Das Positive zu Beginn: der 6-Betten-Schlafsaal wurde außer mir noch mit zwei Spaniern aufgefüllt, genau mit den beiden die sich letzten Abend noch so lautstark mit der Wirtin unterhalten hatten. Wenigstens schliefen sie leiser als sie sich unterhielten. Sie beabsichtigten heute bis Puente del la Reina zu pilgern, was mir bis zu diesem Zeitpunkt noch ja noch lächerlich vorkam, wollte ich doch am gleichen Tag bis Lorca pilgern, was ca. 15km weiter war. Ein Fehler den ich noch lange bereuen sollte. Doch der Tag fing ganz harmlos an. Die beiden Spanier liesen den Tag gemütlich angehen, standen um 8.00 Uhr auf und stratzten dann auch gleich los. Ich lies den Tag noch gemütlicher angehen, hatte ja schließlich "Urlaub", gönnte mir einen Café con leche mit Waffel aus dem Automaten und machte mich dann gegen 9.00 Uhr auf, zum Aufstieg auf den Alto del Perdón. Dessen Windpark auf dem Kamm schon von Pamplona aus zu sehen war.

Der Aufstieg auf 735m war interessant mit vielen schönen Aussichten und weniger beschwerlich als angenommen. Oben angekommen ein grandioser Blick, sowohl zurück zu den Pyrenäen als auch nach vorne zu den nächsten Stationen meines Weges. Beim Abstieg erzählten mir fröhlich singende Österreicher, dass man weit in der Ferne schon die Berge Galiziens erkennen könnte. Na ja, ich wollte ihnen das mal glauben, aber eine Fernsicht von 700 km, ich weiß immer noch nicht? Ich bin sehr gut bis Obanos vorangekommen, traf dort Ecki der mir Schauermärchen aus den Pyräenen erzählte, vom Schlamm bis zu den Knöcheln, Dauerregen, Nebel und verirrten Koreaner die nur noch tot aus den Bergen geborgen werden konnten. Kaum zu glauben bei dem strahlenden Sonnenschein heute. Als er fragte wann ich beabsichtige in Santiago anzukommen und ich ihm den 20.05.08 nannte, machte er ein überraschtes und erstauntes Gesicht - das machte mich sehr stutzig. Auf was habe ich mich da nur eingelassen?

Ecki machte ihn Obanos Pause, ich lief weiter Richtung Puente del la Reina, gönnte mir davor aber noch 1 Std. Pause und Mittagsschlaf im Schatten. Puente del la Reina war ein schöner, kleiner Ort - es wurde gerade für ein kleines Musikfestival aufgebaut und Jugendliche liefen musizierend mit Schifferklavier und Schellenkranz durch den Ort. Die mittelalterliche Brücke die den Ort den Namen gab war groß, schön und sehr beindruckend.

Nach Puente del la Reina zog sich der Weg ellenlang weiter nach Lorca. Zuerst durch ein schönes Flußtal, dann laut Führer in leichtem auf und ab durch die Ortschaften Mañeru, Cirauqui teils auf alten Römerstraßen bis nach Lorca. Was für eine Lüge! Der Aufstieg hinter Puente del la Reina, parallel zur neuen Autobahn Logroño - Pamplona war der Hammer, vergeßt den Alto del Perdón! Was habe ich geflucht und geschimpft, eine richtig steile Steigung mit schlechtem Weg, in praller Sonne bei gefühlten 40° C. Ich war sowas von kaputt, hechtete von Schatten zu Schatten und hatte mich schließlich völlig verausgabt! Aber ich hatte ja noch 9km bis nach Lorca.

Leider konnte ich ab diesem Zeitpunkt die schöne Landschaft der Navarra, die nur durch die immer wieder auftauchende nervige Autobahn getrübt wurde, nicht sonderlich genießen. Schleppte mich auf dem Zahnfleisch nach stolzen 34km in die Herberge (ich würde sie "zur schönen Wirtstochter") nennen. Doch viel Genuß stand heute nicht mehr auf dem Programm. Duschen, Klamotten waschen und zum Abendessen einen Bocadillo Jamón. Allerdings das Highligt zur Begrüßung: ein San Miguel grande im tiefgekühlten Bierkrug - welch ein Genuß nach so einem Tag!