Heute sind Claudia und ich beim Frankfurt-Marathon mitgelaufen. Wir schworen uns danach, dass es der letzte war - zumindest in diesem Jahr.

Wir sind getrennt gelaufen, also musste ich mein Tempo finden. Es war saukalt. Ich dachte, dass heute 15 Grad angesagt waren, stand also mit kurzen Hosen und Kurzarm-Shirt da, bei 6 Grad. Uns war kalt - besser gesagt, mir war kalt. Denn Claudia hatte 3/4-Hosen an und Langarm-Shirt. Sie sagte, dass doch so kaltes Wetter gemeldet war. Super. Mit dem Wissensvorsprung wollte sie also ins Rennen gehen.

Ca. 20 Minuten vor dem Start ging es nochmal auf ein tolles Pixi-Clo - besser gesagt ein sternförmiges Pissoir, an dem gleich vier ihren Bedürfnissen nachgehen konnten. Dann ging es in den Startblock, man stand und stand und wartete. Endlich der Startschuss. Die Elite lief los, wir noch nicht, wie sollte ich denn da gewinnen, wenn die anderen gleich 9 Minuten Vorsprung bekommen sollten. Dann gíng es also los und bei all der tollen Vor ereitung musste ich nach 200 Metern nochmal auf Toilette. Super - bei 12.000 Läufern, einem Haufen Zuschauern wo sollte ich da hin? Ich konnte ja auch nicht 20 Kilometer so weiter laufen. Guter Rat war teuer. Sollte ich es wie die Radfahrer machen? Lieber nicht. Ah, nach 800 Metern fand ich noch ein vereinsamtes Pixi. Dann konnte es weiter gehen, Nachdem ich mich nach 50 Metern von Claudia verabschiedet hatte, musste ich sie jetzt wieder einholen. Und dann ging es weiter.

Ich war gut unterwegs, fühlte mich eigentlich ganz gut. Mein Kopf war leer, ein Umstand bei dem der eine oder andere jetzt sagen könnte, dass ich dafür doch ar keinen Marathon laufen müsste, das wäre doch bei mir ein Dauerzustand. Egal, jedenfalls habe ich es nun also selbst so fühlen können...

Kilometer Elf, ich war bei 58 Minuten, ich war gut in der Zeit. Plötzlich Kuhgebimmel. Das war leicht zu erklären, denn vor mir lief ein Ök in Batikhosen, Armbändern bis unter die Achseln und einem Glöckchen um den Hals. Goldig war er. Es ging weiter.

Mittlerweile war mir auch mehr als warm, ich schwitzte mächtig und mein Baumwollshirt war durchgeschwitzt. Ja, ich war heute der Naturbursch, nicht in suprermodernem Läuferequipmtent - das war heute auch angenehmer so.

Bei Kilometer 21 / Halbmarathon war ich noch super in der Zeit, in 1.53 ging ich durch. Ich konnte heute 3.43 schaffen. Aber es war ja noch ein Stückchen zu laufen. Jetzt kamen wir durch Höchst. Eine längere Steigung war zu nehmen, war ok, obwohl, nach den bereits gelaufenen Kilometern waren die Beine doch recht sauer.

Bei Kilometer 26 war ich eigentlich recht fertig. Immer noch in der Zeit, kam der Mann mit dem Hammer. Nun gab es den Kampf "Kopf gegen Körper" - der Körper wollte nicht mehr, mit fiesen Tricks wie harten Oberschenkeln oder einem Ziehen in der Wade möchte er einen zum Aufgeben bewegen. Doch der Kopf lässt es nicht zu - doch aus dem "Lauf weiter" wird manchmal ein "Mach doch mal eine Pause". Jetzt musste ich mir die Strecke in Scheibchen schneiden. Bis zur nächsten Verpflegung bei KM 30, das geht noch, Und dann weiter. Die Mainzer Landstraße ist verdammt lang, Ich blicke auf die Straße 3 Meter vor mir, bilde mir ein ich bin ein Kilometerfresser - obwohl, der Bauch des Kilometerfressers ist schon voll - mir ist zum Kotzen... Aber weiter. Ich will es schaffen.

Bei Kilometer 35 fühlt es sich an, als hätte man es geschafft. Noch lächerliche 7 KM, das ist ein Klacks. Jetzt nur nicht weiter nachdenken und Laufen. Ist gar nicht so einach immer auf dem Laufenden zu bleiben, bei welchem KM man sich befindet, vor allem wenn man auf die Straße starrt und als Kurzsichtiger beim Lauf die Brille abgibt (ich kann nicht mit, das nervt mich nur). Also immer mal wieder hochgeklortzt und auf weiße Schilder geschaut. Manchmal merkt man erst von sehr nah, dass man die ganze Zeit auf ein Schild des Autohaus Schmidt gestarrt hat.

Irgendwann musste aber doch wieder eins kommen. Der Blinde fragt den Lahmen: "Müsste nicht bald KM 38 kommen?" - "Keine Ahnung, aber ich hoffte eigentlich, dass bald KM 39 kommt." Schnauf. Dann die Erlösung: KM 39. Jetzt noch ein kleiner Warm-up von 3 KM. Wir laufen wie die Roboter. Gegenüber auf der anderen Straßenseite kommt mir Claudia entgegen. Sie hat noch ein bißchen länger zu laufen. Gut schaut sie aus!

Ein Endspurt sind die letzten Kilometer nicht, sondern nur noch ein Durchhalten. Die drei Kilometerchen sind locker - schön wärs, nicht mit Streichhölzern als Beine. Und so laufen wir in die Festhallle.

Noch 50 Meter. Und jetzt kommt die Gänsehaut der Verzückung. Geschafft. Endlich geschafft. Endzeit 3.51 - ist mir eigentlich erstmal egal. Raus zur Verpflegung, erstmal ein Kilo Trauben, drei Bananen, Wasser. Dann warte ich auf Claudia, irgendwann kommt sie mit 4.26, ich friere wieder wie ein Schneider, hole uns jetzt noch eine Suppe, ich zieh mir noch einen Caro-Kaffee rein (Kuchen wäre nett) und einen Becher gesalzene Erdnüsse.

Dann geht es in die Messehalle zurück und holen uns abgespannt unsere Sachen. Hier riecht es wie in einer Wolfshöhle. Aber was will man denn auch erwarten!

Jetzt das Highlight: ab nach Hause, geduscht und dann ohne schlechtes Gewissen ein Big Mac Menue für mich, ein Royal TS Menue für Claudia und 20 McNuggets für uns beide. Zum Nachtisch ein Twix und ein Mars.

Ob ich satt bin? Bei der Raupe Nimmersatt wäre ich jetzt erst beim Lolli - wenn Ihr versteht was ich meine.