U-Boot U-31 am Stützpunkt in Eckernförde
ECKERNFÖRDE Oberbootsmann Torsten Brümmer hat in seiner Dienstzeit schon viel gehört. Der Sonarmeister der U-31, dem Wittenberger Patenschiff der Bundesmarine, lauschte dem Gesang der Delphine und Wale, erlebte das Grollen von Vulkanausbrüchen und ist sich ganz sicher: „Fischblasen, die zerplatzen, höre ich auch.“
An diesem Abend allerdings hat er anderes zu tun: Er spürt die Motoren von Fischerbooten und anderen Schiffen auf, die sich in der Nähe der Teststrecke in der Bucht von Eckernförde befinden: Jetzt wird der U-31 nach einem Jahr Werftaufenthalt sozusagen der Puls gemessen, untersee- ische Mikrofone hören ihre Geräuschentwicklung ab.
Das Urteil der Prüfingenieure, so viel sei vorweg genommen, fiel positiv aus: Die U-31 ist, abgetaucht und bei unterschiedlichsten Drehzahlen, so gut wie nicht zu hören. Das ist auch die prägnanteste Eigenschaft des Schiffes, das die deutsche Bootsklasse A-212 an die Spitze der nichtkonventionellen U-Boote katapultierte, also der U-Boote, die außenluftunabhängig über einen langen Zeitraum „abtauchen“ können – im Fall der U-31 für bis zu drei Wochen.
Nach wie vor gilt das Schiff, das im Oktober 2005 in Dienst gestellt wurde, als das leiseste seiner Art. Dafür sorgen ein Dieselmotor, der zusammen mit einer Hochleistungs-Brennstoffzelle ausschließlich die Batterie speist. Und dafür sorgt ein flüsterleiser riesiger Elektromotor, der mit seinen über 2000 PS Technikliebhabern ein Leuchten in die Augen zaubern dürfte.
Während die Besatzung auf dem Kommandostand vor dem Ablegen alle Geräte überprüft, werkelt Smut Fiedler in der Kombüse: Schnitzel mit Parmesankruste stehen auf dem Speiseplan. Zudem Kuchen, denn Donnerstag gilt als „Seemannssonntag“, weil früher der Pfarrer donnerstags vor dem Auslaufen am Freitag noch die Messe las. Und Marine-Traditionen werden auf dem U-Boot hochgehalten.
Als die U-31 in der Förde zum Tauchgang ansetzt, neigt sich der Boden. Die Besatzung sagt einstimmig ein lang gezogenes „Tauchen“, kurz danach sind die beiden Sehrohre die fast einzige Verbindung zur Außenwelt, nimmt man mal Langwellenfunk und Unterwassertelefon aus, das jedoch nur auf sehr kurze Distanzen funktioniert. Informationen der Sehrohre (eins optisch, eins mit Infrarotdarstellung), des Sonars, aus der Seekarte, fließen in die Lagebeobachtung ein: An diesem Abend ist jedoch nur ein Fischerboot zu hören, mit einem dreiblättrigen Propeller.
Auch am Torpedoleitstand wären die Informationen zu finden. „Ursprün
glich wurde die U-31 für den Torpedoeinsatz konstruiert“, sagt der Kommandant des Schiffs, Korvettenkapitän Bert Petzold. Die U-31 und ihre Schwesterschiffe sind nicht nur kostspieliges Spielzeug für Tech-nikfans, sondern Kriegsschiffe. Bis zu zwölf Schwerlasttorpedos können sie mit sich führen. Zum Einsatz kamen diese noch nie. Doch zu Aufklärungsaufgaben wurden zumindest die Schwesterschiffe bereits eingesetzt, unter anderem zur Überwachung des Schiffsverkehrs im Mittelmeer im Rahmen des Nato-Einsatzes „Operation Active Endeavour“. Deren Ziel ist es, unter anderem Terrorismus vorzubeugen, etwa im Zusammenhang mit dem Afghanistankrieg.
Theoretisch könnte die U-31 auch Kampfschwimmer aussetzen oder fotografische Küstenaufklärung betreiben. „Die eigene Seite bezeichnet solche Aktivitäten als Aufklärung, ein Gegner würde sie Spionage nennen“, sagt der Kommandant. „Aber bisher mussten wir auch solche Einsätze glücklicherweise nicht durchführen.“
Dass die U-31 Kriegsschiff ist, vergisst wohl keiner der Mannschaft. Die Messe, Treffpunkt derjenigen, die keine Wache haben, liegt zwischen Kombüse und neben den Torpedoschächten. Die sind an diesem Tag gewässert, Torpedos sind nicht an Bord, statt dessen sind die Nachladeschächte mit Zigaretten und Schokolade gefüllt. Die Mannschaft kann mitunter zollfrei einkaufen, wenn sie sich außerhalb internationaler Hohheitsgewässer befindet.
Bei langen Einsätzen schieben die Soldaten bis zu sechs Stunden Wache, bei kürzeren je vier. Diese Zeit verbringen sie meistens im Dunkeln im Leitstand, und beobachten über Monitore die Schiffsfunktionen, Sonar oder Lageplan. In der übrigen Zeit wird geschlafen: Eine eigene Koje haben die Soldaten nicht, sondern sie müssen sie sich im Rotationsverfahren teilen. „Auch, wenn die U-31 oft als ,Hotelschiff’ bezeichnet wird, leben wir hier auf sehr engem Raum miteinander“, sagt der Kommandant. Presseoffizier Thomas Lerdo ergänzt später: „Der Kommandant weiß, ob jemand aus der Mannschaft Beziehungsprobleme hat, oder was er am Wochenende unternommen hat.“
Mitunter dauert eine Fahrt der U-31 oder ihrer Schwesterschiffe mehrere Monate, lange Tauchfahrten von zwei Wochen wechseln sich mit kurzem Auftauchen ab. „Zum U-Bootfahren ist nicht jeder geeignet“, sagt Bert Petzold, „mancher musste schon auf ein Überwasserschiff wechseln, weil er mit der Enge an Bord nicht zurechtkam.“