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Hans-Georg Kaiser
Schatten

Der Schatten folgt beim Flüchten deiner Schritte
auf allen Wegen immer hinterher.
Verweigerst sich so deiner Bitte.
Da gibt es kein Entrinnen jemals mehr.
Wo Licht ist, gibt es Schatten und Gefühle,
die mischen sich dann bald in deine Ziele.

So kannst Du nie dem Schattenbild entfliehen
und bist verflucht mit deinem eignen Ich.
Du kannst nomadenhaft durch Städte ziehen.
Doch deine Schattenbilder kriegen dich.
Du kannst mit andern Schatten dich vermählen,
doch kannst du nicht den eignen Schatten wählen.

Du kannst durchaus auf Bildern Schatten werden,
theaterhaft in scharfem Schein und Licht,
verzerrter Schatten, fast ein Geist auf Erden.
Doch Schattenloser werden kannst Du nicht.
Kein Mensch kann deinen Schatten jemals kaufen.
Du kannst dem eignen Schicksal nicht entlaufen.

Wo wenig Licht ist, mehren sich die Schatten,
umso grotesker scheint der wilde Tanz.
Doch ganz egal wie nah dich Schatten hatten.
Du bleibst du selbst in Finsternis und Glanz.
Die Schatten können dich zu gar nichts zwingen.
Und doch musst Du mit langen Schatten ringen.