März 2008

Ungewöhnliche Ostern haben wir verbracht: Wir waren bei einem Literaturfestival in der Oetinger Villa. Der erste Tag, (Oster-)Samstag:
Der erste Eindruck der Villa, die auf ihrer Internetseite ein bisschen wie ein Gruselhaus aussieht, war beeindruckend. Das Gebäude hat wirklich eine eigene Seele, dachte ich mir, schauen wir mal, ob sie gut oder böse ist. Schade, dass einige Türen und Wände mit Aufklebern übersät sind: antifaschistische Parolen, Terminhinweise, Plakate. Da wurde mir bewusst, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Jukuz betrat, und das mit 40!
An der Kasse fand ich gleich ein bekanntes Gesicht. Markus winkte uns durch. Heute waren wir Gast und brauchten keinen Eintritt zahlen, weil ich am nächsten Tag lesen würde. Jerk und Iris waren auch nicht weit. Der Raum selbst war zum Teil mit aus- und derangierten Poltermöbeln ausgestattet.
Gegen 20 Uhr ging es los, eine Band spielte, Geige und ein selbstgebasteltes Kontrabass (wenn ich das richtig verstanden habe). Die beiden Jungs haben mir Spaß gemacht. Dann die Lesung. Acht Autoren sollten es jeweils an beiden Tagen sein, heute bekamen wir nur die ersten drei mit, weil wir wieder nach Hause mussten. Es ist schwer, als Vortragender über andere etwas zu sagen, in Erinnerung sind mir aber vor allem ein grausamer Handwerker geblieben, der einen harmlosen Fahrradständer umgemacht hat und ein Experiment mit einer Wunderkerze, worauf ich jetzt nicht näher eingehen will (sehr eklig).

Am Ostersonntag war ich dran, leider erst als Vorletzter von acht, denn da haben einige schon geschlafen oder waren bereits nach Hause gegangen. Diesmal haben wir alle Autoren gehört, zuvor noch eine Band (zweimal E-Gitarre) mit eigenwilligen Texten. Hat mir nicht so gut gefallen wie am Tag zuvor. Wer mehr dazu wissen will, kann sich gerne bei mir melden.
Die Autoren waren gut gemischt, wenn auch Gedichte und Kürzestgeschichten die Mehrheit bildeten, von Sozialkritik bis Betroffenheit. Vieles gut, weniges daneben, wie ein scheinbarer Wettstreit, ob man mit elf oder zwölf Flaschen Bier intus noch lesen kann oder die Aufzählung von Schlagzeilen, während man eine Wurst in die Schüssel legt. Besonders gefallen haben mir z. B. einige Texte von Robsie Richter. Da ich die meisten Autoren nicht mit Namen kenne, weiß ich sie leider nicht mehr genau zu benennen. Als etwas Eigentümliches hat sich noch der Superheld „Prinz Valium“ in meiner Festplatte eingebrannt.
Schließlich war ich dran. Schon am Vortag befürchtete ich, nicht so ganz mit meinen Texten hier rein zu passen. Aber das Publikum war gnädig mit mir, hat gelacht, wo es was zu lachen gab, und war am Ende empört über meine Protagonisten. Ich finde das erstaunlich nach diesem Lesungsmarathon, denn immerhin war es bereits Ostermontag, morgens um halb eins. Meine Tochter hat die Lesung mit ihrem MP3-Player aufgenommen. Link 1 / Link 2
Als Fazit bleibt: Es war ein kleines Abenteuer für mich, nicht gefährlich und der gute Ausgang war vorprogrammiert. Ich habe liebe Menschen kennengelernt, u.a. Jörg „Big“ Herbig und der Tontechniker, dessen Namen ich nicht weiß, sowie einen der beiden Gitarrenspieler. Das Publikum war super. Ich habe viele interessante Eindrücke mitgenommen.