Ich fahre gerne mit der Bahn. Jeden Tag nach Frankfurt und wieder zurück. Man kann gut abschalten dabei, man kann lesen, dösen oder mit dem Computer herum klimpern. Man schaut aus dem Fenster, hört Musik und ist manchmal von den Mitreisenden genervt. Aber nur manchmal.

Seit geraumer Zeit fährt ein Kollege aus dem Büro die gleiche Strecke. Auf dem Hinweg bleibe ich unbehelligt, denn er steigt erst später zu. Auf dem Rückweg bin ich meist für mich, da ich einen Zug später fahre. Nur an Tagen, an denen ich das Training halte, muss ich auch mit dem früheren Zug fahren. Ich halte mich nicht für unkollegial, aber wenn ich das Büro verlasse, möchte ich eigentlich nicht mehr über die Arbeit sprechen, und am aller wenigsten am Abend. Ich möchte meine Ruhe und sonst nichts. In unserer Gesellschaft hat man ja gelernt solche Dinge dem Gegenüber nicht zu sagen, denn das gilt als unhöflich. Ist es ja auch, aber was tut man? Man macht sich anders aus dem Staub.

Ich habe mir heute meine ruhige Heimfahrt damit erkauft, dass ich mir noch einen frisch gepressten Saft geholt habe und so auf dem gemeinsamen Weg zum Zug links abbiegen musste. Die Jamaica Queen sollte es sein. Für 2.50 Euro – verdammt teuer für einen 0,3 ml Becher, aber das war es mir wert, denn die Stunde gehörte mir allein, ohne irgendwelche Arbeitsabläufe kollegial in arbeitsfreier Zeit in Nachbetrachtung zu zerlegen.

Ein hoch auf die Jamaica Queen, der Inflation mit Gleichgültigkeit begegnet und einen kalkulierten Preis für ein kleines bisschen Freiheit im Zug erkauft – "die Fahrkarten bitte" – jetzt haben sie mich wieder, der Schaffner nervt.