Ich betrachte die Schlafzimmerdecke,

ich betrachte die Schlafzimmerdecke,

ich betrachte die Schlafzimmerdecke.

„Guten Morgen mein Schatz, na hast Du gut geschlafen?“

Geschlafen? Ich schlafe schon ewig.

Meine Augen blicken auf meine Mutter.

Sie lächelt mich an, doch ich erkenne in Ihren Augen Schmerz.

„So, jetzt werde ich Dich erst einmal waschen.“

Waschen, wozu? Ich liege doch schon ewige Zeiten im Koma und habe mich nicht angestrengt.

Mein Körper schmerzt an jeder Stelle und ich versuche zu Schreien.

Doch was kommt?

Ein Stöhnen.

Meine Mutter hingegen freut sich. Ein Ton von „mir“!

Beim Waschen werde ich liebevoll gestreichelt, während meiner Mutter der Schweiß der enormen Anstrengung auf der Stirn steht.

Sie muß meine Windel wechseln, die einer 25jährigen Frau.

Mein Gesicht wird rot.

„Schätzchen habe ich Dir weh getan?“

Besorgt blickt meine Mutter mich an.

Mutter ich kann Dir nicht antworten, doch meine Schmerzen befinden sich tief in mir drin.

Ich weiß, daß ich nicht „mehr“ erwachen werde.

Ich kann denken, es jedoch niemandem „mehr“ zeigen.

Mich nicht „mehr“ äußern und mich nicht „mehr“ bewegen.

Ich weiß es, „nie mehr“!

Bitte laß mich sterben, damit Deine und die meine Qual endlich ein Ende nimmt.

Nach zweieinhalb Jahren müssen wir die Hoffnung aufgeben.

Hilf mir, so hilfst Du Dir.

Ich glaube an kein Wunder mehr.

Der Tag vergeht extrem schleichend, so wie alle zuvor.

Meine Mutter sagt mir liebevoll Gute Nacht.

Ich versuche Ihr mit meinen Augen meine Liebe zu zeigen,

denn ich weiß der nächste Tag wird frei sein von jeglicher Qual.

Für Sie und für mich.

(Petra Kirsch)