Üblicherweise ist das Jura beliebtes Zielgebiet für Wintersportler, mehr und mehr möchte sich die Region allerdings auch als Sommerziel für Kletterer, Weißwasser-Sportler oder ganz einfach solchen Urlaubern etablieren, die eine raue Natur mögen.

Die kurze knappe Einweisung im Fort ist der Startschuss für ein Spiel mit der eigenen Courage, mit Selbstüberwindung, dem Mut zum Ungewissen. Das „Fort des Rousses“ in Les Rousses war

Festung, Stützpunkt und späterÜbungsgelände für die französische Armee. Mehr als 10 000 Mann konnten hier einer Belagerung standhalten, über Wochen.Heute ist in einigen Räumen die Käserei Arnoud angesiedelt. Sie produziert den „Juraflor“, die Käsespezialität der Franche- Comté, also des französischen Jura (nahe der Schweizer Grenze).

Tausende Käselaibe, aus 500 Litern Milch pro Stück, reifen in den Gängen, in denen Ammoniakdampf in der Luft liegt und Roboter mit Maschinengeduld die Laibe einen nach dem anderen abschrubben und in den Regalen wenden. Doch im Fort gibt es mehr als Käse. Gute Nerven und vor allem keine Platzangst sollte man haben, um sich auf das Abenteuer im unterirdischen Labyrinth einzulassen. Und Teamgeist, denn als Einzelner käme man nicht durch das Labyrinth hindurch. Kriechröhren, enge Mauerspalten, winzige Öffnungen in Wänden. Räuberleiter, die Lampe weitergeben. Eine Dreiviertelstunde später, das Team hat erfolgreich die Tür geöffnet, lacht der Veranstalter nur: „Das war eigentlich die Tour für Anfänger. Es gibt vier unterschiedlich schwierige Labyrinthe. Wir schicken auch Teams ohne Lampen nur mit drei Streichhölzern hinein.“

Einmal mehr müssen die Leute an diesem Tag ihre Furcht überwinden. Diesmal geht's hoch hinaus, oben auf dem Gittermastwerden die Karabiner in den Hüftgurten eingehakt. Zum Nachdenken beibt nicht viel Zeit, denn wer ich von der Plattform abgestoßen hat, rast an der Seilbahn unweigerlich mit kräftigem Tempo mehrere zehn Meter hoch über die Schlucht. Wer die Auffangvorrichtung am Ende der Fahrstrecke verpasst, wird zurückgeworfen und muss sich langsam mit den Händen bis zum Ende des Drahtseils hangeln. Nach dem „Abstieg“ über eine Art Notrutsche haben alle zufriedene Gesichter: Mutprobe bestanden.

Zumindest vorläufig.

In dieser Woche führen die Flüsse der Franche-Comté Hochwasser. Dort, wo sonst verhältnismäßig kleine Wildwasserflüsse über Stromschnellen hüpfen, rasen immense Wassermassen zwischen steilen Canyon-Wänden ins Tal. Neophrenanzüge zu tragen, ist beim Canyoning Pflicht: Gerade mal zehn Grad Wassertemperatur hat die Loue heute und an diesem Tag soll sie überquert werden. Michael, Reiseführer bei der Agentur Syratur, ist bepackt mit Seilen, Karabinerhaken. Er zeigt, wie man sich auf dem Rücken liegend durch Stromschnellen treiben lässt und sorgt für sicheres Geleit: Stehen kann niemand mehr in den reißenden Wassermassen, wichtig ist, im richtigen Augenblick die richtige Drehung zu absolvieren und sich aus der Strömung hinaus zu manövrieren.

Weiter unten am Fluss gibt es Wasserfälle – eigentlich sollte sich die Gruppe durch einen davon abseilen, doch das fällt an diesem Tag wegen des Hochwassers aus. Stattdessen ist Klettern angesagt, steil nach oben, raus aus dem Canyon.

Klettern mit höherem Schwierigkeitsgrad steht später auf dem Programm. Die Kalksandsteingebirge der Franche-Comté haben ein umfangreiches Höhlensystem. Wie auf den Höhenzügen sind hier diverse Klettersteige ausgewiesen. Eine schmale Leiter führt zum Höhleneingang, im Licht der Helmlampen funkeln Decken und Wände. DerWeg im Berg führt steil nach oben und plötzlich ist der Höhlenausgang zu sehen.

Von einem kleinen Felspodest aus öffnet sich der Blick über eine grandiose Landschaft, in der sich üppiger Wald und schroffe Felsen abwechseln.

Der Weg scheint hier zu enden. Doch der Bergführer macht klar, dass dem nicht so ist und zeigt auf kleine Tritteisen, die in die senkrechte Wand eingeschlagen sind. Erstmalig streikt das Team und möchte zurück durch die Höhle. Die Alternative: Abseilen, 40 Meter senkrecht nach unten. Eine Felsnase versperrt den Blick nach unten. Nur einem kleinen Haken an einem Seil zu vertrauen, kostet noch einmal Überwindung. Trotz Höhenangst und fehlender Praxis wagen letztlich alle den Abstieg. Als Michael dann noch eine verloren gegangene Kamera in 20 Metern Höhe aus einem Baum birgt, löst sich die Spannung.

Später gibt's Nervennahrung pur. Edouard Hirsinger, einer der besten Chocolatiers Frankreichs, hat zur Verkostung seiner handgefertigten Schokoladen-Kunstwerke eingeladen. Im Museum unter dem Geschäft in Arbois wird untrhaltsam Familien- und Schokoladengeschichte erzählt: Über den Kolonialhandel mit Schokolade, über Rezepte, Zutaten und die zahllosen Auszeichnungen, die die Familie Hirsinger nunmehr in der vierten Generation bekommt. Ausschließlich mit Rohmilch zubereitet werden die Pralinés, mitMandeln, Ingwer, Sahne oder Absinth, teilweise auch jahreszeitlich wechselnd. Irgendwie waren diese Köstlichkeiten dann auch eine Belohnung.