Der Tag beginnt mit einem Schrecken. Obwohl ich pünktlich und brav in der "Lobby" des Motels sitze, kommt kein Bus von Pacific Spirit Tours, um mich zur Fahrt nach Victoria abzuholen. Der Mann an der Rezeption erweist sich als sehr hilfsbereit, wenn auch nicht sehr professionell. Nach mehreren Telefonanrufen steht fest: Ich wurde vergessen. Die Dame von meiner Reiseagentur John Steel Travel sagt dem Hotelmenschen, ich soll den Greyhound-Bus nehmen. Sie zahlen das und regeln das. Der herbeigerufene Taxifahrer begrüsst mich mit den Worten, dass der Bus aber in fünf Minuten losfährt.

Also Hektik, Dass die Dame am Ticketschalter der Greyhound-Station von Prince Rupert derart flexibel und gutgläubig ist, ist mein Glück. Sie stellt mir ein kostenloses Ticket aus, obwohl sich die Agentur bei ihr noch nicht gemeldet hat. Der Koffer wird auch noch schnell eingecheckt und los geht es.

Die Fahrt ist anders als erwartet. Statt eines ständiges "Oh", "Ah" und "Wow" nach jeder Kurve, ist diese morgendliche Reisegesellschaft sehr ruhig. Die spektakuläre Insellandschaft mit Wald, Wasser und schneebedeckten Gipfeln ist hier Alltag. Und Kaputzen-Kids erzählen auch nicht irgendwelche Lebensgeschichten.

Der Greyhoundbus nimmt nicht nur Menschen mit, sondern befördert auch noch Pakete. Weshalb es diverse Stationen auf irgendwelchen Hinterhof-Parkplätzen gibt, und eine Kaffeepause, und eine Pinkelpause, und ... Es dauert und dauert. Schließlich sitze ich in Nanaimo in der Greyhound-Station (wieviele Parkplätze und Hinterhöfe es doch gibt), warte über eine Stunde auf den Anschlussbus nach Victoria (der zwar fertig geladen da steht, aber niemand lässt uns rein) und da höre ich plötzlich, wie über die Lautsprecheranlage mein Name versucht wird durchzugeben. Werde ich jetzt als Schwarzfahrer eingestuft?

Nein, meine Reiseagentur hat ein Fax geschickt mit einem Gutschein für ein Taxi-Transfer von der Bushaltestelle in Victoria zum Hotel. Verbunden mit der Bitte, ich möge doch bitte die kostenfreie Telefonnummer anrufen, wo sich Jo-Ann entschuldigt und entschuldigt. Der Busfahrer hat mich in einem anderen Hotel erwartet. Und genau auf diese Möglichkeit habe ich die Agentur aufmerksam gemacht, als sie meine Hoteladresse in Prince Rupert ändern mussten.

Endlich geht es weiter. Die Reisegesellschaft ändert sich auch. Die verhuschte langhaarige Frau vor mir schreibt einen Brief an "dear chief laughing eagle". Das Paar hinter mir analysiert sein Liebesleben. Und der Typ, der neben mir sitzt, studiert ein Fachbuch für Revolver und Pistolen.

Ich komme also wesentlich später in Victoria an als gedacht, finde kein Taxi, kenne aber den Weg zum Hotel und gehe ihn geschwind. Da ich viel zu wenig Zeit für Victoria habe, mache ich gleich beim Einchecken klar, dass ich gern um eine Nacht verlängern will. Auch weil das, beziehungsweise die Zimmer so toll sind (wahrscheinlich muss ich aber umziehen).

Da klopft es an der Hoteltüre. Der room service bringt mir ein Tablett mit Käse, Früchte, Brot und ein kleines Geschenk. Im beiliegenden Brief entschuldigt sich Jo-Ann von der Reiseagentur nochmals in aller Form und wünscht einen weiteren schönen Urlaub. Da kann man doch nicht mehr böse sein.