Roland Published on October 30, 2009
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Pri arkivoj kaj la kolektiva memorejo de la esperantistaro

Friday October 30, 2009 at 09:05AM

En la aktuala numero de la germana revuo "Esperanto aktuell" estis kontribuo, kiu instigis min, okupiĝi pri la temo de esperantaj arkivoj. Mi sendis la jenan respondon (germanlingve) al la redakcio. Eble la spertoj kaj planoj en aliaj landoj estas similaj.

Es ist lobenswert, daß sich wieder jemand um das Thema Esperanto-Archiv kümmert. Im Zusammenhang mit Esperanto habe ich einige Jahre Erfahrungen bei der Erforschung des Wirkens von Karl Vanselow [1] sammeln können. Vorher habe ich jahrzehntelang die Biogas-Geschichte erforscht, die beim Rest der Welt etwa den Stellenwert der Esperanto-Geschichte hat. Zur Zeit arbeite ich mit einem US-amerikanischen Kollegen an der Geschichte von Alkohol als Treibstoff.
In allen Fällen gilt, daß man sich auf die großen, staatlichen Sammlungen nur bedingt verlassen kann. Als exotisch oder randständig eingeschätze Themen werden bei den Stichworten nicht berücksichtigt. Selbst wenn Dokumente vorhanden waren, konnten sie früher mit den klassischen Hilfsmittel, wie Karteikarten, nicht gefunden werden. Die Digitalisierung der Karteikarten mit Volltextsuche hat völlig neue Dimensionen eröffnet. Man ist eben nicht mehr an die Schlagworte gebunden, die oft vor langer Zeit festgelegt wurden und nach der damaligen Sicht der Dinge vergeben wurden.
Noch mehr Möglichkeiten gibt es seit der Volltext-Digitalisierung der gesamten Bestände. Selbst in unkorrigierten OCR-Scans hat man immer wieder Treffer, die man beim Durchlesen von vielen 1000 Seiten niemals gefunden hätte. Die Suchmaschinen im Internet leiten einen oft zu Beständen, von deren Existenz man nichts geahnt hat oder wo man nie gesucht hätte. Das sind dann oft die Trüffel, die der fleißige Forscher als seinen gerechten Lohn betrachtet.
Insbesondere für die Rekonstruktion des Lebens von Karl Vanselow konnten so Archivalien identifiziert werden, die von den Besitzern und Bewahren niemals in einen Zusammenhang mit Esperanto gebracht worden wären. Bei "normaler" Benutzung des Archivs wären sie auch nie aufgespürt worden.
Deswegen bereitet mir der Passus Kopfzerbrechen, daß jemand "Unwichtiges" ausscheiden möge. Ein banaler Feriengruß auf einer Postkarte, kann eine Fülle von Informationen liefern, selbst wenn man nur den Scan betrachten kann. Von Karl Vanselow sind Fahrscheine, Rechnungen, Kongresskarten, Zeitungssauschnitte aufgetaucht, die im Moment der einzige Beleg für seinen Aufenthalt an einem bestimmten Ort sind. Ebenso wurden für die Biogas-Geschichte alte Bauakten oder Werbeschriften von Firmen gefunden, die rein zufällig die Zeiten überdauert haben, aber nie regelgemäß archiviert worden sind. Die Liste dieser glückhaften Zufälle ließe sich endlos fortsetzen.
Für mich ergibt sich daraus, daß es im Digitalen Zeitalter darauf ankommt, die textuelle Information möglichst orginalgetreu für Volltext-Recherchen zur Verfügung zu stellen. Das bedeutet auch, nicht allzuviel Zeit für die Entwicklung eines Klassifikationsschemas, das die Dokumente so bezeichnen soll, daß sie gefunden werden können, zu verschwenden. Selbst die großen Bibliotheken, etwa die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, sind davon abgekommen und bieten als Einstieg eine Volltextsuche über alle Felder an. Nur wenn das zuviele Treffer liefert, kann man daran denken die Suche zu verfeinern und greift dabei auch auf die historischen Ordnungssysteme zurück.
Ein zukunftsfähiges Esperanto-Archiv kann also nur eine Datensammlung mit Volltextrecherche sein, so wie es uns Google das gerade vorführt. Systematisch werden alte wissenschaftliche Bücher und Zeitschriften gescannt und stehen entweder als reiner Text oder in verschiedenen Formaten (pdf, jpg) zur Verfügung, so daß bei Bedarf zumindest das Erscheinungsbild des Dokuments zugänglich ist. Leider sind im Moment die Chancen gering, von Google in dieses Programm aufgenommen zu werden, aber Google kocht auch nur mit Wasser.
Die Orginale sollten aber trotzdem aufbewahrt werden. Allerdings würde es genügen, die gescannten Dokumente paketweise unter Schutzatmosphäre einzuschweißen und in einem alten Stall in Mecklenburg-Vorpommern oder in einem Keller in Herzberg einzulagern. Die Lagerung sollte möglichst platzsparend erfolgen, damit die Kosten nicht zu groß werden. Nur wenige Forscher werden einen dringenden Grund haben, in den Orginalen zu arbeiten. Eine Aufstellung in offenen Regalen ist angesichts der Frequenz der Nutzung nur eine Platzverschwendung. Mechanisierte Archivsysteme, die den Platz sparsamer nutzen, sind schlicht zu teuer. Alternativ wäre auch die Möglichkeit eines Mietlagers zu prüfen, die jetzt in Deutschland zunehmend angeboten werden. Sie werden bewacht, sind gegen Feuer gesichert und man kann Gabelstabler und Hubwagen nutzen. Trotzdem kann der Besitzer jederzeit sein eingelagertes Gut entnehmen. Man ist nicht auf ein bestimmtes Volumen festgelegt und kann nach Bedarf Fläche dazunehmen.
Die Einteilung in Pakete und die Gruppierung der Pakete auf Paletten kann relativ willkürlich erfolgen. Es muß nur sichergestellt sein, daß man von einem digitalen Dokument aus wieder das Orginal finden kann. Ganze Nachlässe können so ersteinmal gerettet und nach und nach gesichtet werden.
Für die Finanzierung wäre es optimal, wenn man erreichen könnte, daß die Archiv-Stiftung im Testament in zweierlei Weise berücksichtigt wird: Zum einen wird die Stiftung mit einer angemessenen Summe bedacht, zum anderen darf ein Beauftragter der Stiftung das Erbe zeitnah auf Dokumente von Relevanz prüfen. Die Erben pflegen oft die eigentlich interessanten Privatbriefe wegzuwerfen, weil wertlos, und überreichen stolz auf einen Haufen Esperanto-Bücher, unter denen sich kaum echte Raritäten befinden. Natürlich kann diese Vereinbarung auch schon zu Lebzeiten aktiviert werden, etwa wenn jemand aus einem Eigenheim in ein kleines Zimmer im Pflegeheim umziehen muß. Man kann auch eine Art Archiv-Versicherung einrichten, in die man monatlich einen festen Betrag einzahlt und die Gewissheit hat, daß sein Esperanto-Erbe nicht verloren geht.
Ich würde mir wünschen, daß bald eine funktionierende Arbeitsgruppe zum kollektiven Gedächnis der deutschen Esperanto-Bewegung in Gang kommt. Ich habe auch noch ein paar Bananenkisten voll mit Raritäten, die erschlossen werden wollen.

Roland Schnell







[1] vanselow.wikispaces.com

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