Unter Tändeln und Scherzen verstrich der Tag am Meer, ohne dass Leopold eine zündende Idee kam, wie er die in Geiselhaft befindlichen Zwerge hätte befreien können. Zunehmend steigerte er sich in eine geheime Wut über die Dummheit dieser Schaustellerbande.
Wie konnten sieben große Kerle in eine solche Lage geraten, und wie sollte ein kleiner Hartbrandwichtel wie er dieses Problem lösen? Künstler schienen für das wirkliche Leben nicht geschaffen zu sein, und er schob einen Großteil der Schuld auf dieses Schneewittchen, das die hohlen Köpfe der Zwerge verhext haben musste. Aber Leopolds kleines Hartbrandwichtelherz hatte auch einen winzigen Hüpfer getan, als er der schönen Gestalt ansichtig geworden war, und so machte sich eine Mischung aus Verständnis und Zorn in ihm breit, die er in den mäßig kühlen Fluten des Mittelmeeres auf erträgliche Temperatur brachte.
Als die Abendkühle sich über den Tag legte, begab sich der Wichtel wieder in die Altstadt. Ziellos strich er durch die Gassen, immer auf der Suche nach einer Inspiration, nach einem Fingerzeig des Schicksals, nach einem Rettungsanker, nach einer Lösung für das Problem, das ihm nicht aus dem Kopf ging.
Schon müde vom anstrengenden Laufen auf den unebenen Straßen der alten ligurischen Stadt, vernahm er plötzlich lautes Gezeter aus einer der geöffneten Türen. Irgendetwas in Leopold veranlasste ihn, lauschend zu verharren, und seine wichtelige Intuition hatte ihn nicht getrogen. „Antonio!! Keinen Tropfen mehr, du Säufer!“, drang es aus dem Inneren des Hauses. „Den ganzen Tag lungerst du nur herum, während ich in Pietros Küche schufte, damit wir was zu essen haben. Eine große Erfindung willst du machen? Dass ich nicht lache!! Das erzählst du mir seit dreißig Jahren, und nichts, aber auch gar nichts hast du geschafft! Dein letzter Einfall hat uns die Mafia auf den Hals gehetzt! Wenn ich nur daran denke! Ein Zusatz, der Beton schneller härten lässt! So ein Schwachsinn! Das Gegenteil war der Fall. Die Betonschuhe zerfielen von deinem Zeug, sobald sie das Wasser berührten! Was hast du da nur wieder in deinem besoffenen Kopf … ach, ich will es nicht mehr hören!!“
Eine Tür im Haus fiel krachend zu, und Leopold ließ sich verdutzt das soeben Gehörte durch den Kopf gehen. „Das könnte die gesuchte Lösung sein“, dachte er bei sich und schlich sich vorsichtig an das Haus. Durch die immer noch offen stehende Außentür spähte er in eine kleine, spärlich möblierte Stube, in der an einem Tisch ein älterer Mann mehr hing als saß. Vor ihm stand ein kleines Glas, das noch zur Hälfte mit Rotwein gefüllt war. Das Abendlicht spielte im Einklang mit dem leichten, vom Meer durch die Gassen wehenden Wind ein friedliches Lied. Antonio war offenbar von der soeben erlebten Szene völlig unbeeindruckt, denn ein zeitweiliges Schnarchen übertönte das schnarrende Geräusch des klapprigen Ventilators. In der Ecke lag eine abgemagerte Katze, die den Kopf hob, als Leopold leise in den Raum trat.
Gerne hätte sich Leopold mit dem verkappten Erfinder unterhalten und ihn direkt nach dieser seltsamen Substanz gefragt, die angeblich Beton erweichen konnte. Doch das wäre zu gefährlich gewesen, und so schaute der Wichtel sich in dem Raum um. Auf einem rostigen Kocher standen mehrere schmutzige Behälter, ein Regal mit Flaschen undefinierbaren Inhalts schloss sich an. Wie sollte Leopold aus diesem Wirrwarr das richtige Mittel finden? Doch da kam ihm der Zufall in Gestalt der dürren Katze zu Hilfe, die sich neugierig an den ratlosen Hartbrandwichtel heranpirschte und dabei eine Dose umstieß, die scheppernd über den Steinboden rollte und vor Leopold liegenblieb. „Calcestruzzo duro“ stand mit zittriger Schrift auf dem schmutzigen Etikett. Das musste der nutzlose Betonhärter sein, ein Pulver also, das dem Beton beigemischt werden sollte. Wild entschlossen griff Leopold nach der Dose und machte sich so unauffällig damit aus dem Staub, wie er gekommen war. Das Schnarchen Antonios verfolgte ihn bei seiner Flucht wie eine Drohgebärde, doch Leopold konnte sich nicht weiter um dieses Einzelschicksal kümmern und rannte so schnell ihn seine Hartbrandwichtelbeine tragen konnten hinunter in die Stadt.
Am nächsten Tag machte Leopold sich auf den Weg zu der Mauer, auf der die gefangenen Zwerge wie jeden Tag in der gleißenden Sonne standen und unterbreitete ihnen seinen Plan. Natürlich wusste der Wichtel nicht, ob es so funktionieren würde, wie er sich das in der Nacht ausgedacht hatte. Aber einen Versuch war es Wert. Was sonst konnte er auch tun, um den sieben Zwergen und ihrem Schneewittchen zu helfen? So kamen sie denn überein, dass Leopold das Pulver aus der geraubten Dose über den Betonfüßen der Zwerge verteilen würde. Danach müssten sie nur noch auf Regen warten, was zugegebenermaßen in dieser Gegend eine Geduldsprobe darstellte. Doch auf ein paar Tage mehr oder weniger kam es nun auch nicht mehr an, und man zeigte sich allgemein erfreut, dass die Rettung nahe war.
Nach getaner Arbeit beschloss Leopold, die verbleibenden Tage am Mittelmeer zu genießen, denn es schien ihm, dass er sich das redlich verdient hätte. So suchte er denn das erste Haus am Platze auf, um sich am Ausblick zu ergötzen, und es störte ihn nicht einmal, dass die brennenden Sonnenstrahlen begannen, seine Kleider ein wenig auszubleichen. Leopold fand, dass eine gewisse Patina seinem Aussehen etwas mehr Würde verleihen und ihn reifer erscheinen lassen könnte.
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| Herr, schick Regen! |
Zufrieden mit sich und seinen Taten wartete er auf den Regen, und er schob sogar noch ein paar kulturelle Erkundungen ein, besichtigte die alte Kirche am Strand und unterhielt sich mit der Statue der Königin Margherita, die ihren Standort am Meer mit der wunderbaren Aussicht genoss, wie sie dem Zwerg lebhaft versicherte.
Als wenige Tage später um die Mittagszeit von Westen ein Gewitter aufzog, eilte Leopold zum Tatort, und tatsächlich ging sein Plan auf. Die anfänglich sacht fallenden Regentropfen lösten das Pulver vorsichtig auf und begannen, auf die Betonfüße zu wirken. Langsam fraß sich die aggressive Mischung in die festen Klötze hinein, und als der Platzregen einsetzte, wusch das Regenwasser die Reste zügig fort. Die befreiten Zwerge begannen, auf der Mauer zu hüpfen und zu tanzen. Dabei sangen sie so laut ihr „Heiho, heiho, da sind wir wieder froh …“, dass Leopold um Entdeckung fürchtete und sie schnell zur Ordnung rief. Er befahl ihnen, augenblicklich herunterzuspringen und ihm zum Bahnhof zu folgen.
Erst als die zuvor Befreiten endlich in einem Gepäckwagen verstaut und abgereist waren, atmete Leopold auf. Dieses Abenteuer war bewältigt, und der Wichtel fühlte sich reif für einen kleinen Urlaub.
~~~ Fortsetzung folgt ~~~
Beginn der Geschichte:
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Varinpro says:
Leopold replies:
Pandarinepro says:
Und danke, dass du mich auf eine gute Idee gebracht hast: Ich gehe jetzt erst mal eine Runde Tändeln und Scherzen! :-D
Leopold replies:
*Kurt & Mary*pro says:
gin_ablepro says:
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Inkenpro replies:
Leopold replies:
übrigens las ich später in der zeitung, dass sie wieder im geschäft sind. offenbar haben sie es geschafft, sich bis zu ihrem ehemaligen agenten durchzuschlagen, der sofort alles für ein comeback in die wege geleitet hat. eine neuauflage des alten films auf DVD und blue ray ist geplant. das buch zum film wird auch als hörbuch erhältlich sein. außerdem planen sie eine RAP-fassung dieses heiho, heiho -liedes. :o)
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Inkenpro replies:
Leopold replies:
ich übersetze jetzt erst mal weiter ... und dann fahre ich in urlaub. österreich müsste schön sein, denk ich. :-))
A.Meise says:
:-)
Leopold replies:
schön finde ich, dass ihr so oft an mich denkt, wenn ihr was zum thema seht. danke. :-)
Inkenpro replies:
Leopold replies:
der sitzt immer noch in der katholischen bücherei und liest in dem buch, das meine lebensgeschichte erzählt. wenn dieser hohlkopf mal vorne angefangen hätte, statt in der mitte über meine befreiungsaktionen zu lesen, dann wüsstest du mehr über mich. ich hab ja nicht als held angefangen. selbstverständlich bin ich in der wichteloberschule gewesen ... und habe sogar meinen abschluss ganz ordentlich gemacht. wie es dazu kam, dass ich der gartenfee begegnete (wie später auch eugen), ist eine andere geschichte ... und eigentlich bin ich sowieso nur noch der geist meiner selbst. aber auch bis zu der stelle ist eugen noch nicht gekommen. er liest halt sehr langsam. schließlich war er bis vor kurzem nur ein armer wicht, der im garten rumstand und hie und da mal was aufschnappte. aber er wird schon lernen, worauf es wirklich ankommt. :-)
Pandarinepro replies:
Das finde ich aber auch!!!
Leopold replies:
:-))
Pandarinepro replies:
Danypro says:
Vive Leopold
Leopold replies:
*Kurt & Mary*pro says:
Übrigens, unser Bruno hat drei neue Freunde bekommen. Mal sehn wann sie sich ablichten lassen