About this blog

  • 9 posts
  • 3 119 visits
February 2009
  Sun Mon Tue Wed Thu Fri Sat  
  1 2 3 4 5 6 7  
  8 9 10 11 12 13 14  
  15 16 17 18 19 20 21  
  22 23 24 25 26 27 28  

Archives

February 13, 2009

Dankeschön für all Eure lieben Wünsche!

Ihr Lieben,

habt Dank für all die netten Online- und Offlineglückwünsche, die ich zu meinem Geburtstag bekommen habe. Ihr habt einen Teil dazu beigetragen, dass ich mich auf dieser Welt willkommen und gemocht fühle :-).

Die meisten wissen, dass ich keine große Freundin von Fotozeiganstalten und deren neurotischen Insassen bin und deshalb bei den meisten nur angemeldet bin und nur alle Lichtjahre mal vorbeisehe.

Ipernity ist mittlerweile zu sowas wie meiner virtuellen Stammkneipe geworden, wo ich oft mal einfach kurz reinschneie, mich freue, ein paar Worte wechsele und dann wieder mit einem geschenkten Lächeln weiterarbeite.

Ich habe hier ein paar Menschen kennengelernt, die mir mittlerweile auch real am Herzen liegen und fühle mich hier richtig wohl, sehe gerne Eure Bilder und freu mich, wenn Euch eines von meinen gefällt. Leider habe ich im Moment soviel um die Ohren, dass ich kaum zum ansehen komme. Das finde ich schade, werde es aber nachholen - irgendwann.

Und bevor das jetzt in eine schmalzige, oscarreife Tränendrüsenkitzelseifenoperigkeit ausartet, sag ich nochmal kurz Danke und bin auch schon wieder verschwunden.

Ein schönes Wochenende für Euch!

Ina

Published at 14:52 ( 5 comments / 387 visits )
This post is public

Published at 08:54 ( 10 comments / 294 visits )
This post is public

January 7, 2009

Weihwasser








Weihwasser



Ich habe ihn sofort wiedererkannt. Sein stählerner Blick traf mich direkt ins Herz und es war, als seien gerade mal drei Wochen vergangen und nicht drei Jahre. Bis heute kannte ich ihn nur ganz in Schwarz, jetzt weiss ich, dass er auch in blauen Jeans umwerfend aussieht. Größer als damals kam er mir vor und die Haare trägt er etwas länger. Aber das sind Äußerlichkeiten. Und damit meine einzigen Anhaltspunkte.

Damals haben wir fast nie gesprochen. Es war immer bereits früher Morgen, drei, vier Uhr, wenn er auftauchte. Er war immer allein und ich habe ihn niemals mit jemandem sprechen gesehen. Er stand in der einen Ecke neben der kleinen Tanzfläche und beobachtete mich mit einem eiskalten Gänsehautblick beim Tanzen. Wenn ich nicht tanzte, stand ich in der gegenüberliegenden Ecke und starrte zurück.
Vielleicht hatte ich gedacht, er sei stumm, auf alle Fälle bin ich zusammengefahren, als er mich eines Morgens um eine Zigarette bat. Ich habe sie ihm gegeben und konnte den Blick nicht von seinen Augen wenden. Klein waren sie und sehr hell, scharf umrissen von schwarzen kurzen Wimpern. Wir unterbrachen unser Starren nicht, als er mir mein Feuerzeug aus der Hand nahm und die Zigarette anzündete. Er bedankte sich und ging wieder in seine Ecke.

Seine Stimme fiel aus dem Rahmen. Sie wirkte so normal, so gewöhnlich, so unpassend an dieser geheimnisvollen Erscheinung. Er hatte etwas, was mich faszinierte, und das ließ sich mit einem Wort beschreiben: teuflisch. Von diesem Tag an wartete ich jeden Sonntagmorgen nur auf ihn. Manchmal war ich so müde, dass ich ein paar Stunden schlief und um zwei Uhr morgens loszog. Vom Teufel besessen.

Ich konnte damals und kann heute nicht sagen, was ich wollte. Ich hatte die Spielchen satt, das langsame sich-herantasten, um dann doch enttäuscht zu werden. Ich wollte noch ein Stück Jugend nachholen, bevor es zu spät war. Kein Wunsch nach einem Mann. Kein Atmen neben mir im Bett. Nur nachts in der Ecke dem Teufel gegenüberstehen und ihn anstarren, mich fragen, was hinter der Fassade sein mochte.

Jedesmal bat er um Feuer. Jedesmal mich. Möglicherweise hätten wir ein Gespräch anfangen können. Wir hätten diesen verrauchten, lauten Ort verlassen und auf einer Bank im eiskalten Mondschein sitzen können. Wir hätten wie ein gruseliges Paar wirken können. Der schwarze Mann. Die rote Frau. Beide ganz blass und vielleicht nicht ganz von hier. Wir hätten uns vermutlich etwas zu sagen gehabt, nicht unbedingt mit Worten, aber doch durch unsere gleichzeitige Anwesenheit. Irgendetwas hätte beginnen können jenseits von dem, was damals meine Realität war.


Ich habe ihn niemals angesprochen. Ich habe ihn nicht gegrüßt. Ich habe nur zurückgestarrt. Und meine Hand von seiner streifen lassen, wenn er das Feuerzeug nahm, während seine Augen über den Grund meiner Seele wanderten.
Während der Woche dachte ich nicht an ihn. Vielleicht hat er mich nur an jemand anders erinnert.
Kann sein, er wäre der Mann meines Lebens gewesen. Kann sein, ich hätte ihn geliebt. Ein schönes Paar wären wir in jedem Fall gewesen. Schwarz wie der Teufel und rot wie die Höllenglut.

Es ist drei Jahre her.

Hier geht meine verlorene Jugend und ich stehe und starre und lasse sie vorbeiziehen.


Er hat mich angesehen. Nein. Er hat durch mich hindurchgesehen. Vielleicht hat er mich erkannt und sich nichts anmerken lassen. Was auch?

Ich sehe ihm nach. Welch federnder, dynamischer Gang. Als wäre die Zeit für ihn langsamer vergangen. Er wird kleiner, geht zwischen all den Menschen unter, taucht noch zweimal kurz auf und ist dann fort.

Ich muss ein schokoladeverschmiertes Mündchen abwischen und meinen Bauch beruhigend tätscheln. Meine Aufregung hat sich sofort übertragen.

Wie wäre mein Leben heute, wenn er meine große Liebe ist und wir damals einfach mehr gemacht hätten als uns anzustarren? Wie kann ich hier stehen, an einem sonnigen Samstagvormittag, den Kopf voller handfester bodenständiger Sorgen, und nachdenken über etwas, das vielleicht nur in meinem Kopf existiert? Warum dieses Gefühl, dieses Ziehen, diese Sehnsucht nach dem teuflischen Blick, wenn doch alles so in Ordnung ist, ein Mann, zwei Autos, bald zwei Kinder und ein eigenes Haus? Ich habe doch alles und alles zu einem niedrigen Preis. Und der frühe Sonntagmorgen ist weit entfernt.

Oder?
Mein Herz weint, mein Herz schreit sogar, schreit ihm nach, zurückzukommen, schreit mich an, hinterherzulaufen, ich tue so, als hörte ich es nicht, nur eine einzelne Träne kann ich nicht aufhalten, auf ihrem Weg wird sie zum Ozean, in dem ich zu schwimmen versuche auf der Flucht vor der unendlichen Sehnsucht vor etwas, wofür in mir kein Platz mehr sein darf...

(2002, habe ich geschrieben, vorhin wiedergefunden und schnell abgetippt)
.



Published at 00:28 ( 3 comments / 243 visits )
This post is public

December 23, 2008

please have a look at this wonderful picture!

Some days ago I found a picture on Ipernity that really touched my heart.
Together with the words and the music it almost made me cry.

I dare to translate the text but its not so easy to transfer it into a less poetic language particulary I am aware of my experimental english.

Feel free to do it better or to correct my mistakes :-). At first I lack the past tense of "he lays". Maybe somebody can give me a hint.



Please visit this wonderful piece of work bembelkandidat made!



www.ipernity.com/doc/bembel/3646596



-it was a great silence everywhere-

a perfect man
laid in great beauty in front of me

...

I placed my hand on his heart
-there was a deep silence all over the world-
and I turned myself away downwards
to give my cautious tears freedom

[I hear your laughter around midnight]

Published at 12:31 ( 2 comments / 258 visits )
This post is public

December 19, 2008

wie ein offenes Buch

Ich habe hier ja vor einiger Zeit geschrieben, dass ich öffentliches Tagebuchschreiben wie Handtaschen aufräumen vor allen Leuten empfinde.

So. Das Leben hat es mir gegeben. Am letzten Wochenende wurde mein Geldbeutel gestohlen. Jajaja, besser aufpassen und so, das weiß ich selbst. Ich habe ihn auch wiederbekommen - ohne Geld, aber die Papiere sind drin.

Mein wunderbarer Geldbeutel begleitet mich seit 1994, ist recht groß und es ist so viel drin, dass ich nicht mal genau weiß, was alles, ... das ist mir schmerzlich bewußt geworden, als ich ihn wiederhatte, reinsah und alles durcheinander gekramt war. Natürlich, man hatte eine Telefonnummer gesucht, vielleicht auch nach noch mehr Geld.

Ich saß dann zu Hause mit dem Ding, sah es mir an, schaute, was darin war und dachte mir: wer auch immer da drin gesucht hat, hat in mir lesen können wie in einem offenen Buch - oder zumindest das Gefühl bekommen.

Keine Ahnung, was IHR in Euren Geldbehältnissen rumtragt, ich finde es im Nachhinein so komisch, dass ich das mal teilen möchte.

Also Geld war drin, logisch. Ausweis. Diverse Karten, Bustickets, mein Organspendeausweis und ein paar Briefmarken.

Bis dahin gehts ja noch.

Beim tieferen Graben aber ist -wer auch immer- auf zwei allerliebst gezeichnete Bildchen gestoßen: ein Scheißhaufen in einer Fernsehshow und ein Weihnachtshaufen. Diese Bildchen korrespondieren perfekt mit einer Quittung für die Praxisgebühr, ausgestellt in der hiesigen Psychiatrie.

Weiterhin fand ich mehrere gelbe Klebezettel wieder, auf denen einzelne Vornamen vermerkt waren. Warum, weiß ich nicht mehr, aber sie waren es wohl wert, aufgehoben zu werden. Möglicherweise sind das meine weiteren Persönlichkeiten.

Nachdenklich gestimmt hat mich ein Klebezettel, auf dem dick und fett 361 stand. In meiner Schrift. Bitte WER ist das?

Und: wahnsinnig viele Telefonnummern. Natürlich ohne Namen dazu. Wenn ich Langeweile habe, rufe ich alle an und frage sie, wer sie sind.

Warum auf einem Zettel steht, dass Schokolade dick macht, das weiß ich noch. Das ist eine Tatsache, die ich gerne vergesse, vermutlich wollte ich mich daran erinnern.

Diverse Einwegeinkaufszettel mit so kreativen Kombinationen wie

Ingwer, Tortenboden, Rohrzange

oder

1 kg Z, KaFu, Pangasius, TATÜ!!!!, Heu, Katzeklo, H2O

fand ich dann ja schon wieder lustig. Und zwei vermißte Rezepte habe ich auch wiedergefunden.

Über die Kassenzettel und was man sich daraus zusammenreimen kann, breite ich den Mantel des Schweigens...

Den ganzen Kram habe ich jetzt aufgeräumt, es ist nichts verfängliches mehr da und meine eigene Telefonnummer klebe ich an meinen Ausweis.

Und jetzt seid Ihr dran ... was für dreckige Geheimnisse tragt Ihr mit Euch herum?





Published at 12:42 ( 8 comments / 253 visits )
This post is public

October 22, 2008

mit dem Handy im BH

der Messeturm
der Messeturm

[...]Mal was ganz anderes: Ist es möglich, dass Du zur Frankfurter Buchmesse kommst? Dort werde ich nämlich am jetzigen Sonntag (19. Oktober) mehrere Termine mit Verlagen wahrnehmen [...]

So fing das an, das mit mir und der Buchmesse. Natürlich ganz knapp und spontan und klar komm ich.

Auf die Schnelle stelle ich mir meinen Messetagesablauf zusammen, der vor allem aus im-Zug-sitzen bestehen wird. Hin knapp 5,5 Stunden, zurück genauso, vielleicht auch nur 3,5, wenn ich einen Grund finde, fast den doppelten Preis für den ICE auszugeben. Für Justine würde es fast mehr Sinn machen, hinzufahren, doch sie will nicht. Zu viel Stress, zu spontan, och nee. 15 Stunden vor meiner Abfahrt beginnt sie das Grübeln und 12 Stunden, bevor ich eigentlich in den Zug zu steigen gedenke, ist sie damit fertig: meine begnadetere Hälfte kommt also doch ganz spontan mit zur Messe und beschert mir damit drei Stunden mehr Schlaf.

Am nächsten Morgen checke ich kurz vor der Abfahrt noch meine Mails, ob die angeforderte Journalistenkarte da ist. Nichts. Und dies soll nur ein Vorgeschmack auf eine komplett kundenfeindliche und katastrophal organisierte Massenkonsumveranstaltung sein.

Keine Pressekarte macht ja nichts, da sind noch Freikarten vom Verlag. Leider sind die Freikarten um halb zehn, als ich mit dem Freikartengeber (*g*) telefoniere, bereits auf dem Messegelände und ich auf dem Rastplatz Spessart Süd. Eine wie auch immer geartete Übergabe kann nicht stattfinden, denn: er hat einen Termin um elf am einen Ende des Geländes, ich habe einen Termin um elf am anderen Ende des Messegeländes.

Man muss alles positiv sehen. So muss ich wenigstens nicht für den Bus vom Parkhaus zum Bahnhof zahlen, denn die Benutzung des ÖPNV ist im regulären Messeticket drin. Nur leider gibt es am Parkhaus keine Möglichkeit, Eintrittskarten zu kaufen, deshalb fahren wir schwarz.

Im Bus strahlt mich ein Plakat an, das für eine Hotline wirbt, die alte schwule Männer beraten möchte. Mir wird warm ums Herz. In so einem Klima möchte ich wieder leben, da, wo im Bus ein schwuler Mann klebt und nicht der Papst.

Wir stehen nach einer kurzen Busfahrt lange in der Schlange an der Kasse und ich schaue mir die anderen Messebesucher an und überlege, was sie sich von dieser Messe versprechen. Die Frau vor uns kann eigentlich nur nach den neuesten Pro-Ana-Büchern Ausschau halten, was sie als Oberschenkel präsentiert, ist bei mir ein Unterarm und ich habe einen gesunden BMI.

Leider bleibt die Kamera noch im Rucksack, weil ich viel vorhabe und sparsam mit den Bildern sein will.

Irgendwann kommen wir endlich an die Reihe. Die gute Frau an der Kasse kann irgendwie kein Deutsch, scheint überhaupt keine Ahnung zu haben und muss immer wieder nachfragen, vertut sich. Es nervt. Und es ist nur der Anfang.

Als wir endlich die Karten haben, wedeln uns gelangweilte Aufpasser durch und wir rasen zu der Halle, von der ich glaube, dass ich dort einen Termin haben werde. Bedauerlicherweise ist die Halle anders beschriftet als im Hallenplan auf der Internetseite der Messe angegeben, so dass wir ein paar Minuten mit Stehenbleiben, Herumgucken, ob woanders das dransteht, was wir suchen und Beraten vertrödeln.

Schliesslich gehen wir hinein und stellen fest, dass die Ausschilderung unter aller Sau ist. Das Erdgeschoss renne ich ab - nichts. Erster Stock. Nein, nicht erster Stock, sondern eine Zwischenebene. Im ersten Stock hinten eine Ecke, wo es sein könnte, aber nicht ist. Ich frage eine Frau an der Info. Sie sieht mich freundlich mit einem leeren Blick an und äußert eine Vermutung, wo ich finden könnte, was ich suche, aber sicher ist sie sich nicht.

Also suche ich weiter und finde auch tatsächlich eine vielversprechende Ecke, laufe dort herum, suche - nein, jemand anders.

Vorne ist wieder eine Infotheke. Zu irgendwas müssen diese Weibchen doch gut sein, also frage ich wieder. Sie kramt in Papierbergen, fragt dreimal nach, sucht und kann dann zumindest eine Halle angeben, erklärt mir, wie ich dort hinkomme. Besser als nichts, denn mittlerweile bin ich knapp eine halbe Stunde zu spät.



Ein paar Minuten später komme ich in der richtigen Halle an und finde natürlich nicht sofort den Platz, an dem ich verabredet bin. Als ich ihn finde, ist meine Verabredung nicht da, die Veranstaltung beendet. Zu Atem kommen.

Hinter mir, Ihr ahnt es schon, steht ein Infostand mit ein paar Frauen dahinter, die wieder genauso hübsch wie dumm sind.
Der Name, den ich ihnen nenne, sagt ihnen nichts. Es muss eine weitere Frau geholt werden, die lesen kann und auf die Liste schaut. Die Frau teilt mir mit, dass die Lesung um elf beginnen wird. Ich mache sie darauf aufmerksam, dass es bereits viertel vor zwölf ist und sie schaut mich an, als hätte ich sie angespuckt. Ich möchte wissen, ob die Lesung überhaupt stattgefunden hat, ob es Sinn macht, dass ich warte. Das weiss sie leider nicht.
Wie gesagt, der Infostand befand sich direkt gegenüber der Leseecke.
Auf dieser Messe waren eindeutig die allerdümmsten und inkompetentesten Frauen Deutschlands vertreten. Dieter Bohlen hätte seine helle Freude gehabt. Ich nicht.

Nach einer dreiviertel Stunde Warten gebe ich auf und beschliesse, auf einen Anruf zu warten. Ich schreibe einen Zettel und darauf, wann ich wo sein werde und möchte ihn eigentlich an der Information abgeben.

Die Tussi guckt mich von oben bis unten an und will wissen, wer ich eigentlich bin. Dass wissen sie sowieso nicht, ich möchte, dass sie den Zettel hergeben, wenn danach gefragt wird.
Sie hätte dort aber schon so viele Zettel. Wofür sie denn da sei, wenn sie diesen Zettel nicht annehmen will? Nun möchte sie eine Visitenkarte von mir haben.
Herrgott du dumme Schlampe, ich bin glücklich, dass ich mein Akkuladegerät dabei habe und du Dummerchen willst eine Visitenkarte? Sonst noch was?
Ich erkläre ihr so ruhig wie möglich, dass mein Name und meine Telefonnummer bekannt seien und sie nichts anderes tun muss, als diesen Zettel herausgeben, wenn derjenige fragt, ob eine Nachricht für ihn hinterlegt sei.
Es kommt mir fast so vor, als habe sie etwas zum ersten Mal verstanden, denn auf einmal lächelt sie und nickt. Ich würde am liebsten laut schreien, bedanke mich artig und gehe. Auf meinem Handy ist eine SMS angekommen, wo ich denn wohl wäre. Ich rufe zurück, stelle fest, dass man kaum was verstehen kann, bekomme dann noch eine SMS mit dem genauen Standpunkt.


Halle, Gang, Stand.
Ganz einfach.
Sollte man meinen.


Die Messegötter aber haben sich den Spaß gemacht, die Gänge nicht groß außen anzuschreiben, sondern man muss in einen Gang hineingehen, mit ungefähr 250 Menschen zur gleichen Zeit, um nach ein paar Metern dann erkennen zu können, dass es sich um Gang D handelt. Dann muss man sehen, wie man wieder herauskommt und die gleiche Prozedur im Nachbargang wiederholen, um so festzustellen, in welche Richtung man sich durcharbeiten muss, um in Gang G zu gelangen.
Diesen Spaß konnte man in allen Hallen erleben. Diese Messe schien mir zu großen Teilen komplett ohne Hirn geplant worden zu sein.

Das Handy höre ich auch nicht klingeln. Muss ich aber, weil meine Tochter abgedampft ist, um sich Kinderbücher anzugucken. Wenn sie genug geguckt hat, wird sie mich anrufen, damit ich sie aufpicken kann. Also stelle ich das Ding auf Vibrationsalarm und stopfe es mir in den BH, was sehr effektiv ist und im Laufe des Tages einige amüsierte Gesichter hervorrufen wird. Na und, ich merke es wenigstens, wenn ich angerufen werde, Beule hin oder her.



Pause
Pause



Der weitere Ablauf des Tages bestand daraus, viele nette Menschen kennenzulernen, so konzentriert wie möglich zu arbeiten, ein Vermögen für einen winzigen Salat auszugeben, der nach Pappe schmeckte und ab und an mal ein paar Minuten für mich zu haben. Ich blättere in ein paar Fotobüchern und wünsche mir, dass die Männer endlich aufhören würden, zu versuchen, Frauen erotisch zu fotografieren. Heterosexuelle Männer können das einfach nicht. Die können nur billige Männerfantasien einfangen. Ich ärgere mich und lasse die blöden Bücher liegen, mache ein paar langweilige Bilder von der Terrasse hinunter. Hier inspiriert mich einfach nichts. Ich finde es schrecklich.

Die Überraschung des Tages ist der Eichborn-Stand. So viele nette und zuvorkommende Menschen, das glatte Gegenteil der Messeorganisation. Ich mache etliche schöne und ruhige Fotos.
Am Nebentisch sitzt ein Mann mit interessanten Tätowierungen. Eigentlich würde ich ihn gerne fragen, ob ich ihn fotografieren darf, aber um ihn herum ist so viel los, dass ich nicht stören möchte. Später erkenne ich ihn wieder auf dem Cover des Buches, das er herausgebracht hat.
Ich sollte mich schämen für all mein Nichtwissen.

Nach Herumstöbern im Netz nach diesem Autor bin ich entsetzt. Keines der Bilder, die ich finde, zeigt den Mann, den ich gesehen habe. Ich ärgere mich noch jetzt beim Schreiben, dass ich nicht einfach hingegangen bin. Er sah aus wie jemand, mit dem ich Spaß beim Fotografieren gehabt hätte.



game over
game over

Am Ende des Tages muss noch ein Interview fotografiert werden, danach ist Chill Out bei Eichborn angesagt. Herr Oschmann, von dem ich bis zu dem Tag nicht einmal wusste, dass es ihn gibt, beschreibt sein Gefühl, wie es ist, von zwei Seiten fotografiert zu werden, sehr schön und so, dass ich diesen Satz wohl nie vergessen werde.


Wir verlassen langsam die Halle, sitzen lange im wartenden Bus, in den der Gestank der Klimaanlagenabluft zieht und unsere Hirne vernebelt. Ein letzter schöner und sehr treffender Eindruck dieser Messe. Freiwillig werde ich diese Konsumscheiße sicher nie aufsuchen.

Aus dem Parkhaus heraus mache ich noch ein paar Abendfotos und dann geht es wieder zurück, mit Zwischenstopp an irgendeinem Rasthof, ich bin zu sehr gefüllt mit Messeeindrücken, um mir den Namen merken zu können, hier tauschen wir unsere gesammelten Pipigutscheine in Essen und Kaffee um.

Ein anstrengender Tag. Viele nette Menschen, leider auch viele, die nur Hülle waren. Wieder mal die Menschen anders, als ich sie eingeschätzt hätte. Statt Hilfs-Bereitschaft hilf-lose Dummheit und statt erwarteter Arroganz ehrliche Herzlichkeit. Manchmal könnte ich mich für meine Vorurteile ohrfeigen.
Und auch wieder die Bestätigung, dass ich nicht für solche Massenevents gemacht bin. Zu viele Menschen machen mich kirre, bringen mich aus dem Konzept, nehmen mir die Fähigkeit, mich auf einen einzelnen Menschen zu konzentrieren. Es war eine spannende Erfahrung und beim nächsten Mal werde ich ein paar Sachen besser machen und organisieren.

Vor allem werde ich das vorbereitete Essen aus dem Auto mitnehmen ;-).

drowning
drowning







Published at 21:25 ( 13 comments / 406 visits )
This post is public

October 18, 2008

unten rechts, unten links und oben innen aber bunt

Ich habe einmal auf eine Haustürklingel gedrückt, weil das Auto zugeparkt war. Der Klingelblock war im Türrahmen rechts von der Tür. Die sehr genervte Frau antwortete auf meine Fragen, ob sie wisse, wem der blaue Golf gehöre, mit den Worten "immer unten rechts" und ich dachte mir, dass sie aber verdammt dünnhäutig ist.

Wie es der Zufall so will, zog ich ein paar Monate später in das Nachbarhaus. Dort war der Klingelblock im Türrahmen links von der Haustür und ich hatte zwar die Wohnung unten rechts, meine Klingel aber war unten links.
Nach drei Wochen waren meine Nerven ebenso durchgescheuert wie die meiner Leidensgenossin und ich habe mir geschworen: nie wieder die unterste Klingel.

Mittlerweile wohne ich in einem anderen Bundesland, auch wenn es sich anfühlt wie ein anderer Planet. Ich wohne ganz oben, die Klingel ist ebenfalls ganz oben, auch nicht aussen, sondern innen.
Frau Simon hat uns ein schönes Klingelschild gemalt: bunt, fröhlich, passend (und wahrscheinlich das einzige bunte Klingelschild in dieser Stadt, aber das nur am Rande). Ein buntes Klingelschild zwischen all der schwarzen Schrift auf weissem Grund.

Die Klingeln hier im Haus sind laut und so penetrant, dass ich, wenn ich im Flur stehe, auch noch höre, wenn in einer Erdgeschoßwohnung geklingelt wird. Die Haustür ist immer zu und wer auch immer ohne erwartet zu werden ins Haus will, muss klingeln.
Postboten, Paketzusteller, Zeugen Jehovas, die Caritas, der Drogenfahnder, der Pizzabringdienst, der den Namen falsch notiert hat, der verliebte junge Mann mit dem heimlich abzulegenen Blumenstrauss, die Nachbarin ohne Schlüssel und der Reinigungsdienst.

Nun sollte man ja meinen, diese Leute drücken eine Klingel unten rechts oder überhaupt einfach unten, damit sie gleich ihr Anliegen loswerden können.

NEIN!!!

Tun sie nicht. Sie klingeln da, wo es bunt ist. Bei uns. Immer. Ich kann es verstehen, wenn hier im Herbst die kirchlichen Bettlerinnen durchs Haus ziehen. Oben klingeln, damit man nicht sofort wieder rausgeschmissen wird. Aber da sind noch ein paar andere Klingeln in der Reihe :-((((

Normalerweise lässt mich sowas kalt. Wenn ich nicht weiss, dass jemand kommen will, dann fühle ich mich in unserer Dachwohnung ganz oben, ganz hinten in der Ecke, nicht verpflichtet, die Türöffnerin zu spielen. Aber in dieser Woche war Vollmond und das bedeutet, dass ich über Tage hinweg nie mehr als zwei Stunden am Stück schlafen konnte und mich auf das Ausschlafen heute, bevor ich morgen in aller Frühe zur Buchmesse losfahren muss, besonders gefreut habe.

In dieser Stadt gibt es zwei Briefzustelldienste. Den gelben und dann gibts noch einen privaten. Der private kommt morgens zwischen 7 und 9 Uhr, der gelbe zwischen 11 und 13 Uhr. Und Samstags sind da immer irgendwelche Aushilfen ohne Schlüssel unterwegs.
Es wäre also gar nicht möglich gewesen, dass das aus-dem-Schlaf-reissen zumindest relativ zeitnah passiert.

Während ich mich um das leibliche Wohl unserer Meerschweinbabies im Halbdunkel und Halbschlaf kümmern konnte, hat mich der erste Zusteller dann so richtig aus dem Tiefschlaf gerissen, in der Hocke habe ich vor der Badtür weitergedöst, bis Frau Simon mit geschlossenen Augen dort wieder herauskam ... und als ich dann wieder im Bett lag und eigentlich noch ein wenig hätte weiterschlafen können .... da war ich dann richtig glockenwach.

Und jetzt warte ich sehnsüchtig auf die Schlafenszeit, wohl wissend, dass es morgen, obwohl Klingelruhe zu erwarten ist, kein Ausschlafen geben wird...

Und gleich am Montag werde ich unsere drei Namen mit schwarzem Stift auf weisses Papier schreiben, damit ich am nächsten Samstag meine Ruhe habe.

Aber wahrscheinlich kommt dann ein Päckchen für mich.

Published at 15:56 ( 1 comment / 209 visits )
This post is public

October 6, 2008

blog-kade

Alle bloggen. Und vor allem: man kann alles bloggen, vom Link bis hin zur aktuellen Lage im Verdauungstrakt.

Auch ich möchte mich diesem Trend nicht verschliessen, bin auch seit einiger Zeit schon bei Blogspot angemeldet, wo ein Testbeitrag ein einsames Dasein fristet und ich vernachlässige ein Fotoblog.

Wenn man alles bloggen kann, dann ist das für mich schonmal grundfalsch, denn dann verbringe ich Jahre mit der Entscheidung, was ich möchte.
Und vor allem: will die Welt überhaupt erfahren, was ich für mitteilenswert halte? Was mich bewegt, lässt Herrn A. aus Funafuti vermutlich ziemlich kalt - sofern er überhaupt über ein Internet verfügt und dann auch noch rein zufällig mein Blog findet und die Worte dem Babelfisch füttert.
Nein, ich glaube, dass Herr A. doch ganz andere Interessen als ich hat.

Ich könnte sicher blind drauflostippen und meinen Tag erzählen. Dass es mich freut, dass die Touristen, die mir im Sommer ständig vor die Füße laufen und wegen denen ich die Innenstadt meide wie der Teufel das Weihwasser, langsam weniger werden.
Oder interessiert es vielleicht jemanden, dass ich auf der Suche nach einem Lippenstift in dem einen, dem speziellen Rot bin? Dass ich darum heute meinen rechten Daumen vollgemalt habe mit Lippenstiftstrichen und später nicht mehr wusste, ob der dritte Strich von links nun Lauder oder Clinique war?
Nein? Interessiert niemanden? Ich hatte so etwas befürchtet.

Ich bin nicht wirklich über diese Finanzkrise informiert. Grundsätzlich interessiert mich Geld nicht und Politik schon gar nicht. Die USA sind mir seit der Wiederwahl ihres suspekten Herrn Bushs nicht mehr geheuer und ich schalte auf Durchzug bei jeder Meldung von dort.
Gottseidank durfte ich heute mehrere Damen mittleren Alters belauschen, die sich einig waren, wie man vorzugehen hat: sofort das Gehalt vom Konto abheben! Vielleicht sollte ich diesen Tipp über mein Blog verbreiten, damit alle davon profitieren können?

Alternativ könnte ich aber auch ein paar Links absurfen, die Inhalte jeweils kurz umschreiben und dann weiterverweisen? Das machen viele, aber gefallen tut es mir nicht.

Man merkt, ich tue mich schwer, zu bloggen. Bin ich doch ein Mensch, der sein Privatleben wörtlich nimmt und keineswegs dazu neigt, seine Seele wie eine Handtasche vor dem Internet auszukippen und vor aller Augen die leeren Bonbonpapierchen von den noch verpackten Tampons zu trennen und die Taschentücher nach Verknautschtheitsgrad zu sortieren.

Nein, Menschen wie ich sollten nicht bloggen. Sie sollten das tun, was sie tun müssen.
Auf mich wartet ein Stativ, eine Kamera und ein Kasten mit warmen Heizwicklern. Das klingt zwar nicht besonders intelligent, wird aber voraussichtlich ein eleganteres Ergebnis erzielen als mein kläglicher Versuch, zu bloggen.

Das Ergebnis? - Wird gebloggt, versprochen!


Published at 18:59 ( 5 comments / 313 visits )
This post is public

September 29, 2008

gestohlene Äpfel

Ein wunderbarer Herbstsonntag. Die Natur schmückt sich mit ihren schönsten Farben und strahlt mit der Sonne um die Wette.

Es ist zu heiss für die Jacke, im Pullover schlendern wir durch die warm duftenden Felder, sehen den Bauern zu, wie sie ihre Ernte einbringen, hören den letzten tapferen Grillen zu und lassen uns noch einmal wärmen von der Herbstsonne, die fast schon zu grell ist.

Bei jedem Schritt rascheln die vom Sommer noch trockenen Halme unter den Füssen, es duftet schon nach Herbst und ein klein wenig noch nach Sommer, so unentschieden, als könnten sich die Jahreszeiten nicht von einander trennen.

Ein Baum steht am Wegrand, ein kleiner, fast unscheinbarer kleinen Baum. Seine dürren Äste hängen herunter unter der Last von vielen Äpfeln. Es waren bereits Diebe da, alle Äste in Griffweite sind leer, abgeerntet, nackt. Wir schauen uns um. Wem mag dieser Baum gehören?

Die Größte springt nach den höheren Ästen, der Lohn sind gestohlene Äpfel.

Die Bequemlichkeit lässt uns im Supermarkt unser Obst kaufen, Äpfel aus Chile und Neuseeland, einheitlich, auch im Geschmack. Wie Äpfel schmecken sollen, die Erinnerung lange verräumt, ein wenig staubig, doch dieser Apfel, ungleichmäßig gefärbt und verbeult, lockt sie wieder hervor. Die Herbstnachmittage im elterlichen Garten, die Essenspausen unter dem Baum, während die Eltern die Arbeit tun.

Es ist für einen Moment wieder denkbar, dass damals vielleicht doch die Vertreibung aus dem Paradies mittels eines Apfels möglich war, schliesslich hatten die Äpfel damals noch keine Etiketten und haben ganz sicher nach Apfel geschmeckt.

Dort, wo die Sonne den kleinen Apfel an der Wange gekitzelt hat, ist er rot und sanft süß, dort wo die kuscheligen Blätter der heranwachsenden Frucht Schatten und Schutz boten, schmeckt er zungenkitzelnd sauer. Keine Gleichmäßigkeit. Kein perfekter Einheitsgeschmack. Er schmeckt nach Sonne und Regen, nach Wind und sanft schaukelnder Sommerbrise.

Der Geschmack verändert sich auch, je weiter wir ihn essen. Das Kind, völlig überrascht von dem bis dahin unbekannten Genuss, beknabbert das Kernhaus, bis es ganz nackt ist. Vergessen die Angewohnheit, die perfekt gerundeten, genormten Äpfel nur bis zur Hälfte zu essen. Dieser Apfel ist ein Abenteuer.

Die Kernhäuser werden wohlüberlegt und mit vielen guten Wünschen ein Stück bergab am Wegesrand abgelegt, mögen sie zu eigenem Leben erwachen und vielen Menschen so viel Freude an ihrem Diebesgut schenken wie uns.

Herbstsonntag
Herbstsonntag

Published at 23:52 ( 4 comments / 262 visits )
This post is public


( 9 posts )

rss Latest posts - Subscribe to the latest posts of 22XX

 

Català | Čeština nové | 中文 | Deutsch | English | Español | Esperanto | Ελληνικά | Français | Galego | Italiano | Nederlands | Português | More...