Bald ist es Mitternacht und ich sitze in einem Motel, das sich als Thunderbird Inn verkauft. Drei Kleiderbügel, ein verschrammtes Waschbecken, sehr wackelige Steckdosen und Glühbirnen. Im Nebenzimmer läuft der Fernseher.

Was für ein Ende für einen denkwürdigen Tag: die Inside-Passage von Prince Rupert nach Port Hardy habe ich gerade hinter mir. Heute morgen um 5.30 Uhr klingelte der Handy-Wecker. Denn man muss früh einchecken und früh abfahren, um die ganze Strecke in 15 Stunden zu schaffen. Leider ist das Wetter sehr wechselhaft, lässt aber auch viel Raum für Phantasie. Wie das wohl bei Sonnenschein wäre? Was wohl über dem Nebelgürtel steckt? Sehenswert ist die Fahrt zwischen lauter Inseln hindurch auf alle Fälle. Denn es gibt ja nicht nur die Fjord-Landschaft, die mich natürlich an die Hurtigroute-Reise erinnert, sondern auch noch die Tierwelt. Und wenn so ein Orcawal Wasser in die Luft spritzt, werden die Kameras und Ferngläser gezückt.

Zuerst habe ich gedacht, "wozu ein Kabine nehmen?" Doch dieser Luxus erweist sich als super-bequem. Während die anderen Mitreisenden - mehrere Busladungen Deutsche - oben zwischen Cafeteria und Lounge-Sesseln pendeln, habe ich ein Bett mit Bullauge und sogar eine Dusche. So kann ich mich zwischen den wind- und regenumpeitschten Filmaufnahmen immer wieder ausruhen und sogar ein bisschen schlafen - wenn nur nicht wieder die Air condition wäre, die mich zwingt, den orangenen Pullover anzuziehen. Im Bett.

Was ich nicht bedacht habe, diese Inside-Passage verläuft trotzdem mehrere Stunden auf dem Pazifik. Ein erstes Schwanken brachte schlechte Erinnerungen an einen Abend auf dem Postschiff hoch. Aber so schlimm ist es nicht geworden. Auch der Lachsspieß, der auf dem "Sonnen"-Deck frisch gegrillt wurde, ist noch drin.

Und jetzt bin ich in diesem Motel gelandet. Aber erst nach einer nächtlichen Fahrt in einem ausrangierten Schulbus von der Fähre nach "Downtown" Port Hardy. Aber für eine Nacht reicht es. Eine kurze Nacht. Denn morgen früh wartet schon die nächste Busfahrt.