(Vorzulesen mit der matten, heiseren, verrauchten Stimme eines alten Privatschnuefflers aus aus Chicago**)

Es war einer jener Samstag Morgen die schon viel zu frueh und trotzdem zu spaet beginnen. Ich war am Vortag frueher als sonst ins Bett gegangen, um am naechsten Morgen zeitig mit der Camera den Innkai entlang zu wandern. Doch dann kam doch alles anders. Die Strapazen der letzten Woche und eine weitere unruhige Nacht im viel zu unbequemen Bett der kleinen Studentenbude schienen sich am Morgen wie tonnenschwere Gewichte auf die Bettdecke zu legen. Als ich endlich genug Kraft gesammelt hatte um mich zu erheben war es schon kurz nach 9. Eine lauwarme Dusche (die den altersschwachen Durchlauferhitzer im Bad bis an seine Belastungsgrenze brachte) spaeter war ich schon unterwegs durch den kalten Februarmorgen richtung Flussufer.

Trotz meiner Muedigkeit und schlechten Laune hatte der Morgen etwas beruhigendes. Die ganze Stadt war menschenleer, keiner der auch nur einen Funken Verstand hatte wuerde am Samstag freiwillig um diese gottverlassene Zeit aufstehen. Als ich die Schritte in der engen, dunklen Seitengasse der Altstadt auf mich zukommen hoerte brauchte mein mattes Gehirn erst einige Sekunden um zu begreifen dass ich hier wohl nichtmehr allein war....

Er tauchte wie aus dem Nichts auf. Aus einer der zahllosen Seitengaesschen die auf keinem Plan verzeichnet waren. Die bullige Gestalt die gut zu einem Tuersteher einer Dorfdisco gepasst haette war in einen schwarzen Mantel gehuellt. Der 3-Tage-Bart in seinem Gesicht war sicher seit Wochen nichtmehr rasiert worden, dafuer wurde sein kahler Kopf von der schwarzen Pudelmuetze nur unvollstaendig bedeckt. Sein rechter Unterarm war beinahe laessig auf der um die Schulter gehaengten Fototasche abgelegt. Den Gurt mit der aufschrift "EOS DIGITAL" hatte er gut sichtbar, wie zur Provokation, einem Kellner gleich ueber den Unterarm gehaengt. Die Lederhandschuhe an seinen Haenden krallten sich bei meinem Anblick staerker um den Griff seiner Camera. Sein Blick schien zu sagen: "Was willst du hier? Diese Stadt ist nicht gross genug fuer uns beide..." Er kam naeher. Mit einem Suffisanten laecheln musterte er den roten Ring am Filtergewinde meines Objektivs, waehrend mir seine Kit-Scherbe kaum mehr als einen mitleidigen Blick entlockte. Und er ging weiter. Waehrend sich mein Herzschlag langsam wieder auf meinen Ruhepuls von 110bpm einpendelte und die wieder normalen Atemzuege meinem Gesicht einen geringfuegig gesuenderen Farbton bescherten wurde mir klar, dass ich diesmal noch glueck gehabt hatte. Aber es gibt verdammt viele von denen da draussen....

 

*) Diesmal nicht wirklich ein Testbericht, da mein neuer Plitz immer noch nicht geliefert wurde *grml*

**) Notfalls ist auch L.A. akzeptabel