Die Nacht war wieder laut, unruhig und in meiner "dritten Etage" auch noch heiß und stickig. Iris zog es sogar vor mit ihrer Matratze vor das Zimmer auf den Flur zu ziehen, da es dort ohne Norweger ruhiger und nicht ganz so stickig war, zumal hatte sie Höhenangst und da war die 3. Etage eines Stockbettes nun wirklich zu hoch für sie ;)

Ohne Frühstück ging es los, die 10 km nach Logroño, die erste größere Stadt nach Pamplona auf unserem Weg. Das Wetter war merklich besser als am letzten Tag und auch mir ging es merklich besser, dafür geizte der Weg diesmal mit Schönheiten an der Strecke. Erst nach Viana noch durch ländliche Gegend, änderte sich der Weg schlagartig nach der Grenze der Regionen Navarra in die La Rioja in ein vorstädliches Industriegebiet, von den schönen Weinbaugebieten der La Rioja keine Spur.

Kurz vor Logroño kamen wir an dem Häuschen der Doña Felisa vorbei, einer schon weit über 70 Jahre alten Dame, die es sich schon in zweiter Generation zur Aufgabe gemacht hat die Pilgerpässe auf Wunsch mit ihrem schönen Stempel mit der Inschrift "Higos – agua y amor" (Feigen - Wasser und Liebe) zu stempeln. Sie hatte richtig Freude damit! Zusätzlich gab es bei Ihr noch lecker Café con leche und Kekse, sowie eine Reihe von Souvenirs. Ich holte mir hier noch eine schöne, große Jakobsmuschel für den Rucksack, das Erkennungszeichen der Pilger und dann ging es hinunter Richtung Ebro in die Altstadt Logroños hinein.

Am Ebro traf ich wieder auf Ecki, den ich zu letzt in Obanos gesehen hatte, er lief irgendwie orientierungslos in Richtung Alstadt. Auf Nachfrage erzählte er mir, er suche eine Apotheke und da Iris den gleichen Gedanken hatte, sie benötigte neue Ohropax und Nachschub an Blasenpflaster, irrten wir gemeinsam durch die sehr schöne Altstadt vorbei an Kathedrale und Marktplatz. Nachdem wir unsere medizinischen Bedürfnisse stillen konnten, setzten wir uns in ein sehr schönes Café auf dem Marktplatz direkt vor der Kathedrale St. Maria de la Redona und stillten unsere kulinarischen Bedürfnisse. Hier traf ich auch Nicole von Los Arcos wieder, die mir erzählte sie wäre schon am Vortag, wegen ihrer Blasen, von Viana aus nach Logroño mit dem Bus gefahren und genieße heute hier ihren freien Tag beim shoppen! Davon inspiriert besuchten Eika und Iris auch noch diverse Feinkostläden und die Markthalle Logroños, abschließend zündete ich beim Kirchenbesuch in der Iglesia de Santiago el Real noch für jeden von uns eine Kerze an.

Dann aber ging es für Erika, Iris und mich wieder weiter, noch ca. 15 km nach Navarette unserem heutigen Tagesziel. Der Weg aus Logroño heraus war wesentlich schöner als in die Stadt hinein, vorbei am Parque la Grajera einem schönen Naherholungsgebiet mit verlockendem Badesee ging es über eine Anhöhe in die ländliche Rioja Baja (Niedere Rioja), endlich dominiert von Weinbergen und roter Erde. Kurz vor Navarette sah ich meinen ersten realen "Osbourne-Stier", für mich eine der fazinierensten Werbekampagnen, den ich natürlich auch gleich fotografierte und Erika und Iris, ob sie hören wollten oder nicht, von dieser einzigartigen Kampagne vorschwärmte.

Da es bei Erika mit den Füßen immer schlechter und bei mir immer besser lief, schlug ich vor, auf Grund der späten Tageszeit (16.00 Uhr) schon mal vor zu laufen um unser Nachtquartier in der Herberge zu sichern. Das war auch eine sehr gute Idee, ich bekam die letzten beiden Betten plus Isomattenplatz, da kurz vor uns eine große portugiesische Fahrradgruppe und eine koreanische Schulklasse eincheckte. Die Koreaner hatte ich schon in Viana gesehen, erstaunlich, alle zwischen 25 und 20 Jahre alt und gemeinsam mit ihren Lehrern auf dem Jakobsweg - was für ein Schulausflug?!

Erika und Iris kamen kurz nach mir an, Iris wollte auf Grund Ihrer Höhenangst unbedingt auf meine Isomatte, so kam ich in den Genuß ihres schönen Stockbettes. Die städtische Herberge war sehr schön, sauber, gemütlich und hatte eine ganz fürsorgliche und bemühte Herbergsmutter, welche mich mit Verbandsmaterial für meine Blasen versorgte und mir versicherte, dass bis Burgos alle Schmerzen vorbei sind. Toll, das sind ja nur noch über schlappe 100 km - kein Problem! Muchas Graciás.

Ecki und Torsten, ein anderer deutscher Pilger, waren auch schon in Navarette angekommen und so genossen wir zusammen unser Einlaufbierchen in der Kneipe nebenan, sowie anschließend zum Abendessen lecker Macaroni mit Tomatensauce, Tortilla und den guten Rioja Rotwein (Vino tinto). Begleitend lief im TV Champions Leage Manchester United vs. FC Barcelona, die auch leider ausschieden - zur Freude der portugisieschen Radfahrer, die zwar keine ManU-Fans waren - aber Christiano Ronaldo vergötterten.

Ecki, er kam aus der Nähe von Aschaffenburg, erzählte im Verlauf des Abends noch von seinen Beweggründen den Camino zu laufen, er hatte im letzten Jahr einen schweren Unfall, fiel von einem 4,5m hohen Gerüst auf Betonboden und kam "relativ" glimpflich davon. Noch im Krankenhaus schwor er sich, wenn er wieder laufen könne, würde er diesen Weg von Saint-Jean -Pied-de-Port bis Santiago de Compostela laufen und so war er nun unterwegs, wirklich beindruckend!

Die Nacht war super schön, ruhig und erholsam - mal was anderes! Gut, zwei Koreanierin machten etwas Radau vor der Straße, da es schon nach 22 Uhr war, die Herberge abgeschlossen war und sie nicht mehr aufs Zimmer kamen, aber auch das Problem löste sich schnell, als ein Pilger ihnen gnädiger Weise die Türe öffnete.