Ja, es war eine unruhige Nacht. Die letzten Pilger gingen so gegen 23.30 Uhr zu Bett und die ersten standen dan schon wieder gegen 4.30 Uhr auf. Schön! Ich habe sie alle mitbekommen. Merke: Wen ich das nächste Mal eine Matratze im Treppenhaus angeboten bekomme, lieber nochmals drüber nachdenken. Obwohl ich ja in meinem Zustand nicht mehr allzu wählerisch sein konnte.

Mein Zustand, ja leider sah es (gerade) nach dieser Nacht mit der Regeneration nicht so gut aus. Ich fühlte mich echt gerädert. Und die Blasen waren leider auch keine Einbildung oder schlechter Traum, sie waren an diesem Morgen auch noch da und auch noch genau in der Größe wie ich mich gestern von ihnen verabschiedet hatte. Gegen 7.00 Uhr, die meisten Pilger hatten die Herberge schon verlassen, schleppte ich mich zum Frühstück nach unten. Die Spanier und ihr Frühstück, ich werde mich damit nicht unbedingt anfreunden können. Gut, der Café con leche ist ein Traum - wirklich - aber was es dazu gibt ist wirklich kaum erwähneswert, Weissbrot (hart getoastet), Marmelae und Bisquitkekse. Merke: Spanisches Frühstück als Zusatzservice in den Herbergen für 2,50 € , kann man getrost verschmähen.

Allerdings legten mir Erika und Iris Nahe, beide waren schon beim Frühstück, bevor ich meinen heutigen Wandertage startete, dem örtlichen Hospital von Los Arcos einen Besuch abzustatten. Anfangs davon gar nicht begeistert, ich schaffe das schon irgendwie, ließ ich mich letztendlich dazu überreden, da Iris für ihre Blasenbehandlung ebenfalls kurz vorbei schauen wollte.

So bin ich mit Iris ins Hospital gehumpelt und wurden dort auch ziemlich schnell und professionell versorgt. Als sogar die behandelne Ärztin große Augen bei meinen Blasen machte, ich hatte ich das gute Gefühl die richtige Entscheidung getroffen zu haben, oder zumindest dazu bewegt worden zu sein. Mit gut eingebundenen Füßen und im Vergleich zu den Vortagen schlechteren Wetter, da sehr viele Wolken den blauen Himmel verdeckten, ging es wieder gegen 9.00 Uhr zusammen mit Erika und Iris los. Die beiden wollten heute 20km bis Viana laufen, ich wäre gerne noch 10km weiter bis nach Logroño gelaufen, verwarf meine Pläne aber nach den ersten Kilometern sehr schnell. Mir ging es richtig dreckig, ich hatte richtig Schmerzen in den Füßen, jeder Schritt kam mir vor wie auf einem Nagelbrett. Das ich am Abend zuvor kein richtiges Abendessen genossen hatte machte sich auch mein "Bauchgefühl" nicht sehr viel besser! Der Weg führte durch recht unwegsames Gelände im gewohnten auf und ab, auf steinigen unbequemen Pfaden, genau richtig für meine geläuterten Füße. Ich litt' wie ein Hund, versuchte mir aber vor Erika und Iris nichts anmerken zu lassen, doch auch dieser Versuch scheiterte kläglich. Wir machten, bestimmt meinetwegen, mehrmals am Vormittag Pause und ich versuchte mit Cola den Schmerz zu verdrängen. Naja, auch hier hatte ich wenig Erfolg, so war ich recht dankbar als mir Erika am Nachmittag eine Schmerztablette gab, die die Schmerzen schon wesentlich besser verdrängte.

Mein Zustand verbesserte sich langsam, dafür wurde das Wetter schlechter, bei unserer (Nach-)Mittagspause, bei der ich meinen fehlenden Schlaf nachholte frischte der Wind auf und schickte uns dann kurz vor Viana die ersten Regenschauer, willkommene Gelegenheit Regenschutz und Ponchos auszuprobieren, wobei Erika die Ponchoaktion einige Schwierigkeiten auf Grund des starken Windes bescherte, als dann alles perfekt saß, war der Schauer auch schon fast vorbei.

Gegen 18.00 Uhr kamen wir in Viana an und haben in der städtischen Herberge Andrés Muñoz wiedermal die letzen Betten bekommen. 3-Stockbetten, auf kleinstem Raum für neun Pilger, ich lag ganz oben, sieht auch wieder nach einer "besonderen" Nacht aus! Quartier bezogen, noch kurz durch Viana gebummelt, schöner mittelalterlicher Ortskern mit netten Kneipen. In einer dieser netten Kneipen haben wir beim Einlaufbierchen Ernst, einen Norweger deutscher Abstammung kennengelernt, der mit einer norwegischen Reisegruppe für fünf Tage einen Abschnitt auf dem Jakobsweg wanderte. Die Liebe hatte ihn nach Norwegen verschlagen, erzählte er uns mit leuchtenden Augen, er wirkte richtig glücklich, das war echt schön! Der Rest der norweigschen Reisegruppe war auch sehr lustig und gesprächig, sie übernachteten auch in unserem Zimmer in der Herberge ;). Abendessen nahmen wir in einem sehr schönen, nobelen Restaurant in der Altstadt ein, Pilgermenü mit leckerem Wein und hektischer Bedienung für 8 €, sehr lecker - welch gelunger Abschluß eines unplanmäßig verlaufenen Tages!