Ständig kommt Fußball im Fernsehen. Wovon man noch vor 15 Jahren kaum zu träumen wagte ist jetzt Wirklichkeit. Und ich muss sagen, es ist kaum auszuhalten. Mir geht es da gerade so, wie meiner Tochter Elena vor Jahren im Kindergarten.

Elena liebt Kuchen, überhaupt Süßigkeiten. An einem Tag im Oktober stand sie plötzlich vor ihrer Erzieherin und musste bitterlich weinen. "Aber was ist denn los, Elena? Was hast Du denn?" "Heute wird schon der dritte Geburtstag in der Gruppe gefeiert, letzte Woche waren es schon zwei und die Woche davor vier. Ich will keinen Kuchen mehr, ich will keinen Geburtstag mehr feiern", und die Tränen kullerten.

Ja, und wenn ich mich schon daran erinnere, dann denke ich auch gleich an Bölls Kurzgeschichte "Nicht nur zur Weihnachtszeit", in der eine Familie jeden Tag Weihnachten feiern musste. Am Schluss saßen nur noch Atrappen am Tisch und die Mutter war glücklich und hat es nicht gemerkt.

Und so geht's mir jetzt also mit dem Fußball. Ich kann's nicht mehr sehen im Fernsehen. Ein öder Kick nach dem anderen, dann wird das ganze noch von Experten hochgejazzt. Ich liebe Fußball, aber das wird jetzt selbst mir zu viel. Jedes Spiel muss ich mir nicht mehr antun. Zum Glück hat man ja die Wahl und kann auch abschalten. Da habe ich dann zu Elenas Kindergartenzeit etwas voraus, denn sie musste damals dann doch wieder "Wie schön dass Du geboren bist" singen.