. Bei Deinem Bericht ist mir erst mal wieder richtig klar geworden, daß ich vor fünf Jahren hier wo ich jetzt sitze ertrunken wäre.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )

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