Der Tag neigte sich bereits, als Leopold in Bordighera eintraf. Es hatte eine Weile gedauert, in Nizza ein passendes Fahrzeug aufzutreiben, aber ein Lieferwagen, der Blumen zum Flughafen gebracht hatte und nun leer zurück fuhr, bot schließlich die günstige Gelegenheit, auf die der Wichtel stundenlang gewartet hatte.
Den Kopf schwer von trüben Gedanken hatte Leopold kaum Augen für die Schönheit der Landschaft gehabt, zudem er in seinem klapprigen Verschlag ohnehin nicht viel von der Blumenriviera erspähen konnte. Aber für Vergnügungen sollte Zeit genug sein, wenn endlich die Mission, derentwegen er die beschwerliche Reise auf sich genommen hatte, erfüllt sein würde.
Zunächst suchte er aber in der malerischen Altstadt Bordigheras nach dem Ort, wo seines Wissens mehrere Gartenzwerge in grausamer Geiselhaft gehalten werden sollten. Leopold konnte sich gar nicht erklären, wie man die Gesellschaft überhaupt hatte überwältigen und verschleppen können, denn es sollte sich immerhin um sieben größere Zwerge handeln, die zudem einen hohen Prominentenstatus genossen. Ein gewisser Walt Disney hatte sie nämlich dereinst nach Hollywood geholt und einen erfolgreichen Film mit ihnen gedreht, in dem eine schwarzhaarige Schöne eine durchaus tragende Rolle spielte. Auch von diesem Schneewittchen fehlte seit Jahren jede Spur. Eine seltsame Geschichte, die aber die Weltöffentlichkeit nicht weiter bewegte, denn die Stars von gestern sind schnell vergessen, sobald neue Sterne am Filmhimmel aufgehen.
Es dunkelte schon, als Leopold für diesen Tag die Suche aufgab und nach einem Unterschlupf für die Nacht Ausschau hielt. Als er am nächsten Morgen von der Mauer des verlassenen, kleinen Gartens hinunter auf die Stadt blickte, glaubte er seinen Augen nicht zu trauen.
Am Ende der Straße erblickte er eine Ballustrade, auf der aufgereiht die sieben vermissten Zwerge standen. Sogar das zugehörige Mädchen konnte Leopold von seinem Beobachtungsposten aus entdecken. Es erschien dem Wichtel überaus befremdlich, dass die Gesuchten einfach dort standen, offenbar in Freiheit, jedoch keinerlei Anstalten machten, sich zu entfernen. Dieser eigentümlichen Sache beschloss er nachzugehen.
Im Schutz der Oleanderallee tastete sich Leopold vorsichtig an den Ort des grausigen Geschehens heran, wobei er sich immer wieder hinter Baumstämmen und parkenden Autos in Sicherheit bringen musste. Der Straßenbelag war zwar sehr schön mit eingelassenen Steinen gestaltet, jedoch uneben. Dennoch rasten ständig flinke Vespas den Weg hinab, und der Wichtel geriet mehr als einmal in Todesgefahr, als sich ihm quietschend und schwankend ein Gefährt näherte. Nur mit beherzten Hüpfern konnte er verhindern, ein vorzeitiges Ende auf den Straßen des Südens zu finden und mit einem abschließenden, raschen Besenstrich auf dem Kehrichthaufen zu landen.
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| Geiselhaft |
Als eine junge Dame eiligen Fußes die Straße entlangstöckelte, drohte die Lage völlig zu eskalieren, doch da sie wild lamentierend mit ihrem Handy beschäftigt war, gelang es dem schweißgebadeten Zwerg in letzter Sekunde, sich in Sicherheit zu bringen.
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| Wenn ich ein Vöglein wär' |
Vorsichtig rufend versuchte Leopold, mit den Zwergen auf der Mauer Kontakt aufzunehmen, doch die Entfernung war zu groß, und so musste er das einst von der Gartenfee erhaltene Leichtgewichtspulver, eines von drei Geschenken, die ihm die Durchführung seiner Missionen erleichtern sollten, erstmals anwenden. Er musste nur wenig des glitzernden Pulvers über seinen Körper verteilen, und schon gelang es ihm, die Mauer zu erklimmen.
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| Männergespräche |
Die Zwerge waren völlig überrascht ob des unerwarteten Besuchs, und es dauerte eine Weile, bis Leopold die wild durcheinander gerufenen Informationen ordnen und zu einem Tathergang zusammensetzen konnte. Offenbar handelte es sich bei der Entführung um eine Aktion der Mafia, die im Auftrag eines Filmbosses die einstigen Stars beseitigen sollte, um freie Bahn für ein neues Zeichenfilmprojekt zu schaffen. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion waren die sieben Zwerge nebst der Hauptdarstellerin verschleppt und nach Sizilien verschifft worden, wo sie im Meer ein nasses Grab finden sollten. Man hatte auch bereits die notwendigen Betonschuhe angepasst, doch war der für diesen Job abgestellte Luigi Pavarone kurz vor Ausführung desselben in die Schusslinie zweier rivalisierender Familien geraten und der Vendetta zum Opfer gefallen. So lagen denn die Delinquenten eine Weile im Hinterhof des pavaronischen Anwesens, bis ein entfernter Vetter der Familie sie mitnahm, um den Vorgarten seines neuen Hauses in Bordighera zu zieren, wohin er sich mit neuer Identität zurückgezogen hatte. Diese Betonschuhe aber verhinderten mit ihrem nicht unerheblichen Gewicht, dass die Zwerge sich wieder von dort entfernen konnten. So standen sie also und verwitterten in der glühenden Sonne, stets träumend vom einstigen Glanz und Ruhm ihrer Filmkarriere und immer auf Rettung hoffend.
Leopold war erschüttert. Er beschloss, zum Strand zu gehen und nachzudenken, wie er die Ärmsten befreien könnte.
Fortsetzung: Wunder aus der Dose
Beginn der Geschichte:
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Inkenpro says:
Leopold replies:
Rasch2000pro says:
Leopold replies:
bleibt ruhig, jungs! ich habe die sache im griff!! :-))
Rasch2000pro replies:
Leopold replies:
Pandarinepro says:
Und ueberhaupt ist mir aufgefallen, dass die Geschichte in Leopolds Blog ja eigentlich in Ich-Form geschrieben sein muesste, oder? So wie jetzt liest es sich aber besser ...
Hach, was bin ich schon wieder auf die Fortsetzung gespannt! :-)
Hildegard Rasch says:
*Kurt & Mary*pro says:
Leopold replies: