Ich hasse Nachtflüge. Man schläft kaum, bekommt mal ein Stewardess-Wägelchen an den Kopf geknallt und wird durch Warnungen des Kapitäns aufgrund von Turbulenzen geweckt. Diesmal muss es sogar recht ernst gewesen sein, denn man durfte noch nicht einmal zur Toilette. Wirklich mitbekommen hab ich in meinem zweistündigen Schlaf aber nichts.

Morgens um 5.30 war ich dann endlich in Frankfurt gelandet. Durch die Passkontrolle ging es fix, das Gepäck hatte ich auch schnell und dann nur noch an den Taxistand und ein Taxi bestiegen. Die Fahrt ging los, ich war müde und hatte riesiges Pech mit dem Taxi, denn der Fahrer redet wohl gerne mit seinen Fahrgästen.

"Mit welschem Fliescher sind se gekomme? Der aus Boston, gell?"
"Ja"
"Isch war auch schon oft dort"
"Aha"
"Sie sin' müd, gell?"
"Ja"

Jetzt waren mir die Augen tatsächlich zugefallen.

"Des seh' isch, bei Ihne falle die Rolllade immer wieder zu."

Jetzt hat er's verstanden, dachte ich, ich will nicht reden, nur ein kleines Nickerchen machen. Pustekuchen:

"Ja, des kann ich mir denke, ich schlaf auch nie im Fliescher wenn's in die Nacht geht, des Geruckel und dann isses ja auch so eng.... und dann war isch es erste Mal 1972 in Boston...(eingenickt) ... als mer dann '88 in Neu Mexiko warn, simmer auch mal in ....(schnarch).... war'n se da auch schon mal?"
"Wo?"
"Ei in Los Angeles. Sie hörn mer net zu, gell?" - jetzt hat er's gemerkt - "also da war'n mer dann in de Universal Studios ...."

Ich bring ihn um. Ich schrei ganz laut. Er nervt, er tut mir leid, ich bin jetzt freundlich und erzähle irgendwas, muss ich aber gar nicht lange, denn endlich kommt Heppenheim. Hurra! Ich bin ihn los!

Denkste. Wir halten vor unserem Haus. Ich freue mich auf Claudia und die Kinder. Die schlafen jetzt noch und ich kuschel mich ins Bett dazu -freu. Doch weit gefehlt. Ich hatte extra vorm Einsteigen ins Taxi gefragt ob er Kreditkarte nimmt. "Ja" hat er gesagt. Jetzt geht's ans bezahlen und natürlich nimmt er keine Karte. Da ich kein Bargeld bei mir habe müssen wir zur Volksbank fahren. Also durch die Stadt, ich lotse ihn mit möglichst wenig Worten. Und ach wie findet er die Stadt so schön.

"Ei, was is' des für ein schönes Städtsche. Richtisch schön isses hier. Ach gucke mal, da, die Stühl und die Tisch von dere Kneipp stehn ja noch drauße. Ja in Frankfurt wär des alles schon weg. Gibt's hier noch Wohnunge?"
"Keine Ahnung"
"Wirklisch schön isses hier, ja was schöne Häuser."
Jetzt fehlt nur noch, dass er mich fragt, ob er bei uns einziehen kann. ... Nein. Das tut er dann doch nicht.

Jetzt endlich ins Bett gekuschelt und sich freuen wieder bei Claudia und den Kindern zu sein.

Kommt man von Reisen, kann man was erzählen. Manchmal muss man aber gar nicht so weit gehen, um was "andres" zu erleben.