Der folgende Text ist entnommen „strassen | feger“ Ausgabe 11, Mai 2009
Ich erstand diese Ausgabe, als wir in der Schlange zum Aufgang der „Cap San Diego“ standen und auf Einlass warteten.
„Zentrum Afrika“ und „Zentrum Welthandel“ waren hier die Themen.
Da ich in Hannover den „Asphalt“ kaufe, war es für mich keine Frage, dem Verkäufer, der in Begleitung seines Hundes an den Wartenden vorbei ging, ein Exemplar abzunehmen.
„Angenommen, es sei sicher, dass es Gott gibt oder ihn nicht gibt, und dass es keinen Mittelweg gibt: Für welche Seite werden wir uns entscheiden…? Lassen Sie uns ein Spiel spielen, bei dem es zu einer Entscheidung für ‚Kopf oder Zahl’ kommt. Mit Vernunft können wir weder das eine noch das andere versichern; mit Vernunft können wir weder das eine noch das andere ausschließen. Verfallen wir also nicht dem Irrtum, dass hierbei eine richtige Wahl getroffen werden könnte, denn Sie wissen nicht, ob Sie falsch liegen oder schlecht gewählt haben … Sowohl wer sich für ‚Kopf’ entscheidet, als auch wer sich für ‚Zahl’ entscheidet – beide liegen falsch: Die Wahrheit kann nicht durch eine Wette entschieden werden, aber es muss gewettet werden. Es gibt keine Freiwilligkeit, Sie müssen sich darauf einlassen. Wenn Sie nicht wetten, dass es Gott gibt, müssen Sie wetten, dass es ihn nicht gibt. Wofür entscheiden Sie sich? Wägen wir den Verlust dafür ab, dass Sie sich dafür entschieden haben, dass es Gott gibt: Wenn Sie gewinnen, gewinnen Sie alles, wenn Sie verlieren, verlieren Sie nichts. Setzen Sie also ohne zu zögern darauf, dass es ihn gibt.“
Pascal geht von vier möglichen Ergebnissen der Wette aus:
ich glaube an Gott und es gibt ihn tatsächlich – in diesem Fall werde ich mit dem Gewinn der himmlischen Seeligkeit belohnt.
Ich glaube an Gott, aber es gibt ihn gar nicht – in diesem Fall gewinne ich nichts, verliere aber auch nichts.
Ich glaube nicht an Gott und es gibt auch keinen Gott – in diesem Falle gewinne und verliere ich ebenfalls nichts.
Ich glaube nicht an Gott und Gott existiert tatsächlich – in diesem Fall muss ich mit Höllenstrafen rechnen
Wie viele Götter verträgt die Wette?
Das Denkgebäude Pascals trägt allerdings nur, wenn es entweder einen Gott gibt, der wie in den monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam mit einen exklusiven Anspruch auftritt und seinen Gläubigen mit Belohnung oder Strafe traktiert, oder wenn es überhaupt keinen Gott gibt. …
Pascals Wette ist zweifellos ein interessantes und amĂĽsantes Gedankenspiel. Der Weisheit letzter Schluss ist sie nicht und sie macht auch nur Sinn, wenn man sich schon vorher auf das Gottesbild des Christentums festgelegt hat."
Autor: Manfred Wolff
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